30/12/2008

I remember, you were dancing

ich bin so
es gibt keine worte dafuer
muedigkeit liegt schwer auf meinen lidern
liegt auf meinen schultern
wieso liegen muedigkeit und enttaeuschung so nah beieinander
und weshalb wissen und wuenschen so weit auseinander?

als ob man es muede waere
zu hoffen
und dabei wird doch gesagt
es sei die hoffnung
die einen am leben erhaelt

i’m inbedded in the tones of a guitar
eingebettet in die klaenge einer gitarre
liege ich

und wenn es einfach auf einmal eine enttaeuschung zu viel war?
ohne es zu wissen, weisst du
vielleicht hat tatsaechlich alles seine grenzen
wie die geduld
und die kraft
und der glaube

vielleicht die liebe nicht, vielleicht hat sie keine grenzen
vielleicht ist das die schlussfolgerung
grenzenlos
grenzenlos
das wort ist nicht vorstellbar
wie eine haessliche krankheit oder ein
schwarzer tintenfleck breitet es sich aus
immer weiter und weiter
bis man muede wird
es zu betrachten
und deshalb kommt es nie ueber eine bestimmte groesse hinaus
so gross wie meine handflaeche etwa
oder dein kopf

vielleicht sollte man einfach nicht verlangen, dass es weitergeht
meinst du das?
maybe. maybe there’s an end for everything and
i didn’t understand that
it already knocked on my door…

wenn man einmal etwas wundervolles erlebt hat
etwas so wundervolles
wieso darf man sich nicht wuenschen, dass es wiederkommt
dass es weitergeht
dass es gar nicht erst verschwindet

wieso muss es zwangslaeufig kaputtgehen und ich frage mich was
ich ueberhaupt von dir will
ich sollte mich das nicht fragen muessen, es sollte reichen dass
ich das gefuehl habe
mit dir zusammensein zu wollen
mit dir gluecklich sein zu koennen
aber es reicht nicht.
es reicht dir nicht.

22/12/2008

all the way home I'll be warm

Die grauen Wolken und die Kälte. Ein unfreundlicher Windstoß. Brr. Keine Schokolade der Welt kann das Flair eines sonnigen Sommertages wettmachen. Und obwohl ich noch nicht mal behaupten würde, ein absolutes Sommerkind zu sein, zerrt diese Farblosigkeit doch an meinen Nerven. Selbst die Dunkelheit ist nicht dieselbe.

Manchmal passiert alles so schnell, dass es verschwimmt, und man ist mittendrin und fragt sich für einen kurzen Moment, was man da eigentlich gerade macht. Ganz kurz ist der Moment, ganz kurz versucht man, die Zeit anzuhalten; doch es reißt einen weiter, reißt einen mit, und du hast keine Zeit um nachzudenken, verschwimmst selbst, und das ist gut so.

Ist einfach richtig.

18/12/2008

frapper nos yeux

Wir sind viel zu spät, schießt es mir durch den Kopf; aus dem Saal dringt bereits gedämpfter Gesang. Kerstin schreckt vor der Türklinke zurück, ein zögernder Blick trifft mich. Aber wir müssen, wir müssen da rein, jetzt sofort jetzt oder nie je länger wir warten desto mehr Überwindungskraft werden wir brauchen also oder vielleicht sollten wir doch besser…
– „Jetzt mach schon auf!“, dränge ich und spüre Nervosität an mir empor kriechen, spüre, wie mein ganzer Körper sich anspannt; bereit zum Sprung. Oder zur Flucht.
Wie albern, Kerstin öffnet und wir schlüpfen schnell hinein; aufatmend drücke ich die Tür behutsam wieder hinter mir ins Schloss
– da – steht sie –
neben der Tür und sie schaut mich an und ich
– lächle ich? –
ich stolpere zu meinem Platz,
stolpere über eine abgestellte Wasserflasche und sie fliegt mit Schwung unter einen der Tische, aber ich kann nicht zurück, nicht jetzt, ich muss zu meinem Platz, ich muss.
Ich drehe mich zu ihr um, und alles was ich denken kann ist,
Oh Gott, das war ihre Flasche. Jetzt muss sie mich für eine vollkommene Idiotin halten.
Eine arrogante Idiotin, die sich zu gut dafür ist, die Flasche zurückzustellen und sich zu entschuldigen. Super.

Aber da war dieser Moment, in dem ich ganz nah an ihr vorbei aus der Tür ging. Ich spürte ihren musternden Blick auf meinem Kleid, meinem Körper ruhen, und irgendetwas war in diesem Blick. Irgendetwas Undefinierbares. (Wenn man neben jemandem steht und das Gefühl hat, es liegt eine Spannung in der Luft, eine Form von Elektrizität, die noch keinen Weg in die Physikbücher gefunden hat, was ist das dann?) Eine Art Wärme, ohne wirklich warm zu sein; das Gefühl, ein Spannungsfeld verlassen zu haben, sobald man an ihr vorbeigegangen ist.
Und woher weiß ich, dass ich nicht die Einzige bin, die diese Spannung gespürt hat. Woher soll ich das wissen.

14/12/2008

don't believe in pain

Er saß auf dem Fußboden und starrte die Wand an.

Längst hatten die Kacheln jegliche Wärme, die sie den Tag über vom einfallenden Sonnenlicht anvertraut bekommen hatten, verloren; doch ihm war das egal. Ebenso egal wie die Tatsache, dass die Wand vor ihm in der hereinbrechenden Dämmerung mehr und mehr mit der Dunkelheit verschmolz.
Die Knie angezogen, mit den Armen umschlungen, den Rücken gekrümmt; so saß er schon seit einer geraumen Weile in der Küche und rührte sich nicht.

‚Spürt er die Schmerzen in seinem Rücken denn nicht?’, fragten sich die Vorhänge; nutzlos zu beiden Seiten des Fensters herabbaumelnd. ‚Nein!’, antwortete die Kaffeemaschine erklärend, ‚Das ist bei den Menschen so, wenn sie verliebt sind. Dann nehmen sie gar nichts mehr wahr.’ Stolz um ihr Wissen, hätte sie beinahe zu kochen begonnen; besann sich jedoch rechtzeitig und begnügte sich damit, selbstgefällige Blicke auszuwerfen. Eine Tasse, die auf dem Tisch noch darauf wartete, in die Spülmaschine geräumt zu werden, blieb an einem dieser Blicke hängen. ‚Gib’ nicht so an.’, grunzte sie verdrießlich und gähnte demonstrativ.
Gerade, als die Kaffeemaschine sie erbost anfahren wollte, regte sich der Mann auf dem Küchenfußboden. Mit flacher Hand schlug er sich klatschend an die Stirn, als habe er verzweifelt über etwas nachgegrübelt und sei nun auf die rettende Lösung gestoßen.

„Natürlich!“, rief er aus und sprang auf, als fließe ihm auf einmal purer Tatendrang durch die Adern. „Das ist es!“ Aufgeregt begann er, in der Küche auf und ab zu gehen; die erschrockenen Blicke der Vorhänge entgingen ihm ebenso wie das verhaltene Schnaufen der Kaffeemaschine. Da die Küche bereits in tiefste Dunkelheit getaucht war, stieß er sich schmerzhaft das Knie an einer Stuhlkante – ‚Au!’, protestierte der Stuhl, ‚Kannst du nicht aufpassen!?’ – und humpelte so, leise fluchend, aus dem Raum.

‚Da hast du’s.’, sprach der Eichenholztisch dumpf in die Stille hinein. ‚Das geht jetzt jeden Tag so.’

13/12/2008

I won't be here when you get home

Eine unbestimmte Übelkeit ergreift Besitz von mir. Diese Art von Übelkeit, die beharrlich in der Kehle hockt und mich überlegen lässt, ob ein Finger im Hals vielleicht weniger unangenehm wäre. Oder wenigstens nur kurz.

In meinem Kopf wurde etwas durcheinander geschüttelt. Gleich Sand auf dem Grunde eines Meeres sind meine Gedanken aufgewirbelt worden, als sei ein großer Fisch dicht darüber hinweg geschwommen; als habe jemand sich hinabsinken lassen und sei auf dem Grund herumgesprungen, habe gestrampelt,
bis das Wasser sich trübte.
Tanzende Sandkörner.
Ich kann sie natürlich ignorieren, kann die Musik laut aufdrehen und so tun als wüsste ich; so tun als gäbe es keine Trübung des Wassers.
Ich könnte auch so tun als gäbe es keinen Sand. Es gibt schließlich sogar Menschen, die nicht einmal wissen, dass es ein Meer gibt.
Ich könnte ganz einfach abwarten, bis meine Gedanken von selbst wieder auf den Grund des Denkens sinken, denn das werden sie, so will es die Schwerkraft.
Ja. Ich könnte warten.
Aber vielleicht – vielleicht nur – ist das hier meine einzige Gelegenheit, die einzelnen Sandkörner genauer zu betrachten. Vielleicht kann ich sogar den Fisch packen, wenn ich schnell genug reagiere; vielleicht gibt es mehr als das, was ich bis jetzt kennen gelernt habe.

Vielleicht nicht nur Sand.

07/12/2008

if you ask yourself patiently and carefully

Klackernde Schuhe auf nassem Asphalt.
Die Straße windet sich den Berg leicht ansteigend empor; die kleine Gruppe von Schülern lässt das verträumte, mit Schnee bepuderte Dörfchen hinter sich. Kahle Bäume säumen ihren Verlauf, stehen tropfend und verstreut umher, bieten einen trostlosen Anblick. Hin und wieder unterbricht ein gelachter Schrei die nasskalte Stimmung, Schneebälle fliegen, Mädchen kreischen auf.

Ich laufe in Gedanken versunken, atme die kalte Luft tief ein. Sie läuft hinter mir, sie lacht schallend auf, als ihre Freundin etwas sagt. Meine Hand umfasst die Notenmappe etwas fester, beinahe wäre sie mir weggerutscht; ich murmle etwas, um mein Verständnis des Gesprächs zu bekunden. (Kerstin plappert munter vor sich hin.)
Was wäre, wenn?, fragt die Stimme in meinem Kopf, und ehe ich sie zum Schweigen bringen kann, hat sie bereits ein Szenario zusammengestellt. Meine Noten auf dem Boden, mein hastiges Aufsammeln, ihre hilfsbereiten Hände.
Nähe, Nähe
; mein Herz schlägt fordernd.

„Hey! Ihr habt da was verloren!“ Mein Kopf wie leergefegt. Ich drehe mich um und sehe die Noten auf der nassen Straße liegen, wie in Trance bewege ich mich auf sie zu; das sind gar nicht meine Noten, aber ich kann nicht anders. Dass sie sich ebenfalls hinabbeugt, ist selbstverständlich, ist Naturgesetz, kann gar nicht anders sein. Ihre Freundinnen sind längst weitergelaufen, drehen sich ungeduldig nach ihr um; sie trägt Handschuhe. Sie greift vergeblich nach den Blättern, und während ich sie vom Boden klaube, entschuldigt sie sich; ich bedanke mich. „Trotzdem danke“, will ich sagen, aber das erste Wort bleibt in der Kehle stecken; sie sieht mich nicht an, sie spricht schon wieder angeregt mit ihrer Freundin.

Ich schüttle verwirrt den Kopf, reiche Kerstin wortlos die Noten und folge ihr.

04/12/2008

and she's buying a stairway to heaven

Melancholie tropft von meinen Fingerspitzen, wenn ich die Hand hebe. Meine Haare sind durchtränkt, an meinen Beinen laufen die Tropfen langsam entlang und ziehen ihre Schlieren.
Ich sitze ganz still.

02/12/2008

teach me how to sing if I cannot fly

Des Menschen Drang, fortwährend alles zu hinterfragen, ist sein Untergang. Die Frage nach dem Warum dient nicht ausschließlich der Entdeckung, der Fortentwicklung; sie kann auch ganz einfach zerstören. Sie sollte manchmal nicht gestellt werden. (Und trotzdem flüstert es leise in deinem Kopf.)

Ein dickbauchiger, zinnener Kessel über einem kleinen Feuerchen.
Steinboden, violette Flammen.
Ab und zu zischt etwas, und Dunstschwaden entsteigen dem brodelnden Kesselinhalt, hin und wieder ein platschendes Plumpsen, als seien gleich mehrere Steine auf einmal vom Herzen in den Kessel gefallen. Unbegreifliche Farben vermischen sich, spielen miteinander und verlieren sich in matt schimmernden Schlieren.

In scheinbarer Ziellosigkeit schweben kleine Fläschchen über dem Bild, ziehen ihre Kreise, und wie von Geisterhand schütten sie Schlückchen ihres Inhalts in den großen Kessel. Mal mehr, mal weniger; einige liegen zerbrochen am Boden.
Einen Schuss Tagträume, vermischt mit zähflüssig tropfender Wirklichkeit; ein paar Tropfen Einbildungskraft – Der Inhalt des Kessels beginnt zu strahlen, beginnt in gleißendem Weiß zu strahlen; doch schon senkt sich erneut ein Fläschchen hinab und die Flüssigkeit trübt sich, mit Zweifeln versetzt, mit verdunkelnden Enttäuschungen. Fragezeichen sirren von der hohen Decke herab und klirren leise bei ihrem Aufprall, kalte Blicke gleiten schlangengleich hinein;
und ich würge,
will den verdammten Kessel umstürzen
oder wenigstens jedes Fragezeichen einzeln herausfischen.

Doch sie haben sich längst aufgelöst, sind verschmolzen mit dem restlichen Brei, der meinen Alltag darstellt; mein Leben. Alles.

Und es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich über jedes Aufleuchten zu freuen. Und die dunklen Tage irgendwie zu überstehen.