18/12/2008

frapper nos yeux

Wir sind viel zu spät, schießt es mir durch den Kopf; aus dem Saal dringt bereits gedämpfter Gesang. Kerstin schreckt vor der Türklinke zurück, ein zögernder Blick trifft mich. Aber wir müssen, wir müssen da rein, jetzt sofort jetzt oder nie je länger wir warten desto mehr Überwindungskraft werden wir brauchen also oder vielleicht sollten wir doch besser…
– „Jetzt mach schon auf!“, dränge ich und spüre Nervosität an mir empor kriechen, spüre, wie mein ganzer Körper sich anspannt; bereit zum Sprung. Oder zur Flucht.
Wie albern, Kerstin öffnet und wir schlüpfen schnell hinein; aufatmend drücke ich die Tür behutsam wieder hinter mir ins Schloss
– da – steht sie –
neben der Tür und sie schaut mich an und ich
– lächle ich? –
ich stolpere zu meinem Platz,
stolpere über eine abgestellte Wasserflasche und sie fliegt mit Schwung unter einen der Tische, aber ich kann nicht zurück, nicht jetzt, ich muss zu meinem Platz, ich muss.
Ich drehe mich zu ihr um, und alles was ich denken kann ist,
Oh Gott, das war ihre Flasche. Jetzt muss sie mich für eine vollkommene Idiotin halten.
Eine arrogante Idiotin, die sich zu gut dafür ist, die Flasche zurückzustellen und sich zu entschuldigen. Super.

Aber da war dieser Moment, in dem ich ganz nah an ihr vorbei aus der Tür ging. Ich spürte ihren musternden Blick auf meinem Kleid, meinem Körper ruhen, und irgendetwas war in diesem Blick. Irgendetwas Undefinierbares. (Wenn man neben jemandem steht und das Gefühl hat, es liegt eine Spannung in der Luft, eine Form von Elektrizität, die noch keinen Weg in die Physikbücher gefunden hat, was ist das dann?) Eine Art Wärme, ohne wirklich warm zu sein; das Gefühl, ein Spannungsfeld verlassen zu haben, sobald man an ihr vorbeigegangen ist.
Und woher weiß ich, dass ich nicht die Einzige bin, die diese Spannung gespürt hat. Woher soll ich das wissen.

3 comments:

  1. ich muss jetzt leider etwas sehr sehr unromantisches sagen...:
    machen sie mal den mund auf! ;)

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  2. jetzt sind erst mal ferien... aber generell schrecke ich davor zurueck, eine meiner traumseifenblasen platzen zu lassen. kennen Sie das nicht?

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  3. klar... aber die ganzen omas da draußen haben nunmal recht wenn sie sagen, "wer nicht wagt, der nicht gewinnt."
    ich war auch mal so... aber jetzt nicht mehr. und es ist gut so.

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