31/10/2009

jusqu'à étouffer de toi

Liebe? Was ist das?
Ich kenne die Antwort nicht.

Alles, was ich weiß, ist, dass ich gern in ihrer Nähe bin. Ich habe sie gern um mich; sie muss nicht viel lachen oder tun oder besonders spannende Dinge erzählen, sie muss nur da sein. Dann werde ich ruhig und warm.

Und dann will ich, dass sie bleibt, und überlege, überlege angestrengt, worüber wir reden könnten, und mir fällt nichts ein. Nichts Großes, nichts, was meiner Zuneigung Ausdruck verleihen könnte, und natürlich geht sie dann, nach einer gewissen Zeit.

Ich weiß, dass es mir gut tut, sie zu berühren, und wenn nur unsere Ellenbogen aneinander geraten oder ihr Fuß sacht mein Bein streift. Und ich weiß, dass ich ein eifersüchtiges Stechen im Bauch spüre, wenn sie mit jemandem spricht und ihre Augen blitzen lässt.

Ist Liebe denn mehr, und weshalb?

26/10/2009

too good to forget

ein blick
ein laecheln
koerperkontakt
ungewohnt nahe
herz geraet aus dem takt

Ich bin in eine Geschichte vertieft; das Kinn auf die Tischplatte gestützt, das kleine Büchlein vor mir, S. neben mir, immer mehr verschwimmend. Plötzlich greift ein Paar Hände nach meinem Buch, eine Stimme fragt „Was liest du denn da?“ und ich tauche auf, abrupt, finde mich einen Moment lang nicht zurecht, dann ihre Augen. Ihr Gesicht ganz nah vor meinem, warmer Blick, mein Herz pocht, wie um aufzuholen.

Wie sie lächelt! Selbst überrascht, wie ruhig / nüchtern / selbstsicher meine Stimme klingt; erst als sie weiterläuft, nicht mehr zu sehen ist, überschlägt sie sich vor Freude, und S. sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.

Ist was? Nein, nein! Nein.

24/10/2009

yet feel the air beneath my feet

"Die mit dem Hut, die hat ein abartig hübsches Gesicht,
findest du nicht?" (So, oder so ähnlich.)
Ich schaute hin, als hätte ich sie den ganzen Abend
noch nicht genug betrachtet, und nickte unschlüssig, ja.
Feine Gesichtszüge, hohe Wangenknochen, der schwarze Hut.
Ja, aber das ist es nicht.

Als wir die Treppen hinabstiegen, drangen Klavierklänge an mein Ohr; nur vereinzelt, und es war recht still sonst, war denn noch niemand da? Tatsächlich war der Raum kaum gefüllt, die Band noch längst nicht bereit; ich sah sie an der Bar lehnen, sie trug einen stilvollen, schwarzen Hut. Oh how that suits her. Sie sah mich / sah mich nicht, lächelte? Ich lächelte mit flatterndem Blick in ihre Richtung. Natürlich, was hatte ich erwartet, wie sollte sie sich auch an jedes Gesicht erinnern, in dessen Hand sie einen Flyer gedrückt hatte? Wir vertrieben uns die Zeit mit Worten, und je weiter der Abend fortschritt, desto mehr breitete sich das Gefühl der Behaglichkeit in mir aus; zusammengerollte Katze vor wärmendem Ofen. Kurz davor, zu schnurren. Irgendwann fing einer an, zu singen; bald saß die ganze Band auf der Bühne, und wenn ich den Kopf ein wenig hob, konnte ich ihr Gesicht sehen.

Und sie begann, zu singen.

Es war nicht ihre Stimme, die mich erst aufhorchen und dann wie gebannt lauschen ließ. Es waren die Worte, der Text; ich lauschte einer Beschreibung meiner Gefühle, eines Ausdrucks, den zu erschaffen ich nie vermocht hätte. Es stimmte, es stimmte einfach alles; "all I want is to be near you", ich lachte leise, überrascht auf. Schmerzlich berührt, vielleicht. "I try, I try, I try", immer wieder, und dann: "Why don’t you let me be fucking close to you?" Oh, ja.

Ich war mir ihrer Schönheit nicht bewusst und bin es mir auch jetzt noch nicht. Und, ist es wirklich Schönheit? Feine Gesichtszüge, hohe Wangenknochen, der schwarze Hut. Ich bin mir sicher, das ist es nicht. Vielleicht nimmt man es als Schönheit wahr, vielleicht tun das alle, aber es ist ihre Ausstrahlung; ihr wehmütig / hingebungsvoll / sanfter Gesichtsausdruck beim Singen, ihre immer samtiger werdende Stimme, die erkennen lässt, wie wohl sie sich fühlt bei dem, was sie da tut, wie sie es tut. Es ist ihr strahlendes Lachen, das mitunter aufblitzt; und das Lächeln, mit dem sie sich und ihre Bandkollegen verbindet.

Nach dem letzten Song bekommt jedes Bandmitglied seine Ration Applaus. Als ihr Name genannt wird, klatschen die Leute am lautesten; pfeifen begeistert. Später sehe ich ein Mädchen auf ihrem Schoß sitzen und frage mich, was an diesem so besonders ist; ausgerechnet an diesem.

21/10/2009

eye to eye, thigh to thigh

da steht sie 
und lacht 
in meine richtung.

Sie setzt sich neben mich, berührt mich wie beiläufig, und ich weiß, das ist es nicht, ist es ganz und gar nicht; sie will mich brennen sehen, und sie brennt selbst. Die Hitze ist unerträglich, meine Wangen glühen. Ich muss warten, werde gezwungen, abzuwarten, und dann sind wir plötzlich für einen Augenblick allein, und ich überlege nicht, keine Zeit, ich will sie und ich küsse sie und sie küsst mich atemlos. Dann wieder in die Küche, spüre sie noch auf meinen Lippen, bestimmt sieht man es mir an, bestimmt! aber niemand sagt etwas und ich werde selbstsicherer, bewege mich wieder frei und schenke ihr nach.

Und sie streichelt meine Hand, mit der leichten Bewegung ihres Fingers, und alles, was ich will, ist hier zu sein. Bei ihr, von ihr berührt, sie berührend. Das gibt mir so viel, diese leise Berührung, die niemand sieht, von der niemand weiß, aber unsere Hände unter dem Tisch ineinander verschlungen. Dann sagt T. etwas, das mich zusammenfahren, das mich zusammenkrümmen lässt, und ich begreife es nicht, aber ihre Hand streichelt, für alle sichtbar, über meinen Rücken, beruhigend, tröstend, und ich schmiege mein Gesicht an sie und es ist mir egal, was alle denken. Sie sehen nur die Zuneigung, nicht das Feuer. Sie müssten aber vollkommen blind sein, um die Blicke nicht zu bemerken, die wir austauschen; Blicke voll Wärme.

Sind sie blind? Es scheint so. Es ist besser so.

19/10/2009

written all over my face

sehnsucht ist hunger
ist verlangen und zehren
nach waerme.

Ich fühle mich ein wenig unwohl als ich in meinem Mantel, der mir zu groß ist, mit den lose zusammen gebundenen Haaren und alles andere als in Partystimmung den Raum betrete. Doch L. lacht mir zu, und das Eis ist gebrochen, wird zur Beilage unserer Drinks, die wir kippen während wir immer lauter werden, lauter und lustiger und meine Verkrampfung löst sich nach und nach, ich löse meine Haare, die anderen stecken sie sich hoch. Besprühen sich mit Haarspray, ich schaue nur lachend zu; das Zimmer ist verqualmt, die Mädchen bemalen ihre Gesichter, ich frage mich, wofür? Ich bemale mich nicht, der Spiegel geht an mir vorbei, und niemanden stört es, es ist gut so, ich bleibe so, ich will so sein.

Auf dem Marktplatz stehen die Leute eng aneinander, jemand küsst, ein roter Mantel umarmt mich, ich stolpere über Kopfsteinpflaster und stelle fest, dass die Angst vor dem Verlorengehen verloren gegangen ist. Ich habe viel getrunken, viel geraucht, ich kann nicht klar denken, ich genieße es. Neue Gesichter, neue Bekanntschaften, ah, hallo, dich hab ich doch eben schon mal gesehen? Lachen. Einer sucht seinen Mitbewohner, der hat den Schlüssel, sonst komm ich nich’ rein! und dann findet er ihn und verliert ihn wieder, und es macht nichts, irgendwo kann man immer pennen. L. küsst mich, ich erwidere den Kuss, ja, nur oberflächlich, nur aus Spaß, aber ich brenne ein wenig. Ein kleines Bisschen. Und später reißt die raue, tiefe Stimme eines dunkelhäutigen Mädchens mich von ihr weg; sie packt mich am Arm und erklärt mir mit harten Worten die Welt. Ich muss lächeln, sie kommt mir bekannt vor, sie drückt mir einen Flyer in die Hand und sagt "von meiner Band". Am Freitag, ich sage spontan zu, sie interessiert mich.

Sie ist lesbisch, irgendjemand spricht es aus, das Wort, vielleicht ist sie es selbst, und ich nehme es ohne Scheu in den Mund. "Bist du nicht", lacht einer, und ich funkle ihn an, woher er das wissen will? Er schaut bloß komisch, mustert mich, schüttelt den Kopf. "Höchstens bi, vielleicht.", sagt er, und ich lege den Kopf schief, nicke dann, darauf können wir uns einigen. (Oh Gott, habe ich das wirklich gesagt?) Er lacht, ich muss mitlachen.

14/10/2009

take me to the magic of the moment




well
I guess,
autumn really is

 c     T
 o     H
 m     E
 i     R
 n     E






Und jetzt frage ich mich, wie es weitergeht. Natürlich doch. Natürlich bin ich jetzt süchtig nach dem Gefühl. Weil das so richtig und gut war. Und natürlich meldet sie sich nicht, und ich harre aus, kühle meine Wangen und bin hin und her gerissen zwischen Weltuntergang und siebtem Himmel.

Mindestens.

11/10/2009

a window breaks, down a long, dark street

Ich will keine Metaphern dafür finden, keine Vergleiche.
Ich will das einfach beschreiben; den Moment.

Wir waren durch die menschenleere Stadt gelaufen, Richtung Markplatz, von den Laternen in gespenstisches, kühles Licht getaucht. Irgendwann schob ich mein Fahrrad neben ihr her, auf dem Rückweg, "Soll ich dich noch zum Auto begleiten?" Ja. Betrunkene grölten hinter uns her, sie drehte sich um und verteilte ein paar verbale Ohrfeigen, ich lachte nur. Und verfluchte innerlich die Tatsache, dass meine Berauschtheit von den paar Bier längst wieder abgeklungen war; dass sie mit dem Auto gekommen war und deshalb ebenfalls nüchtern. Denn sonst, sonst – Wo den Mut her nehmen?

Dann, sie an der Autotür, sie öffnet sie noch nicht, sieht mich an, ich stelle mein Rad ab. Umarmung, geflüstertes "Tschüß", und etwas in mir kochte hoch, kochte über, vielleicht Verzweiflung, vielleicht Verlangen; ich hielt sie umschlungen, hielt sie fest.
Aber du kannst jetzt nicht gehen!

Unbewusst hatte ich mich zwischen sie und das Auto gestellt, stand also mit dem Rücken daran gelehnt, und sie dicht vor mir, so nah. Keine Farben, nur ihre Jacke, dunkelblau; ich strich vorsichtig mit der Hand über den Stoff, wir lachten beide, unsere Blicke ineinander verhakt, immer ernster werdend. Je mehr das Lächeln von ihren Lippen, aus ihren Augen wich, desto intensiver wurde der Blickkontakt, ich spürte die Spannung, schmeckte sie. Wie viele Zentimeter waren das noch zwischen uns, ich weiß es nicht, spürte nur, wie es mich zu ihr hinzog, und konnte dieselben Gefühle in ihrem Gesicht lesen. Sie rang mit sich, biss sich auf die Unterlippe, näherte sich mir und schreckte wieder zurück, atmete ich noch? Eine schiere Ewigkeit standen wir so da, kurz davor und doch nicht bereit, bis es fast körperlich schmerzte, bis ich glaubte, im nächsten Moment zu zerspringen.

Und dann zeriss die Spannung, ohne sagen zu können, wer sich auf wen zu bewegt hatte; ihr Mund auf meinem, weiche Lippen, vorsichtig liebkosend, dann verlangend, ich spürte ihren Körper beben und wie sie mir nachgab und doch nicht. Ich öffnete die Augen und habe ihr Gesicht noch nie so weich gesehen. Ich verliebte mich in das Geräusch, das entstand, wenn sich unsere Lippen voneinander lösten. Eine Katze maunzte, wir lächelten leise, Gott, es fühlte sich so richtig an, so richtig und gut. Ihre Hand an meiner Wange während sie mich küsste, und dann der Abschied, und ich winkte noch.

05/10/2009

taffy stuck and tongue tied

Aufgewacht und überlegt, Traum und Wirklichkeit sortiert,
dann, triumphierend – Nein, das war nicht geträumt.
Das war Theater.

Ein Mädchen mit kurzen roten Haaren hält das Mikrophon in der Hand, mein Blick bleibt an ihr hängen, an dem leuchtenden Rot ihrer Haare, ihrer ungestümen Art; sie boxt den Gitarristen in die Seite, lacht. Sie singt die ersten Zeilen, und ich mag ihre Stimme sofort; kraftvoll und ungewöhnlich dunkel, ungewöhnlich intensiv. Ich frage mich, ob sie tatsächlich zu mir hersieht oder nur den Blick ins Nichts richtet, dann ist es mir gleichgültig, ich beobachte sie weiter. Sie lacht unbehaglich als einer der Darsteller einen Monolog über Masturbation hält, das verwundert und amüsiert mich; allgemein verfolgt sie das Geschehen mit kindlicher Ernsthaftigkeit, sie mag diese Leute, mag die Atmosphäre.

Als der Applaus uns überschüttet, nicht enden will, spielt die Band erneut auf. Anfangs verschämt, dann immer ausgelassener tanze ich mit den anderen zur Musik, das Publikum klatscht noch immer, klatscht im Rhythmus, und mit einem Mal stehen die Leute von ihren Plätzen auf und tanzen mit uns, und wir sind eine große Masse aus Händen und Füßen und sich wiegenden Körpern.

Sie lacht mir zu, ich lache zurück, kann ohnehin nichts anderes tun als zu strahlen; was für ein Gefühl ist das, was für ein großes Gefühl! Um mich nur Fremde, die mir zulachen, die tanzen und schwitzen, und dann tippt mir jemand auf die Schulter, B. ist es, ich hatte sie schon aus den Augen verloren. Sie zeigt auf das Podest in der Mitte des Saales, fragend, ich überlege, überlege nicht lange, nicke. Und wir tanzen erhöht, tanzen im Mittelpunkt, ich ziehe L. zu uns hinauf und weiß, dass ich das nie vergessen werde.

01/10/2009

just like a puppet on a string

einfach
              nicht
fallen

zwar
       s t
           o  l  p
                    e
                       r
                        n

aber nicht zu heftig, nicht zu sehr, nur ein wenig und dann

sich wieder fassen, wieder aufrichten, nicht hetzen

ruhig kopf + fuss heben, nicht laenger fallend schweben sondern

den schmerz verweben zu einem netz das auffaengt
« elastische vorsichtigkeit »

und warum auch immer, aber nach jedem stolpern haeltst du kurz inne und betrachtest ein wenig versonnen die traenen, die deine wangen befeuchten und trocknen und nichts bleibt.