30/11/2009

through smoke and mirrors

Manche Dinge nehmen erst dann Gestalt an, wenn man sie ausgesprochen hat. Während man spricht, sieht man ihnen
beim Wachsen zu, und man begreift, so ist es tatsächlich; diese
banalen Worte können diese scheinbar ungreifbaren Gefühle fassen.
Sie können es. Sie schaffen es, und das ist erschreckend
und erleichternd zugleich.

Kennst du das, diese flammende Begeisterung für ein Lied, irgendein Lied, es muss nicht mal gut sein, es muss nur irgendwie passen, und du hörst es wieder und wieder und kannst nicht genug bekommen. Für eine Weile. Und dann ebbt deine Begeisterung wieder ab und das Lied verschwindet von Jetzt auf Gleich von der Bildfläche, out of your mind. Du merkst es gar nicht; erst ein paar Tage später, vielleicht, oder Wochen, fällt dir auf, dass du dieses Lied mal geliebt, dass du es in Dauerschleife laufen lassen und dann einfach vergessen hast.

Genauso schnell kann Leidenschaft verfliegen. Verliebtheit kann einfach, vom einen auf den nächsten Moment, in sich zusammenschrumpfen und du siehst ihr dabei zu und fragst dich, warum, und willst sie festhalten, aber das ist nicht möglich. Ist einfach nicht möglich. Und vielleicht schrumpft sie auch nur scheinbar in sich zusammen, um im nächsten Augenblick größer denn je hervorzubrechen – Wer weiß das schon. Kann sein; kann sein, dass nicht.

Ich bin so unglaublich müde. Ich bin so unglaublich blue, but in a good way, you know?

22/11/2009

heaven can wait, we're only watching the skies

Der Abend begann schlurfend, stolpernd;
als widerstrebe es ihm, zu beginnen.
Und dann trödelte er noch ein Weilchen vor sich hin,
füllte mich mit ozeanblauer Melancholie,
ließ mich wogen und schwanken und zerstäuben,
bis ich ihn an der Hand hinter mir her zog
und die Tür hinter uns schloss.

Die Zeiten seien vorbei, dachte ich, sage ich; die Zeiten, in denen man als Teil einer Gruppe gelangweilter Jugendlicher an einem unbestimmten Ort steht und sich überlegt, was zu tun sei. Hierhin oder dorthin oder lieber doch – nein. Sie steht etwa zwei Meter von mir entfernt, sie lacht, und dann schaut sie mich an und ich schaue zurück und es ist viel zu intensiv, ich spüre, spüre körperlich eine Art Stromstoß meinen Körper durchzucken, so heftig und so stark, dass ich wegschauen muss.

        Und sie sagt, ihre Hände seien kalt, aber ich traue mich nicht,         sie wärmend zu umfassen. Erst später, später fasse ich ihre         Hand, ziehe sie hinter mir her; sie hatte sich schelmisch auf die         Unterlippe gebissen und ich wusste, was sie wollte.

        Nackt und hässlich weiß, die Toilette, das Klopapier, kein Platz         für Romantik, ich schaue sie an. Sie folgt mir. Sie drückt         unendlich langsam die Tür hinter sich ins Schloss und beginnt,         unendlich langsam, mich zu küssen. Hungrig erwidere ich den         Kuss, es werden viele Küsse, meine Hand sucht ihre Haut,         unsere Körper aneinander gepresst, fest und fester, eng und         enger.

Er spricht mit gedämpfter Stimme, ich muss mich zu ihm hinneigen, um ihn zu verstehen; die Musik wummert neben uns, auf der Tanzfläche zuckende Körper in buntem Licht. Eine tiefe Ruhe ergreift Besitz von mir, ich muss zuhören und das Richtige sagen, ich bin mir sicher, dass ich es kann. Wir stecken uns Zigaretten an und ich schlage die Beine übereinander; er redet, macht eine Pause, spricht weiter.

Langsam ließ ich den Rauch aus meinem Mund entweichen, trockener Mund, bitterer Geschmack, aber der Rauch. Der Rauch. Ich streckte die Beine von mir und sah ins Nichts, während T. sprach, während ich mir überlegte, was zu sagen sei; sie schmiegte ihren Kopf an meinen, eine leichte Bewegung nur, und doch.

13/11/2009

nothing left to fear

Ihr Mund auf meinem, warm und weich und so vertraut.
Ihr Atem, während sie schlief
oder vorgab zu schlafen
oder wegdämmerte.
Ihre spaltbreit geöffneten Augen, nur kurz,
und ja, ich betrachte dich, ist das verboten?

Ich betrachtete sie und wagte nicht, die Hand an ihre Wange zu legen. Strich vorsichtig über ihren Arm, ihren Rücken, sie murmelte irgendetwas, ich stockte. Betrachtete sie nur, und sehnte mich, und war froh. Und sie schlang einen Arm um mich, unsere Finger ineinander verschränkt, ich die pure Seligkeit. So nah bei jemandem zu sein, und derjenige sucht deine Nähe, lässt dich spüren, dass er dich mag, dass er es mag dich zu berühren; ich glaube, das ist ...

Zu viel Zeit verstrich, zu viele Gedanken, ich will geküsst werden; und sie lachte amüsiert und begann, meinen Hals zu küssen.

Meinen Hals.

09/11/2009

how long must I hold my breath

Und es war so, so herrlich, ich will das wieder.

blicke, quer durch den raum geschossen
verhakt, verknotet, durchtrennt.

leiser schauder, sie beisst sich auf die unterlippe,
schaut mich an schaut mich an

schaut weg.

06/11/2009

not so far from maybe

Ist Glück vielleicht, dass so viel mehr passiert
Als du dir erhofft hast?
Ist Glück vielleicht einfach - das Offensein für Wunder?
Sie nicht erwarten, sie nicht sehen, während sie sich anschleichen
Aber dann, wenn sie dir plötzlich ins Gesicht springen wollen
Freudig die Arme ausbreiten
Anstatt auszuweichen.

Bei einem dieser Lieder, die jeder kennt weil sie im vergangenen Sommer einfach viel zu oft im Radio gespielt wurden, zog ich M. und sie hinter mir her, auf die Tanzfläche. Nach und nach folgten immer mehr Leute unserem Beispiel, aber es war nicht so, dass man keinen Platz mehr gehabt hätte. Es war genau richtig. Mittendrin und trotzdem jeder für sich, und das Licht malte farbige Schnörkel auf die tanzende Menge. Weißt du, und dann ist da dieses Mädchen, die du schon öfter hier gesehen hast, die dich aber bisher immer ignoriert hat, und jetzt kommt sie mit ihrem Freund im Schlepptau und sie tanzen bei euch mit, und ihre Augen blitzen verdammt noch mal zu dir herüber.

Und der Blonde tanzte mit ihr, fasste sie an, aber sie lachte mir zu. Das bedeutet nichts, lachte ihr Blick, und ich glaubte ihr. Glaubte ihr einfach, was blieb mir anderes übrig, und ich hätte es ja doch nicht ändern können. Und immer wieder machte sie sich von ihm los und tanzte mit mir, umtanzte mich, kam mir nah. Das merken die doch, das merkt doch jeder! schwirrte es durch meinen Kopf als wir wieder einmal eng voreinander tanzten, mit ineinander verschlungenen Blicken und so nah, ihr Mund so nah vor meinem - Der Versuchung mit einem amüsierten Lächeln widerstehen, das ist die Kunst.

Und die Versuchung wird immer größer. Ihre Anziehungskraft.