28/01/2010

far too tired to fall asleep

Ah, wie leicht das Leben doch ist.
- Und wie schwer man es nehmen kann.

E. und ich inmitten dieser weißen, märchenhaften Landschaft, die Bäume überzogen mit weißem Weich, zarte Schlieren; zarte, verästelte Kunstwerke aus Eis, und diese warme Stille. Ja, warme Stille, kalter Atemhauch, brennende Finger, aber diese warme Stille. Gedämpft, als habe jemand leise und beruhigend "Shh" gesagt und die Natur verstummte, alles verstummte, nur unsere Schritte sacht knirschend im Schnee, und aus E.'s Kopfhörern schwappte hin und wieder ein wenig Musik, dumpfe Beats nur, irgendwann nichts mehr.

Ich legte mich unter einen der Bäume und versuchte, das Bild von den schneebedeckten Ästen vor sanft schimmerndem Himmel in mich aufzusaugen, und dann warf er Schneebälle in den Baum, unter dem ich lag. Und ich lachte, als es auf mich herabschneite, und mein Lachen perlte von den dunklen Hauswänden ab und kullerte vor seine Füße.

Und ich warf ebenfalls, und ließ es schneien, und er sagte, so sei es langweilig. Ohne mein Lachen.

22/01/2010

crop circles in the carpet

Ich glaube, es gibt Erlebnisse, die sind wie tiefe Schnitte.

Einschnitte, die dich von deinem bisherigen Leben trennen, und du kannst nicht mehr zurück, in die alte Denkweise, in vergangene Schwärmereien, selbst, wenn du wolltest. Und du betrachtest Vergangenes mit einer Distanz, die sich anfühlt wie eine ungewohnte, neue Haut; nicht schlecht, aber fremd, und ein wenig lässt sie dich frösteln.

Ich habe an diesem Abend meine große Liebe gefunden und mir von ihr das Herz brechen lassen. Vermutlich gibt es keine einfühlsamere Herzensbrecherin als diese. Dunkelbraune Locken, den Filter einer Kippe, die zu drehen sie gerade im Begriff war, zwischen den Lippen. Sie bemerkte meinen Blick und erwiderte ihn. Wir sprachen kein Wort. Wir küssten uns. Und in meinem Kopf wirbelte alles, alles durcheinander, wie die feinen Flocken in einer ruckartig umgedrehten Schneekugel, und wir küssten und küssten und küssten uns.

Und sie strich sacht über meine Wange. Du bist wunderschön, formten ihre Lippen, und ich lächelte verlegen; sie wiederholte den Satz, mit Nachdruck. Du bist wunderschön. Ich schüttelte den Kopf und strich ihr eine Locke aus der Stirn. Ließ meinen Blick zärtlich über ihr Gesicht fahren, saugte alles auf, alles. Strich mit dem Finger über ihre Lippen, und dann saugte sie daran, und ich musste lachen und ihre Lippen schmecken, ihre Zunge, so weich, so berauschend weich und wild. Mich hat noch nie jemand so geküsst. Es hat auch noch nie jemand solche Sachen zu mir gesagt. "Wie heißt du", fragte ich sie, aber sie schüttelte den Kopf. Schüttelte den Kopf und lachte und biss mich sacht in die Lippe.

Später saßen wir nebeneinander an die Wand gelehnt, bei einem Riesen mit Dreadlocks. Sie drehte eine Zigarette, gab sie mir, drehte eine zweite. "Das ist nur Spaß", sagte sie und küsste mich, küsste auch den Riesen, und wir rauchten. Und ich hörte nicht, wollte nicht hören.

Und dann sah sie mich an mit diesen Augen, die Worte nicht nötig haben, und sagte, "Du bist dir nicht sicher." Stellte das einfach so fest, ohne Theatralik, ohne Kälte, nur mit einer Spur des Bedauerns in der Stimme, die ich zu vernehmen glaubte, die mich streifte; vielleicht nur, weil ich sie spüren wollte. Meine Welt stürzte zusammen mit diesem Satz; ich saß da und hatte nicht bestanden, ich war nicht genug, das war also die Dauer von Glück. Tränen liefen meine Wangen hinab. Ich saß ganz still. Als sie bemerkte, dass ich weinte, war sie besorgt, wischte die Tränen weg, küsste sie weg.

Dann ging sie.

13/01/2010

chalk hearts melting on a playground wall

'My life sucks' denken, weil es auf Englisch besser klingt.

Frustriert das nächste Stück Schokolade von der Tafel, die Weihnachten überlebt hat, abbrechen und kauen und registrieren, dass man nichts anderes tut als ein verdammtes Klischee zu bedienen. Vor lauter Frust der ganzen Tafel den Garaus machen, und während diese ekelhaft aufdringliche Süße den Mund verklebt, beginnt der Gedanke irgendwie zu gefallen. Life sucks. Oh ja.

Leben besteht aus Schokolade; aus solcher, die dir weggenommen, und solcher, die dir gönnerhaft in die Hand gedrückt wird. Iss’, Kind. Schokolade macht glücklich. Macht sie doch, oder?