28/03/2010

you can climb a ladder up to the sun

Sonne geschnuppert und
Lachen auf der Zunge geschmeckt,
grauen Schleier gelüftet,
jetzt wieder alles satt leuchtend,
grasgrün die Zehen kitzelnd.

Unbekümmert aufs Rad geschwungen, Blasen gelaufen, weitergelaufen, aus braunen Flaschen getrunken und Tüten in Mülleimern versenkt. Und oh, so warm, so leicht und warm, fast niederdrückend, aber noch nicht, noch nicht; genau richtig. (T-Shirt-warm, aber nicht Kurze-Hosen-warm; so warm, dass man zwar nebenbei etwas trinkt und das tut gut, aber nicht so, dass man lechzend nach Wasser brüllen möchte, jede Sekunde, weil man verglüht. Genau richtig.)

Und Bilder geschossen, die genau so aussehen, wie sie aussehen sollten; so ist es so war es so wird es sein.


Und angenehme Schläfrigkeit ausgekostet.
Und Erdkrumen zwischen den Fingern zerrieben.
Grashalme mit den Zehen ausgerupft.
Und die Strähne aus dem Gesicht gestrichen.

25/03/2010

so, cameraman, swing the focus

Ich glaube, da, wo die Wahrheit versteckt ist, spürt man
dieses leise, kaum wahrnehmbare Ziehen.

Abends auf der Couch liegen und das Gefühl schleicht sich ein, es sei irgendwie falsch, so. Nicht falsch im Sinne von verkehrt und vollkommen unsinnig, hier zu liegen, vor dem Fernseher, mit den Eltern, in diesem Haus, aber eben doch auch nicht richtig, nicht das, was ich jetzt am liebsten tun würde, und mit wem, und wo. Es fühlt sich an, als ließe ich eine unnötig große Zeitspanne ungenutzt verstreichen; dabei könnte ich nicht einmal sagen, womit sie gefüllt werden sollte.

Nur so ein Gefühl.

Und dann lächle ich und kuschle mich ein wenig tiefer in meine Decke, und ich denke, für jeden ist da draußen jemand. Jemand, der einen schützend in den Arm nimmt, wenn man es braucht; jemand, der deine Hand festhält. Vielleicht sogar viele Jemands. Es gibt sie, es gibt schließlich so viele Menschen.

Ich muss sie nur finden.

22/03/2010

maybe three seconds is enough

Ich hatte gedacht, ich könne mitspielen.

Aber mir war gar keine Rolle zugedacht, in ihrem Spiel,
verstehst du, ich war nur ein Spielzeug,
und zwar eins von vielen.

Und es ist unangenehm, wenn Spielzeuge Gefühle entwickeln,
wenn sie sich an dir festzuklammern versuchen;
schüttle sie ab, und schüttle sie schnell ab.

Spielzeuge, die zu schluchzen anfangen,
will doch niemand.


Auf der Tanzfläche suchte ich nach ihr, erst zögerlich und mit einem gewissen Schamgefühl, das ich nicht zuzuordnen wusste, dann mit wachsender Verzweiflung. Wo war sie nur, ich würde so gern mit ihr tanzen, wüsste sie so gern in meiner Nähe. Dann, da war sie, zu ihr hindurchgetanzt, durch die Menge, und schon war sie erneut verschwunden. Wieder. Wieder. Bis ich mir sicher war, dass sie mir aus dem Weg ging; dass sie mich zu meiden versuchte, und -

Dann sah ich sie mit diesem Kerl da stehen, der mich vorhin anzubaggern versucht hatte, und ich hatte ihn abblitzen lassen, ich war nicht in der Stimmung, ich konnte nicht mehr, ich war müde, ich war traurig.

Mit dem lachte sie jetzt und ich sah ihr dabei zu. Setzte mich in meinem Kleid auf die kalten Fliesen und sah ihnen dabei zu, wie sie sich über Belangloses unterhielten, nur um sich die Zeit zu vertreiben, die es eben dauert, bis man zum nächsten Level übergehen kann. Auf einer Party dauert das nicht lange. Auf einem Ball erst recht nicht. Ich saß da und wartete darauf, dass jemand käme und mich von hier wegholen würde. Vielleicht darauf, dass sie mich bemerkte und ihm den Rücken kehrte, mich vom Boden aufhob und mit Küssen bedeckte.

Und natürlich kam niemand, die beiden verließen den Tisch, ich schritt im Zeitlupentempo darauf zu und zerfetzte Rosenblätter mit meinen Fingern. Rosenblätter, die wie zum Spott auf den Tischen ausgestreut waren. Eine Tasche lag da noch, eine kleine schwarze, ob das ihre war? Hatte sie die hier vergessen? Und da kam sie schon, eilig angelaufen, die Tasche nehmen und tanzen gehen, das war der Plan, aber da stand ich, verstört, verstörend, und sie fragte, hey, alles in Ordnung? Und ich starrte vor mich hin und schüttelte den Kopf.

Schüttelte leise den Kopf, und sie fragte, ob ich darüber reden wolle, und ich wusste es nicht, ob das etwas bringen würde, aber ich wollte mit ihr reden, ja, mit ihr schon, also ja. Also um die Ecke auf den Boden gesetzt und ich fing an mit meinen Vorwürfen, mit meinen Erklärungen, und sie sagte, es tue ihr leid. Das habe nicht so wirken sollen, so sei es nicht gemeint gewesen; den Fehler mache sie immer.

Und in mir zerbrach irgendetwas. Immer, hallte es in meinem Kopf nach, und das schmerzte so unbeschreiblich, dieses Wort, und ich konnte nicht mehr, wollte nicht mehr, der Schmerz warf mich nieder. Geh' jetzt bitte, brachte ich noch heraus, Du machst es nur noch schlimmer. Und sie schaute ein wenig erschrocken, ein wenig verständnislos, und so unglaublich kalt, dass ich sie angefahren hätte, wäre sie nicht aufgestanden. Aber sie stand auf, sie fragte noch, Sicher? und schaute so weißnichtwie, dann ging sie.

Nach ein paar Sekunden schaute ich um die Ecke, wollte mich vergewissern, dass sie weg sei; so sehr wünschte ich, sie sei es nicht, und käme zurück um mich in die Arme zu schließen, und tatsächlich hatte sie kehrt gemacht und sah mich an. Und lief dann endgültig zur Tanzfläche.

Ich weiß nicht, welchen Ausdruck ich in meinem Gesicht kleben hatte. Ich weiß nur noch, wie sich dieser unglaubliche Schmerz angefühlt hat, und das weiß ich auch nur, weil er, wenn auch längst nicht so heftig, immer noch da ist. Ich muss bemitleidenswert ausgesehen haben, aber das hatte sie nicht, Mitleid, oder doch, und selbst wenn, ich war eine von vielen.

Nur eine von vielen, heulte ich später in L.s Armen, da wurde es mir erst bewusst, ich war wie aufgespießt und umhergeschwenkt, eine Trophäe, eine Beute, und diese Gefühle, die ich mir in meiner Welt zusammengesponnen hatte, hatten niemals existiert.

15/03/2010

sinking in an ocean of faces

Ich fühle
Mich kaum.

Fühle
Dass ich da bin,
Dass ich wohl da sein muss, denn
Wäre ich es nicht
Würde ich es doch fühlen.

Oder?

09/03/2010

holding on with fingers and feelings alike

Man weiß so wenig über sich selbst, und glaubt so viel zu wissen.
Ich fahre durch die kalte Nacht, schaudernd in meinem Mantel, der Wind bläst mich vor sich her, wie es ihm gefällt, und die Gedanken in meinem Kopf lässt er durcheinander wirbeln, hoch wirbeln, so hoch, einige zu hoch, da wirbeln sie hinter mir davon. Wie märchenhafte Brotkrumen lasse ich eine Spur von Gedanken zurück, wer wird ihr folgen, jemals jemand?

Vorlieben, Abneigungen, Gefühle sind so selten von Dauer und so rasch verweht, heute hier, morgen so, aber das kann nicht, darf nicht sein und ich lege mich fest, presse mich in eine Form, die mir nicht passt, so bin ich nicht; ich bin farbenfroh, kein Einheitsgrau.

Und ich starre mit aufgeregtem Prickeln im Bauch auf Bilder und Geschichten von Leuten, die sich abheben, die ihr Leben so färben wie es ihnen gefällt, einfach die Haare abgeschnitten und immer noch dieselbe, aber eben doch nicht, und die Schere zuckt zurück vor wenigen Strähnen schon, in meiner Hand. Meine Hand reißt zögerlich die alten Bilder von den Wänden, scheitert schon daran, sie wegzuwerfen, scheitert vor der Endgültigkeit. In einen kleinen Karton packe ich die Dinge, es sind viele Kartons, mittlerweile, die Erinnerungen häufen sich, ziehen an mir, halten mich fest.

Ich weiß, dass ich den süßen Geschmack des Erinnerns nicht entbehren will; etwas in der Hand zu halten was einmal viel, vielleicht alles bedeutet hat, das tut so gut, ist eine Form der Sucht, der mich hinzugeben ich mir gönnen kann weil ihre Folgen, nun, was sind ihre Folgen? Harmlos? Oder doch schwerwiegender als angenommen.

Sie sind ein Teil von mir, diese Papierfetzen, Eintrittskarten, Tintenspritzer; ich will nicht loslassen, will nicht abtrennen was zu mir gehört, gehört hat, und noch immer. Noch immer, verstehst du, ich will das nicht verlieren!