25/04/2010

and your mind is full of red

'Ich dachte, du gehst schon'; da saß er noch,
auf einem der Stühle, ich hatte mir Zeit gelassen.
– Ich dachte, ich warte auf dich.

Klischee Hinterhof. Vertrocknet, verschmutzt, verwahrlost. Die Hauswand starrt vor Dreck, der sich über Jahre hinweg kratzend und spuckend angeschmeichelt hat; aufgerissen haben Wind und Wetter den Putz, entblößen glasfaseriges Dämmmaterial, ein fingerdicker Draht zieht sich quer über das geschundene Bild.

In alter, bitterer Freundschaft lehnt die Treppe ein wenig schief an dieser Kneipe, das Geländer ächzt lautlos. Bröselige, bemooste, betrunkene Treppe. Man kann eine Straßenlaterne sehen, wenn man die Mühe nicht scheut und sich auf eine der oberen Stufen setzt, zwischen Geländer und Hauswand, zwischen Mülltonnen und Sternenhimmel; eingeklemmt der Mond, ein bisschen mehr als nur halb, seltsam unförmig, seltsam blass, es lohnt sich kaum, für ihn den Kopf zu drehen, nach links-hinten-oben, aber man tut es doch.

Und die Zigarette zwischen den Fingern glimmt gierig auf, ruhig atmet man ein, die Geräusche von der Straße, die Musikfetzen, jemand lacht hell auf, eine Katze kreischt. Ich atme bloß, ein und aus, und das ist auch schon alles, was ich jetzt tun kann, fühle ich.

Später kommt jemand, und wir schubsen und raufen scherzhaft, schnaufen herzhaft, ein Kuss liegt in der Luft, aber ich kann ihn nicht spüren.

13/04/2010

you said you wanted to crawl down deep inside

Müde vom Schmerz.
Der Körper bricht nicht zusammen.
Er schaltet ab.

Verschwommene Gesichtszüge treffen in Blau aufeinander, treffen aufeinander und prallen voneinander ab, prallen ab, wie in Zeitlupe muss man sich das vorstellen, unendlich langsam, unendlich gewaltig.

Sätze ziehen wie geradlinige Schnüre an mir vorbei, an mir, an meinem inneren Auge, falls es das gibt, gibt es das? Der Atem geht ruhiger, tiefer jeder Atemzug, und vielleicht ist das der einzige Zustand, in dem man nicht mehr versucht, sich gegen irgendetwas zu wehren; diese schleierähnliche Müdigkeit.

Ja. Nein. Abbrechen.

07/04/2010

staring at emotion in the light of day

Zwei Minuten unter Wasser, das Lebensgefühl ist weg,
mein Lebensgefühl.

Das ich mir aufgebaut hatte. Gott, die Luft anzuhalten ist bedrückend, geradezu grauenhaft, wenn dir die Luft ausgeht und du siehst, der Weg zur Luft ist länger als geplant, und die Lungen schreien nach Sauerstoff, schreien dich an, wieso bist du nicht schneller, wieso dauert das so lange, Luft, Luft!

Risse in den Zähnen.
Trockengeriebene Augen.
Blinkende Lichter, rot.

Ich rutsche weg, jedes Mal, wenn ich es versuche, versuche, es einzufangen, das Gefühl. Das Gefühl. Ich dachte, es würde genügen, ich mir selbst und dass ich jederzeit wieder zurück könnte. Fuck. Fuck.

Durch die Stadt. Kopfsteinpflastergestolper. Gesichter im Schnelldurchlauf, zu schnell, um sie sich einzuprägen, wozu auch, wozu es überhaupt versuchen, vorbei, vorbei. Blick bleibt hängen, ein scheues Lächeln, nach mir ausgeworfen, ich lächle zurück, weißnichtwie, vielleicht neugierig, vielleicht nur freundlich. (Bestimmt neugierig.) Ich mag das, so zu schauen, irgendwie interessiert, aber nicht übermäßig, eher abwartend, und mit diesem leisen Kitzel. Das Mädchen mit dem scheuen Lächeln ist mit seiner Großmutter da, später sehe ich es noch einmal, dieses Mal verfehlen sich unsere Blicke, aber sie sieht mich an, das ist alles.

Das spürt man.

01/04/2010

no promises, no demands

Aufgequollene Regenwürmer liegen wie Gedärme
auf den Bürgersteigen.


Aber der Mensch ist nicht geschaffen für Leid. Der Mensch ernährt sich von den Tagen, an denen die Sonne die Wolken wegschmilzt und die richtigen Lieder aus den Kopfhörern schwappen, eins nach dem anderen.

Er lebt. Für die Tage, an denen man sich keinerlei Gedanken darüber macht, was die Leute denken könnten, wenn man pfeifend dahinschlendert und ab und zu in einen hüpfenden Laufschritt verfällt, oder dann doch laut mitsingt, weil man es nicht aushält, weil es eben so aus einem herausbricht, und weshalb zurückhalten?

Die Welt ist schön!