06/08/2010

out of place and underdressed

Ich sage, "Er wirkte so..." und suche nach dem passenden, nach einem eindrucksvollen Wort, aber sie findet es vor mir. "Alt?", sagt sie, das Fragezeichen klingt nur leise an, es ist mehr eine Feststellung, und ich lasse mir Zeit, suche erst ihren Blick, nicke dann, verwundert, dass dieses schlichte Wort es trifft. Dieser Moment stillen Verständnisses rinnt mir die Kehle sättigend hinunter. Wie Honig. Könnte ich, würde ich darin baden.

Und auf einmal spüre ich, wie es weich wird in mir, weich und zärtlich. Ein Augenpaar, das mir zwischen all den leeren Blicke entgegenleuchtet, hat mich aufgetaut. Einfach so. Irgendwas in mir, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es verhärtet, dass ich es eingefroren hatte, schmolz nach und nach.

Ich meine - Man kann nicht mit vielen Leuten so tanzen. Es gibt die, die sich kaum vom Platz bewegen, nur im Rhythmus leicht wippen oder immer dieselbe Bewegung wiederholen, immer wieder, bis es lachhaft scheint, aber auf eine trostlose Weise. Ich denke dann, nein, ich glaube zu wissen, dass in diesen Menschen irgendetwas kaputt ist, oder vielleicht hat man ihnen nur nie gezeigt, wie sie es machen können, wie es sein kann.

Es gibt auch die, die ihren Körper elegant bewegen, krampfhaft graziös, aber man spürt die Musik nicht, wenn man ihnen zuschaut; sie sind mit den Gedanken woanders. Sie wollen gut aussehen. Sie sind fixiert darauf.

Und es gibt eben sie. Sie und ich und die Musik, die Musik ist unser Trittbrett, unsere Welle, wir wirbeln in buntem Licht und die Gedanken im Kopf sind endlich, endlich weggefegt. Ich bestehe aus puren Emotionen. Ich bestelle zwei Tequila, die im Hals brennen und alles noch enger wirken lassen, sie fragt mich, ob das mein Freund ist. Wir lachen. Und ich werfe mich wieder der Musik entgegen, ihr und der Musik.

Irgendwann - Ich ziehe sie an mich, schützend, als die Betrunkenen zu schubsen beginnen, und es ist ein kleines Bisschen zu nah, aber sie merkt es nicht. "Because the night belongs to lovers", grölen wir verschwitzt als das Licht bereits angeschaltet wird, und sie greift nach meinen Händen und wir tanzen zusammen. Zuneigung erfüllt mich, ganz gleich, wie viel sie versteht von dem, was hier passiert ist, ganz gleich, was sie fühlt.

Ich fühle das hier, und es fühlt sich gut an. Die Schwermut überfällt mich erst später.

2 comments:

  1. oh, wie ich diese Texte mag. Ich finde, dein Blog hat etwas sehr berührendes.

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