09/08/2010

running wild among all the stars above

Es ist dunkel im Zimmer.

Für zwei Sekunden sind wir allein, allein in einem riesigen Doppelbett, uralte Konstruktion, eine Art Baldachin über unseren Köpfen, wie deplazierte Vorhänge, unsere Beine verschlungen, unsere Finger. Dann reißt wieder einer die Tür auf, starrt uns mit benebeltem Blick entgegen; Raus! lachen wir und halten einander fest. Raus, denke ich, aber er klettert zu uns ins Bett, legt sich neben N. und sagt, wir sollen uns nicht stören lassen. Ich will ihn schlagen. Stattdessen küsse ich N.

21.02
Sie kommt vielleicht nicht, höre ich jemanden sagen, doch, sagt jemand anderes, ich lausche stumm und nippe am Wein. Ich denke gar nichts. Ich denke, vielleicht sollte ich hier nicht sein, vielleicht sollte ich das nicht denken, denke also nichts. Denke gar nichts.

21.34
Sie kommt ein wenig später, wirft ein Hallo in die Runde, setzt sich neben mich, schenkt mir kaum Beachtung, schenkt sich gleich ein. Willst du auch ein Glas? Ich nicke. Wir reden ein bisschen, übers Tanzen und die Leute und ich frage, ob sie sich betrinkt und denke Gut als sie ja sagt.

23.10

Unsere Beine berühren sich zufällig, ich ziehe meins zurück, Willst du mich anmachen?, zwinkert sie, und ich lache, lache leicht panisch. Die Situation ist absurd. Niemand hat ihr erzählt, dass ich auf Frauen stehe, aber alle wissen es, sie wissen es und schauen zu, wie wir lachen und scherzen, und wie sie kein Misstrauen schöpft. Ein paar Mal setze ich an, als sie mich nach meiner Vergangenheit fragt, nach Leben und Liebe, ich setze an ihr zu erzählen von E. und von meiner Neigung, aber dann hakt sie sich bei mir ein und lehnt vertrauensvoll ihren Kopf an meinen, und die Worte bleiben mir im Hals stecken. Ich will sie nicht zurückzucken sehen.

00.17
Die Welt dreht sich, dann rückt wieder alles an seinen Platz. Frische Luft, Luft; erst am Fenster, ich lehne da und sie stellt sich zu mir, und dann raus, auf die nasse Straße, meine Füße werden kalt aber ich friere nicht. Wir landen auf irgendeiner Wiese, ganz nass ist die, aber wir lassen uns fallen und lachen und sind verknäult, und es tut gut, ihr so nah zu sein, tut so gut, und ich weiß, ich werde ihr nichts erzählen von all dem.

01.01
Wo seid ihr gewesen? Was habt ihr gemacht?
Wir lachen bloß. Der eine stiert uns schamlos an. Sie wischt die Neugierde mit einer Handbewegung fort, schmiegt sich an mich und drückt aufreizend einen Kuss auf meine Wange, lässt ihre Augen blitzen. Sie macht sich lustig über die Kerle, ich lache mit ihr, so nah, so nah. Wir tanzen ein bisschen. Dann stehen wir abseits, zwei Kerle lassen nicht locker, Was war denn nun!, sie küsst mich wieder, scherzhaft, der Kuss verrutscht. Ich lasse den Kuss verrutschen, erwidere ihn sanft. Sie löst ihre Lippen von meinen, und die Vertrautheit weicht kriechender Angst in mir, aber sie steht nur so da, atmet ganz ruhig und langsam, und küsst mich wieder.

01.20

Mitten zwischen all den Leuten stehen wir, und versinken ineinander. Eine Frau fragt, ob sie ein Photo von uns machen kann; dann wieder ihre Lippen, ihre Zunge, ihre Hände an meinen Hüften. Meine Hände an ihren Wangen. Um uns herum existiert nichts mehr.

04.27
Das Doppelbett ist zu klein für fünf Leute, aber das ist uns egal. Der gutaussehende Japaner liegt neben mir, kuschelt sich ein, kuschelt sich an mich, und ich spüre den anderen Kerl nach N. greifen. Ich fahre hoch. Er lacht und sagt, was hast du denn, bist du eifersüchtig? Sie flüstert, nicht wegdrehen und umschlingt mich. Eine Träne fällt aufs Kopfkissen, dann noch eine, dann balle ich die Fäuste und sehe ein, dass ich sie nicht hassen kann. Ich versuche, einzuschlafen; mein Rücken schmerzt, ich liege verdreht, ihr Kopf in der Kuhle zwischen Schulter und Hals und ich will sie nicht wecken. Aber sie ist wach. Ihre Finger streicheln meine. Ein Wimpernschlag kitzelt meine Wange, ich zucke zusammen und höre sie lächeln. Ich denke, wenn sie das nächste Mal blinzelt, drehe ich mich um und küsse sie.

04.54
Die Musik wird leiser. Ich schlafe ein.

4 comments:

  1. ich verbeuge mich vor dem kuerbismaedchen ;-)

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  2. seit ich deinen Blog gefunden habe erinnere ich mich wieder an Romantik. Danke!

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  3. haette mich nie als romantisch eingestuft, aber das freut mich trotzdem. :-)

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