25/10/2010

when food is gone you are my daily meal

Erst ist alles fremd.

Und alles fühlt sich seltsam unfreundlich an, die Dusche und das vorsichtige Tapsen nackter Füße auf kaltklammem Boden am Morgen, und das Bangen, jemandem im Flur zu begegnen, so mit nassen Haaren, ungekämmt und halbnackt. Die Tür klemmt, stemmt sich dir bockig entgegen, und die Dielen knarren hämisch, wenn du versuchst, möglichst lautlos die Treppe hinauf zu schleichen.

Schmutz in der Küche, und der Schlüsselbund wächst auf unhandliche Größe heran, und du schließt auf und ab und auf und denkst, das gehört mir nicht, das gehört nicht zu mir, und krampfst die Finger um die Schlüssel und versenkst sie in der Manteltasche. Draußen zwar Sonne, gegenüber ein Stück blauer Himmel, aber das Zimmer im Schatten, das Zimmer, das sich allmählich mit Vertrautem füllt; aber selbst Vertrautes wirkt noch fremd, hier.

Ich hab gehört, wie du ein paar Mal versucht hast, den Ofen anzuschmeißen,sagt sie und guckt und lacht. Ich verziehe das Gesicht und denke an das laute Knacken und das Fluchen; Ja, sage ich, beim ersten Mal klappt es nie. Aber
geschafft hätte ich es?, fragt sie, und ich nicke verlegen. Sie lacht wieder, und schaut mich so an,
dass ich spüre, wie meine Wangen heiß werden.


Aber der Tag wird kommen. Die Fremdheit schwindet.

Ein gutes Gefühl.

18/10/2010

head first, like paper planes

I can’t take it, I tell him as I feel the sadness tearing me apart.
I think I’m gonna throw up, he says.

Ihre Locken, dunkelbraune Locken, erinnern mich an diese spiraligen Nudeln, mit viel Bratensoße; sie lacht Funken. Sie lacht und Tequila stürzt unsere Kehlen hinunter, und jemand haut mit der Faust auf den Tisch. Alles wird schnell und leicht, und H. wirft mir einen dieser Blicke zu, aber ich kann nur für einen Wimpernschlag denken, kann nicht länger festhalten, lasse los. Lasse mich treiben.

"I once kissed a girl", sagt sie, "It was so soft" und ich verliebe mich in ihren Akzent, ihr weiches British English, und dieses soft; wie sie das sagt ist es das weichste Wort, das wundervollste Wort.

"Ich mag ihre Hände", sagt sie zu jemandem, ein wenig lallend, und sie meint meine, und auf einmal sitzen wir nebeneinander, fast aufeinander, so nah, so dicht. Ihr Gesicht schwimmt mir davon, deshalb lege ich einen Finger an ihre Wange, an ihre Lippen, und ihre Augen werden groß, werden ganz groß und sie sagt, "You're so cute", und ich will sie küssen und sie sagt, "I’m sorry". I’m so sorry.

Ich schüttle den Kopf. Ich presse meine Hand, die sie so fest umschlungen hielt, auf ihren Mund; ich will kein Wort mehr hören von dem, was sie sagt, was sie glaubt, sagen zu müssen; sie soll ihre Lippen verstecken, sage ich, weil ich sonst nicht anders kann. Nicht anders kann als sie zu küssen, I'm in love with someone, das ist mir egal, wieso ist das wichtig, in ihren Augen stehen Tränen. Alles verwischt, verdreht sich; alles an ihr berauscht mich, ich werfe mich hinein in diesen Rausch und ihrem Mund entgegen, aber ich fühle nichts als pure Aufgewühltheit, wildes Rot.

Und dann wiederholt sich alles. Sie umarmt ihn, dann stehen sie zusammen in der Kälte und in mir verkrampft sich alles, und natürlich küssen sie sich irgendwann. Und eigentlich wusste ich es ja, aber das ändert nichts, ändert verdammt noch mal nichts am Schmerz.

15/10/2010

with the lights out, it’s less dangerous

Deine Haut ist so weich, sagte er, und fuhr mit den Händen
unter mein T-Shirt, über meinen Bauch.

Hastig den Schal noch in die Tasche gestopft, und das Kabel, und den Mantel übergeworfen und einen Abschiedskuss in Richtung besorgt verklärtes Vatergesicht, und raus in die Nacht. Mit schnellem Schritt in die Nacht, und etwas brodelt auf einmal in mir, etwas, das ich so sehr vermisst hatte, und jetzt ist es da und mein eiliger Blick bleibt an einem Stück Himmel hängen, so klar, so weit, und die Sterne.

Der Große Wagen steht da, zwischen Dachgiebel und Rooftop, steht am Himmel wie der Ausschnitt eines Gemäldes, von dem ich das große Ganze nicht verstehe, aber dieses kleine Stück Himmel sagt mir was, hat etwas Vertrautes. Lächeln muss ich, ich lächle dem Sternbild zu, dem einzigen, das ich kenne, das ich am Himmel finden kann, und dann laufe ich weiter, Richtung Bahnhof, Richtung Zug, und losgelöst.

Ich ließ ihn gewähren, weil es nichts bedeutete. Kaum eine Sache bedeutet so viel, wie wir ihr zuschreiben; viele Dinge passieren einfach, geschehen eben so vor sich hin, und wir sehen ihnen dabei zu, und manchmal lachen wir, weil es nicht auszuhalten ist, aber meistens ist es still.

Meistens sehen wir zu, stumm, und wenn es weh tut, dann ertragen wir, und wenn wir nicht mehr ertragen können, dann lachen wir. Wir lachen.

05/10/2010

throw it up amongst the stars

Die Zeit fliegt und lässt keinen Platz für Worte.

"Und, was hast du so gemacht?"

Zu viel geraucht, zu lieblos geküsst, zu viele Dinge aufgeschoben und wieder und wieder, manche sofort getan, aber davon ermüdet, insgesamt ermüdet von der Ziellosigkeit, der wabernden Ungewissheit und dem trockenen Geschmack im Mund.

Mit kaltem Wasser geduscht, die Zehnägel lackiert, ein Haargummi verloren, große Sprünge angefangen und nie zuende geführt, und die Staubflocken häufen sich wieder. Worte verschluckt.

Lippen gebissen. Ich denke, wann fühle ich wieder, und dann durchfährt mich ein Blitz bei bloßer Berührung und ich muss lächeln, mit Zuversicht.

Ein mit Zuversicht getränktes Lächeln wirkt Wunder.