02/11/2010

words that linger through fields of green

Die Frage lautet nicht: Was wäre gewesen, wenn.
Aber ich stelle sie mir trotzdem.

Und mit einem Mal tun sich mir unendlich viele Parallelwelten auf, und sie schimmern ein bisschen durchsichtig und verpuffen wieder, eine nach der anderen, und ich schaue ihnen zu und staune. Staune schauend. Nur leicht verschoben und schon so anders, schon so eine vollkommen andere Richtung, alles hätte passieren können, alles kann immer passieren, dir, mir; jetzt, hier, jeden Tag. Jede Sekunde.

Das Fahrrad den Weg entlang geschoben, kaum auf die zerfledderten, weichgetretenen Blätter am Boden geachtet, aber dann eine Bank unter Goldgelb, nein, inmitten von, und kurzerhand das Fahrrad abgestellt und mit Stift und Papier auf die Bank gelümmelt. Ein paar Worte nur, die Eindrücke vom frühen Morgen, als das Licht so blassfahl leuchtend auf die Hausdächer fiel, und so schwammkalt war es, aber jetzt frieren die Hände nicht. Sie schreiben.

Jemand läuft vorbei, ich überlege, was man wohl in mir sieht, jetzt, hier. Wohl kaum die Gedanken, kaum das fiebrig verträumte Leuchten in meinen Augen, oder doch? Wenn ich schreibe. Dann ist das wie Malen, oder Zeichnen, aber das sehen die Leute nicht, sie sehen vielleicht eine Studentin, die ihre Hausaufgaben macht, oder einen Brief schreibt, oder was sonst. Mich sehen sie nicht.

Ich schreibe also, und dann läuten die Glocken und ich springe auf, verstaue hastig alles, denn die Zeit ist mir davongelaufen, und ich dachte, ich hätte noch so viel davon, und ich fahre los und biege richtig ab, und das Fahrrad in den Hof, vielleicht neben das ihre, aber wahrscheinlich nicht, da stehen viele, und in den Gang, in den Raum, sie ist nicht da.

Sie kommt nicht mehr, denke ich, und pflanze meine Tasche auf den freien Stuhl neben mir. Macht nichts.

Aber sie kommt noch. Ich muss grinsen, dann rutscht mir das Grinsen vom Gesicht; hastig greife ich nach meiner Tasche, sie setzt sich mit einer Selbstverständlichkeit, die ich nicht erwartet hatte. Mein Herz pocht, "Danke!", sagt sie, und es klingt wirklich dankbar, und ich lächle knapp und schlage die Beine übereinander.

So verharre ich während der ganzen Stunde, nur hin und wieder ein zynisches Kommentar, vielleicht ein schnaubendes Lachen; ich gefalle mir selbst nicht, in dieser Haltung, aber ich klebe fest darin, und irgendwie schaut sie mich so an, als die Stunde vorbei ist, und ich wickle mir den Schal um den Hals und schaue zurück, und dann gehen wir, als hätte einer von uns ein geheimes Zeichen gegeben, und wir laufen nebeneinander und stehen noch lang im sachte beleuchteten Hof.

Eine Locke fällt ihr in die Stirn, ihre klaren Augen lachen. Die Worte fließen. Und ich strahle sie an, und sie strahlt zurück und erzählt irgendwas von Kino und ich – bin stummstill im Kopf. Explodiere erst später, singend und jubelnd auf dem Fahrrad, auf dem Heimweg, und jemand fährt direkt hinter mir, aber das ist egal, ist egal weil die Freude aus mir herausbricht, einfach herausbrechen muss; Freude darüber, dass die Welt so sein kann, so schön.

So schön, so selbstverständlich unglaublich.

2 comments:

  1. Glückwunsch. Mehr bleibt nicht zu sagen.

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  2. total schön geschrieben :)
    macht echt spaß deine einträge zu lesen xx

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