31/01/2011

set them up to knock them down

Ich habe mich im Zug sitzen lassen.

Hat sie das gesagt? Habe ich das nur gedacht? It’s nice, schön, ein Mädchen zu küssen, das nicht nach Rauch schmeckt, nach Zigaretten; hat sie gesagt oder auch nicht, und wenn, würde es keine Rolle spielen.

Nächster Halt.
Die körperlose Stimme, die ihn ankündigt, klingt nach Zahnpastalächeln, nach verkrampfter Heiterkeit. - Draußen Dunkel. Am Fenster fliegen die Lichter vorbei, das Innere des Zuges spiegelt sich, spiegelt sich im Fensterglas wieder, der Gang, die Gesichter, das alles, nur durchsichtig.

Ein Mädchen kritzelt fieberhaft ins Notizbuch; Füße vom Sitz!, ein Blaugewandeter fährt sie an. Sie schaut, schaut bloß; beinahe verletzt wirkt sie, als habe er sie grob am Arm gerissen, oder aus einem Traum. Dann nimmt sie die Füße vom Polster. Als der Gang den Beamten geschluckt hat, stellt sie ihre Ausgangsposition wieder her; ich muss lächeln.

Sie lächelt scheu zurück.

18/01/2011

the minute you let her under your skin

Graue Worte tropfen von deinen Lippen.

    ich schlucke
     gierig sonnenlicht,

trinke schlotternd,
   vergehe mich –

         vergesse mich
              daran.


Wärme fließt wie vergossen meinen Rücken entlang und endet nicht, schwindet nicht; Stufen gestolpert, Mundwinkel verbogen, vergessen: Den Kälteschauer, das fröstelnde Reiben der Hände, aneinander, ineinander, und ausgewrungen die Angst. Die kaltstarre Angst losgeworden, weißt weder wie noch ob tatsächlich, weißt nur dass, jetzt, hier.

Und morgen vielleicht: Wieder alles auf Anfang, die Angst im Bauch, die Schwärze, die sich ausbreitet, im Kopf, aber: Jetzt ist Hier ist nicht Morgen. Und vielleicht: Das Jetzt gepackt halten.

Es gepackt halten.

13/01/2011

instead of paying enough taxes

I can't get rid of the feeling that
most people spend a big amount of their time
pretending to be someone they're not.

but figuring out who one really is
might only be possible by
finding out who one wants to be
/ doesn't want to be.


and then, still on the way to become that ideal person,
still on the way, one may find oneself
and the self will look at you as if it'd waited a long time,
saying 'where have you been?
I've been searching you.'

09/01/2011

laugh about it, shout about it

Februar 2009

Ich dachte immer, auch kleine Dinge seien von Bedeutung, doch sie erblühen und vergehen und hinterlassen nichts als einen sonderbaren Nachgeschmack.

Und später vergisst man sie, und dann weiß man nur noch, welchen Studiengang man gewählt hat, welche Uni besucht, welchen Beruf ergriffen. Welchen Mann wann geheiratet, wann die Eltern verloren. Danach wird das Leben doch eingeteilt, so ist es doch.


Und irgendwie doch gehofft, es sei anders.

05/01/2011

where the moon was a star-painted dancer

2010?

Ich denke an die Studentin; daran, wie sie mich geküsst hat, und an E., die ich nie wieder sehen will. Weil ich weiß, wie schnell alte Wunden aufreißen können; weil ich weiß, dass ich derzeit verwundbar bin.

Ich denke an die Prüfungen; trockene Lippen und Gummibärchen in dieser muffigen Halle, und der Stift fliegt übers Papier. Der Stift: wohl von allen Ecken und Enden bekaut, bearbeitet, zerkaut; als könne man die Ideen heraussaugen, oder die nötigen Fakten. Chemie, nie wieder. Ich denke an das Gefühl zwischen Erleichterung und Enttäuschung, weil da genau ein Punkt fehlte, die Punktzahl selbst aber verdammt großzügig war.

Ich denke an Eis unter den Füßen, auf dem Schulhof; an das Gefühl, nicht nach Hause gehen zu wollen, weil man diese Leute bald entbehren wird, bald ist alles anders, das Gefühl im Kopf. Ich denke an E., die mir zulächelt, und R., die fast in Tränen ausbricht, und es war meine Schuld. Ich denke an A., und an M., der mir die nötige Kraft gab, ihre Nummer zu löschen, und der davon nichts weiß. M. mit seinem ansteckenden Tatendrang und seiner erfrischenden Unbesorgtheit.

Aber eigentlich denke ich an

Wahnsinnige, atemberaubende Küsse. Verzweifelte Tränen. (Jemand streichelt mir tröstend übers Haar.) Sehnsucht, flirrendes Gedankenspiel. Stilles Zusammenbrechen. Lautes Zusammenbrechen. Brennende Wangen vor Scham. Das Gefühl, etwas sei einfach nicht richtig. Impulse. Feuer. Resignation. Tiefdunkle Traurigkeit, ohne Boden.

Und dann doch irgendwie ankommen.