30/04/2011

drench yourself in words unspoken

Was ich will, möchte die Welt von mir wissen; und sie fragt mich unerbittlich, immer wieder.

Ich wollte darüber schreiben, dass Bibliotheken ihren Charme verlieren, wenn irgendwo eine Kinderecke eingerichtet ist und Frauen in klackernden Schuhen unbeirrt über frisch polierten Holzboden stolzieren.

Diese Frauen passen da nicht hin; die schauen sich um, als seien sie im Supermarkt, auf der Suche nach frischer Ware, nach der besten – Und sie versuchen nicht einmal, das laute Klackern zu verstecken. Abzudämpfen, denn gedämpft ist die Stimmung in einer Bücherkirche, gedämpft sollte sie sein, und ja, man sollte auch Kindern beibringen, dass hier etwas heilig ist. Die Stille nämlich, und die Bücher.

Durch Regalreihen sollte man streifen, und dabei selbst in Gedanken nur flüstern, ganz von selbst, weil alle sich bemühen, leise zu sein, die Stille zu wahren.

Darum geht es doch. Ruhe. Um Ruhe, und um diesen Geruch.

Und um das Gefühl.

21/04/2011

tired eyes drift across the shore

Wir sitzen auf der Treppe, ungemütlich, um uns herum tropft es, meine Kippe brennt ungleichmäßig, raucht in Fetzen.

Er redet, erzählt irgendwas in mein linkes Ohr, und dann kippt mein Gehirn die Worte wieder nach draußen. Ein paar Meter entfernt steht das Mädchen mit den müden Augen, tauscht Worte mit einer Freundin, dann sehen sie auf einmal beide zu mir her, wie ich da auf der Treppe sitze und sie anstarre, und ich lehne mich schnell wieder zurück.

"Mit L. die erste Zigarette geraucht. Scheu umhergeschlichen, nicht getraut, danach zu fragen, und dann ihr hinterher gelaufen, die Stufen hinunter, aus dem Haus.

Zum Marktplatz, ich erinnere mich nicht mehr an die genaue Tageszeit, später Nachmittag vielleicht, oder früher Abend, im Sommer ist es ja ohnehin lange hell; ich nahm die Zigarette von ihr und zog vorsichtig daran. Dass ich den Rauch nur im Mund hätte, beschrieb ich ihr, und sie versuchte mir zu erklären, wie man einen Lungenzug nimmt, und ich hustete.

Wir lachten. Es schmeckte scheußlich, und wir betrachteten angewidert den gelb verfärbten Filter.

„Wenn man sich das mal überlegt“, sagte L., „Was man da eigentlich einatmet“, und ich nickte rasch. Nachdenklich, leicht angeduselt, „Kalte Hände kriegt man“, sagte sie noch, „Vom Nikotin“, und ich prüfte das nach, aber meine Hände waren nicht kalt, nur leicht schwitzig. Es kribbelte überall, bei der Vorstellung, was sich jetzt in meinem Blut, meinem Körper befand."


Dann regnet es und wir laufen mitten durch die Stadt, über nass glänzendes Kopfsteinpflaster, Hand in Hand, ich weiß nicht mehr, ob er zuerst nach meiner gegriffen hat; es ist gut so. Das Klackern meiner Schuhe begleitet uns, und ein paar müde Blicke bleiben an uns hängen, was die wohl denken?

Es ist mir gleichgültig; gefällt mir sogar, wenn sie uns für ein Pärchen halten, irgendein Pärchen, das von einer Party nach Hause läuft.

Vielleicht sind wir das ja, und wissen es nur nicht.

13/04/2011

from this time, unchained

Diesen Moment mag ich, wenn der Himmel noch nicht ganz schwarz ist,
aber dunkelblau, sehr dunkel, kurz vor der völligen Verdunklung,
sozusagen, und die Fenster gelb, die Straßen ruhig.

Pärchen schlendern händchenhaltend nach Hause, vielleicht sitzt irgendwo jemand genau wie ich auf einem Fensterbrett und lächelt gedankenverloren, versonnen auf sie herab. Wie sie da laufen; ich male mir gern aus, wie sie in ihrem gemeinsamen Zuhause ankommen.

Vielleicht stellen sie zusammen das Abendbrot auf den Tisch, oder lesen im heruntergedimmten Licht ein paar Seiten in ihren Nachtlektüren. Vielleicht schalten sie auch den Fernseher ein und schauen wortlos ins Geflimmer, bis einer von beiden das Licht löscht, das Zeichen zum Aufbruch gibt.

Vielleicht geht es ihnen gut damit, die Gegenwart des Anderen zu spüren, vielleicht sind alle positiven Gefühle auch längst abgestorben, regen sich kaum noch. Ich weiß es nicht, aber ich würde es gern erfahren; ich wüsste gern so viel über dieses Leben anderer Menschen, denn es gibt so viele und man weiß so wenig darüber.

So viele verschiedene Arten, zu existieren; ob mit Moral oder ohne, mit einem Traum oder ohne Ziel, mit viel wärmender Vergangenheit oder nur kalter Zukunft im Gepäck.

11/04/2011

stranded up high on a telephone wire

The sun lightly shines on the pages of my book.

There hasn’t been much going on today, some glances, a few interesting faces, nothing much. Me and my book and my almost closed, fluttering eyelids. Some guy shouting “Oh, look at that girl,” but I’m about sure he’s not referring to me, and so I keep my head in the pages. No reaction is a reaction too, you know.

Then, the wish for not being surrounded by people and their possible glances and their noisiness has become strong enough to make me move.

When I’m getting up, packing my things together, one of these guys calls out to me. “Hey there, hottie!,” he shouts, with this tone in his voice that makes me want to throw up in his face and sink into the ground at the same time. It is this mixture of contempt and shameless boldness that makes me blush, pack my things together hastily and walk away without daring to look at them, him and his crowd. I just want to flee. Flee the attention.

It is this shout that makes my inner self tremble.

My thoughts are swelling inside my head, becoming foggy and too fast to catch up with. Someone’s laughing, mockily, laughing about me, and someone else joins in, and another one; taunting me, chasing me, all of them. I feel like I’m being encircled by a crowd of wolves, all the faces start rotating around me, stirring the air – and then it stops. It stops because of one thought; a simple, logical one. 

“I’m going crazy,” I say to myself, and it calms me down.

They’re not laughing about me, they’re just laughing, it doesn’t mean anything. Although my head’s still swimming, and my lungs are gasping for air, I keep walking steadily down the pavement. I still feel the situation burning on my cheek, still feel myself fading away into dizziness and people looking and not-looking at me, but I also feel that I’m still there. I feel that I want to scream, want to show them all I’m alive, I am here, even if you don’t notice me, even if you don’t care, all of you!, but that would mean giving in to insanity, and that’s not what I want right now.

What I want right now is a clear head, a lot of darkness to surround me and no one’s voice to touch.

09/04/2011

scattered seeds on the ground

Wir sitzen in klebrigem Dunst, wippen zur Musik, reden nicht viel.

Die Kippe wechselt zwischen uns hin und her; als unsere Finger sich berühren, flackert Vergangenes in mir auf. Ich sollte gar nicht darüber schreiben.

Wie ich sie erst gar nicht erkannte, als sie auf der Mauer saß, mit geflochtenen Zöpfen und unzähligen, ausgefransten Löchern in der Jeans. Wie ich es nicht schaffte, eine Kippe zu drehen, weil ich mich beobachtet wusste. Wie ich ihr schrecklich verkrampft auf der Tanzfläche zugrinste, aber es schien ihr gar nichts auszumachen. Und wie die Verspannung nach und nach von mir abließ; den Text rausgeschrien, und es auch so gemeint, und endlich ehrlich lachen müssen.

Der mit den frechen Augen tanzte bei uns, mit ihr, ich wehrte ihn verlegen ab, anfangs. Und irgendwann doch seine Hände an den Hüften spüren, und er greift nach K., greift nach ihr, und wir tanzen zu dritt.

Später greife ich selbst nach ihr, ziehe sie an den Gürtelschlaufen ihrer Jeans zu mir her, an mich heran. Die Luft flirrt, klebt auf der Haut; ich ertappe mich dabei, wie ich ihr tief in die Augen schaue. Ihr Körper antwortet meinem. Es ist so einfach. Wir malen den Rhythmus, mit fließenden Bewegungen.

Und dann tanzt er wieder hinter sie, mit ihr; wieder trifft mich ihr leicht gequälter, verlegener Blick, und dann, mir schwirrt der Kopf, zieht sie mich an sich, greift nach mir, wie ich nach ihr gegriffen habe, nur weicher, und weniger entschlossen. Aber mein Körper gehorcht, und wir tanzen eng aneinander geschmiegt, für ein paar Sekunden, dann mache ich mich lachend los von ihr, mehr wäre zu viel.

Es ist ohnehin schon zu viel, als sie uns einen Weg von der Tanzfläche bahnt und ich gedankenlos nach ihrer Hand fasse, und sie nimmt sie ohne zu zögern, nimmt auch die andere, zieht mich an sich, sodass wir vertraut verschlungen in den Raucherbereich stolpern.

So berühren beste Freundinnen einander, erinnere ich mich. Freundinnen tun das, weil sie sich mögen, weil sie einander gern nah sind, und vertraut miteinander. Nicht mehr. Mehr bedeutet das nicht, weiss ich, und es ist mir egal. Schön ist es.

Und diese Sehnsucht nach mehr - die ist auszuhalten.