13/12/2011

addicted to a certain kind of sadness

"Ach, verdammt!"

T. legt die Stirn in Falten. Der Poet tut es ihm gleich. Ich schnipse suchend mit den Fingern in die Luft vor mir, ein, zwei Mal, als entspränge meinen Fingern ein Funke und dem Funken das Wort, nach dem wir suchen. Dann wende ich mich ihr zu.

"Wie heißen die ... diese Dinger, die sprühen?"

Sie steht neben mir. Anfangs hatte sie mir den Rücken zugewandt, und ich war geneigt gewesen, einfach zu gehen - Mit dem falschen Lachen aufhören, das meine Unterhaltung mit T. künstlich am Leben erhält. Alle Gesprächsgespenster aufgeben und die Sehnsucht im nächsten Gullydeckel versenken.

Sie zögert keine Sekunde. "Wunderkerzen", sagt sie, und ich komme mir albern vor.

Komme mir dumm vor, weil alles, was ich von ihr zu wissen glaube, was ich zu spüren glaube, so aus der Luft gegriffen ist. So haltlos. Und alles, was ich mir von ihr zusammenreime, und von mir selbst; was ich fühle, zu fühlen glaube - Es kommt nicht heran an sie. Es ist nichts als müder Abklatsch, nasser Schaum; wenn ich von ihr rede, erschaffe ich sie neu. Neu und anders, und deshalb falsch, und nichts kann das einfangen, was ich fühle, wenn sie mir einen Blick zuwirft.

Denn es ist nicht, wofür ich es halte; es ist nicht einmal das.

Sie ist für mich ein Bild, das man betrachten und nach dem man sich unendlich sehen kann. Sie ist ein Bild, das sich bewegt, das redet und lacht und gestikuliert, und dennoch. Ein Bild also.

Eines das, wenn ich es betrachte, Wärme und Verlangen in mir auslöst; das Verlangen, ihr nah zu sein. Sie nahe zu haben; ich will: Diese grünen Katzenaugen auf mir ruhen spüren. Der Grund für ihr Lachen sein. Mit ihr etwas sein, das niemand versteht; verbunden sein mit ihr, verknüpft.

Ich will, dass niemand sonst sie anfasst, außer mir; dass niemand sie berührt, sie soll von niemandem berührt werden, ja, niemals berührt worden sein! Ich will sie ergründen, ohne jemals auf Grund zu stoßen; will sie verführen, von ihr verführt werden. Ich will, dass es sie schert, was ich treibe; dass sie mir eine Bedeutung zuweist in ihrem Leben, ein Gewicht. Ein Gesicht!

Ich will wichtig sein, für sie; ich will, dass sie ohne mich nicht mehr atmen kann. Ich will ihren Blick, will diese Mischung aus Schalk und Schwermut schmecken, dieses "Na?", und ihr "Du kriegst mich nicht!".

Sie lacht mit einem Augenzwinkern, sie lacht zufrieden. Ich bin mir ziemlich sicher, mir den vorsichtigen Seitenblick vorhin nur eingebildet zu haben. Mir alles - all das, was je war - nur zusammen phantasiert, nur überbewertet zu haben; sie schaut in die Runde und nimmt mich nicht wahr.

"T., komm' doch noch mit!", sagt sie schmeichelnd, und schaut ihn an, und ich schaue ihn auch an. Er windet sich noch, aber ich weiß, dass er ihrem Charme nachgeben wird. Ich werfe dem Poeten einen Blick zu, und rufe ein "Tschüss" in die Runde.

Dann stapfstöckle ich neben ihm auf Kopfsteinpflaster, und das Chaos in meinem Bauch kreucht und fleucht und hinterlässt nur Düsternis.

1 comment:

  1. och ja, das leben ... kommt mir vor, als wärs gestern gewesen

    http://www.buchmesse-leipzig.com/leipzig_liest/feuilleton.html

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