19/01/2012

breathing comes in pairs, except for twice

Dies ist eine Danksagung an die Stimmen aus dem Off.

  unerwartet
waerme spueren,
    waerme unbekannter art

erstmals erfuellt die
    zuneigung fremder
  stimmen mich mit
   zuversicht.

 ein zuruf aus
    gesichtsloser menge
   gibt mir kraft.
                 mut.
              trost, gar!

fuehlt sich an wie:
  jemand ist bei mir
und: hier falle ich weich.



Es gibt diese Phasen, und jedes Mal überraschen sie mich aufs Neue; und jedes Mal liege ich wieder am Boden. Es ist diese Stimmung, eine Stimmung, die über mich kommt, mich niederwirft. Es sind Gedanken. Erst wabern sie nur sanft und unschuldig zu meinen Füßen, und ich schenke ihnen kaum Beachtung. Nur hin und wieder sticht es ein wenig, aber das mag am Wetter liegen, mag Zufall sein, und ich bemerke gar nicht, wie sie, einer nach dem anderen, meine Knöchel umschlingen, um dann langsam meine Beine empor zu kriechen.

Dann kommt einer dieser Morgen, an denen du überlegst, einfach liegen zu bleiben. Und du bleibst liegen, weil du es dir leisten kannst, und versinkst in einem Buch, in einem Film, verfängst dich in der eigenen Lethargie und der wachsenden Abscheu darüber. Schüttelst über dich selbst den Kopf, und kannst doch nicht mehr tun, als Tee zu kochen, vielleicht einen Ordner aufzuschlagen, abgeschreckt wieder zuzuschlagen und zurück ins Bett zu kriechen.

Du hasst dich für diese Kraftlosigkeit, für den fehlenden Mut, aber du bleibst immer weiter liegen, und schiebst dir geschmacklose Plätzchen von vergangenen Feiertagen in den Mund, immer weiter, obwohl ohne Appetit, obwohl ohne Antrieb. Du gehst nicht aus dem Haus, obwohl Wasser fehlt und Obst, und überhaupt. Du streikst, und es ist niemand da, der es bemerken würde, außer dir selbst. Du streikst, um zu sehen, wie weit du gehen kannst; aber wie weit kann man gehen, wenn da niemand ist, der die Grenze zieht?

Über Nacht haben sie den Bauch befallen, die Gedanken, und tagsüber ziehen sie in den Kopf ein, schleichend, und not to catch. Keine Worte; nichts, das man greifen könnte, vielmehr Bilder, Farben. Düster, fahl. Sie wispern vom Abgrund und von Leblosigkeit, von Kälte und Ohnmacht. Von fehlendem Talent, und Talent wofür? Leben, wofür?

Und dann – denn natürlich zwingt einen der Alltag mit aller Macht doch aus den Federn; wenn auch widerstrebend und skeptisch, das Schlimmste erwartend – erzählst du von deinem Tag, erzählst Menschen, die dich kennen, und sei es auch nur ein wenig, von dem, was dich niederdrückt, zu Boden geschlagen hat – Und sie heben die Augenbrauen, nur leicht und vorsichtig, und zeigen dir, sagen dir, woran es liegt. Sie machen dich aufmerksam, da ist ein Fehler im System, in deinem Denken, sagen sie, und warum ist es mir immer so wichtig, was andere von mir halten? Was andere denken?

Ich dachte, diese Gewohnheit hätte ich abgestreift, wie alte Haut, wie einen alten Mantel, den man im vorigen Winter noch tragen konnte, aber – man betrachtet sich stirnrunzelnd im Spiegel – in diesem Winter wird man ihn nicht mehr tragen können; er passt nicht mehr. So fühlte es sich an, und jetzt höre ich sie reden und sehe, dass dieser Mantel nicht nur bei mir im Schrank liegt, sondern sich selbstständig gemacht hat und mich, immer wieder, anspringt. Und dann trage ich ihn, ohne es zu merken; trage die Gedanken in mir – Was denken sie? Was halten sie von mir?

Und wenn ich nach Hause komme, mit Zweifeln und Verworrenheit, und dann sind da Stimmen aus dem Nichts - Worte, die mir zuwinken, wie man einem alten Bekannten zuwinkt - Worte, wie das Lächeln eines Fremden, der damit sagt: Ich mag dich - dann ist das unbeschreiblich. Schön, bewegend. Kraft spendend. Und mehr als das.

An die, die hier ab und zu kommentieren, oder es mal getan haben; und auch an die, die es noch tun werden: Eure Worte, so schmalzig und kitschig es klingen mag, geben mir Halt.

5 comments:

  1. Ich bin immer ganz nervös, wenn ich sehe, dass du etwas geschrieben hast. DEINE Worte geben MIR Halt.

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  2. Das ist als hättest du über "mich" geschrieben, als hättest du heimlich Zugang zu diesen Phasen, die auch mich befallen. Vielleicht sind sie menschlich oder zumindest tiefweiblich.

    Und wären sie nicht, dann gäbe es auch nicht die Kreativität(,die ich jedoch in solchen Phasen gerne den Monstern der Entfremdung zum Fraß vorwerfen würde) in uns.

    Außerdem finde ich deine Worte am Ende nicht kitschig, erkenne aber mich auch da wieder (halb erschreckt-halb getröstet). Wir müssen mehr Mut haben, lernen kitschig zu sein.

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  3. Schade nur, das selbst so schöne dinge wie ein paar nette worte in der regelmäßigkeit ihre wirkung verlieren.

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    1. Das tun sie, das ist unbestreitbar. Aber die Regelmaessigkeit wird regelmaessig wieder zur Unregelmaessigkeit, und in der Unregelmaessigkeit sind "ein paar nette Worte" durchaus wirkungsvoll. :)

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