14/09/2012

all your fumble words

"Und dann hab ich mich eine Woche lang nicht gespürt", sagt sie und flicht ihre Finger in meine. Mir ist warm und schläfrig zumute. 

"Wie meinst du das", murmle ich, "Dich nicht gespürt?" 

Sie überlegt kurz. "Das ist, als sei man irgendwie betäubt, irgendwie gar nicht da. Ich hab das erst hinterher gemerkt, als es vorbei war. Ist ziemlich krass gewesen." Ihr Daumen streichelt über mein Handgelenk. "Wegen so was fangen Leute an, sich zu ritzen. Oder sich den Finger in den Hals zu stecken. Weil sie die Realität wieder spüren wollen. Es gibt nur zwei Wege, die aus dieser Unwirklichkeit raus führen: Schmerz, und Sex."

Ich liege neben ihr und bin auf einmal sehr wach. 

Du weißt gar nicht, wie gut ich das nachvollziehen kann, denke ich. Du weißt gar nicht, wie wenig ich gerade da bin, wie viel ich dir gern geben würde und nicht geben kann. Du gibst dich mit einem Schatten zufrieden; das ist es, was du tust. 

Ich bin nicht wirklich hier. Ich weiß nicht, wer das ist, der da neben dir im Bett liegt, dir bereitwillig einen Mund bietet, einen Körper, und nicht mehr. Leer bin ich, und meine Hülle wandelt unbeirrt durch Straßen, durch Betten und Köpfe und hinterlässt Spuren, die ich nicht verstehe; Spuren wie die Kleidungsstücke, aus denen man sich nach trunkener Nacht geschält hat und die man völlig gedankenlos auf den Fußboden fallen ließ, und die man am nächsten Morgen betrachtet mit nichts als einer dunklen Ahnung, wie sie dahin gekommen sein könnten, wo sie eben nun verstreut liegen.

4 comments:

  1. ich kenne das gefühl auch gut. zum glück geht es auch immer wieder vorüber.

    was ich mich dann frage: wo bin ich denn wirklich? wer ist es, der das denkt, der das wahrnimmt? kann mein körper auch "ohne mich" denken?

    du hast das sehr gut in worte gefasst, dieses seltsame phänomen!

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    1. Koerper im Autopilot, vielleicht?

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  2. ja ich auch, es ist vergleichbar eines nicht aufwachens,
    ab und zu, man wird geblendet oder bekommt eine frage gestellt deren antwort man nicht kennen will, da wacht man für einige augenbliche auf und fragt sich warum man gerade so ist wie man ist. an diesen tagen macht man sich ein Wein auf und hat die frage schon vor dem ersten schluch wieder vergessen. Dann schläft man wieder.
    Dein Blog weckt öfters mal

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    1. Wecken ist gut. Wachbleiben ist besser!

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