29/05/2017

bound by the other side

Ich habe dir nie gesagt – vielleicht, weil es mir nicht bewusst war – wie ich es empfinde, dass du rauchst und trinkst und betrunken vom Fahrrad fällst, und lachend wieder aufstehst und weiterfahren willst. Ich dachte, ich empfinde hauptsächlich Angst, Angst um dich, und die empfinde ich auch, aus reinem Egoismus: Angst davor, dich zu verlieren. Angst, dass du nicht mehr da sein könntest. Dann will ich dich schütteln, dir die Zigarette aus der Hand reißen und sagen, Lass das, bitte!, ich will, dass du lebst, so lang wie möglich, und so lang wie möglich Teil meines Lebens bist. Aber dann ist da noch eine andere Empfindung, und die kann ich erst jetzt benennen: Es ist eine Art Bewunderung, eine Hochachtung, I'm in awe of how you treat life, of how you feel that life can only be worth living if you can enjoy it, und das ist genau das, was ich mich nicht immer traue, nur manchmal, und meist mit Gewissensbissen, mit Vorsicht. 

Aber dann stehe ich am Balkon und habe mir eine halbe Zigarette zusammengebastelt, aus dem Paper von einem Joint und völlig vertrockneten Tabakkrümeln, und ich stehe da; der Wind reißt mir die improvisierte Kippe fast aus der Hand, aber ich fühle mich so frei, so losgelöst. Was will ich denn vom Leben anderes, als es zu erleben? Was soll ich denn damit, wenn mich nichts berühren kann, und ich mir nichts zu eigen mache?