01/10/2013

circles and straight lines and drowned eyes

Du hast meine Füße gewärmt; eiskalt waren die.
 
Deine Beine hast du um meine geschlungen, und ich konnte nicht anders, als mich geborgen zu fühlen. Immer wieder habe ich mich umgedreht, um einen Kuss zu erhaschen; to snatch a kiss from your mouth, because it was warmth and sweetness all over again, all the warmth and sweetness that I knew would soon be gone.
 
Ich habe gezittert, als du plötzlich in der Tür gestanden hast; ich habe - Aber das ist eine Rührseligkeit, die ich mir nicht leisten kann. Ich kann mir nicht leisten, bei jedem Wort, das ich tippe, in Tränen auszubrechen; wie ein Teenager, der sich jämmerlich fühlt, hundeelend, und die Welt nicht mehr versteht. Ich verstehe; vielleicht nicht die Welt, aber dieses Chaos. Ansatzweise. Ich will den Überblick behalten. Und verquollene Augen helfen dabei nicht.
 
Das habe ich von dir gelernt.
 
Wann immer du in meinem Leben auftauchst, aus einer Laune heraus, regt sich unter mehreren Schichten mühsam zusammengetragener Stärke, Gelassenheit, und gespielter Gleichgültigkeit etwas, das dich zurück will. Jedes Mal. Alle Vorsätze, alle Einsichten sind dann dahin.

Und ich klammere mich wie ein Kind an deinen Blick, der früher liebevoller war, und weniger oft einem schmerzlichen Stirnrunzeln Platz machen musste. Ich klammere mich an dein Lächeln, das noch immer warmherzig ist, und dich so schön macht. Und ich streiche Strähnen, während du vage dahindämmerst, durch einen Halbschlaf dümpelst, der dich von mir wegtreibt; denn der Morgen bringt Ernüchterung, bringt Klarheit und treibt dich, würgend, zur Kloschüssel.
 
"Lass mich nicht los", hast du gesagt. "Lass mich noch nicht los." Also hielt ich dich fest. Später, als es längst hell geworden ist, draußen, sehe ich dir an, dass du eine rasche Umarmung zum Abschied vorziehen würdest. Aber ich bestehe auf den Kuss. Ich bestehe darauf, weil es mich schmerzt, wie schnell du die Nähe zwischen uns wegwischst; wie gern du sie vollkommen ausradieren würdest. Es schmerzt, dir dabei zuzusehen; auch, wenn es dein gutes Recht ist.
 
Und dann sagst du, "Es gibt nichts zu reden", und wir telefonieren vierzig Minuten lang. Vierzig Minuten, in denen ich langsam begreife, dass meine Erinnerungen, im Gegensatz zu deinen, nicht von hässlichen Schatten befallen sind. Dass ich aber die Mutter deiner Schatten bin. Dass du mich eigentlich verabscheust, und dir das bloß entfallen war. Dass wir nie wirklich zusammen gepasst haben; natürlich nicht, auf einmal siehst du das ganz klar: wie gegensätzlich wir sind!
 
Dass es dir leid tut, sagst du; und, dass du den Absinth weggekippt hast. Denn das ist die einzig wahre Lösung. If emotions run wild, you have to tie them down. Lock them up. Hold them in and force them back, again and again, until they're tired, tired of trying to get loose. Tired of anything.
 

2 comments:

  1. Ich mag deine Texte sehr. Wie oft du in der dir-Form schreibst, das finde ich etwas besonderes. Du scheinst dich fast zu verlieren in anderen, in deinen Texten. Auch im Leben?

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  2. im chaos die letzten strukturen erkennen ist manchmal das einzige was man kann. .... aber den absinth wegkippen, das geht zu weit!

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