08/11/2013

made it in my mind because

"Wie kann man sich schon sicher sein", sagt sie, und ich fühle mich umzingelt, fühle mich eingekreist. 

Natürlich kann man sich nie sicher sein. Und wir reden noch ein bisschen, und es geht hin und her, und sie sagt, sie will nicht gehen. Dann bleib, sage ich, und könnte mir im nächsten Moment die Zunge abbeißen.

Alles was sie sieht ist, dass ich Angst habe, sie zu verletzen. Und das findet sie charmant, überaus rücksichtsvoll, und überaus unangebracht. "Mach es doch nicht so kompliziert", sagt sie, "Es ist eigentlich ganz einfach", und ich habe den Satz zu oft gehört; er löst Widerwillen aus in mir, eine Fluchtreaktion, und gleichzeitig Sehnsucht danach, genauso zu empfinden. Ich will die Einfachheit, so ist das ja nicht. Aber sie ist schlicht nicht da. Sie ergibt sich mir nicht; ich sehe und starre und greife ins Nichts.

Und dann schaut sie mich so an. Ich liege auf dem Bett, seitlich, sie sitzt, an die Wand gelehnt, und betrachtet mich. Und ihr Blick wird so warm, als sie mich anschaut, ich erkenne das wieder. Ich erkenne diesen Blick, was dieser Blick impliziert, und in dem Moment wird mir klar, dass ich das nicht noch einmal kann. Ich kann diesen Blick nicht ertragen; ich will das nicht, und der Moment schießt in mir hoch. Ich richte mich auf, "Ich kann das nicht", mit Nachdruck, weil es auf einmal so klar ist, weil ich tatsächlich will, dass sie geht; weil sie ein Fremdkörper ist in diesem Zimmer, in meinem Leben, und das ist weder ihre noch meine Schuld, das empfinde ich einfach so.

Einfachheit - auf einmal doch, und sie wälzt ein Meer aus Steinen von mir. Auf einmal kann ich wieder unbeschwert sprechen und lachen, kann ihren Blick unbefangen erwidern; irgendetwas ist von mir abgefallen, vielleicht die Möglichkeit, wieder in etwas Halbherziges abzurutschen, wieder jeden Tag gegen die Unsicherheit ankämpfen zu müssen und gegen die eigentliche Gewissheit: Ich will das gar nicht.

Ich will das gar nicht, und ich brauche keinen Grund dafür. Gründe sind egal. Wer die Schuld trägt, ist egal. Es ist einfach nur wichtig, dass ich danach handle, dass ich mir nicht nehme, wonach mir gar nicht ist, einfach nur, weil es sich anbietet; ich will das nicht, und deshalb gehst du jetzt. Und sie steht noch eine Weile zwischen Tür und Angel, und will mich umarmen, und hält sich an mir fest; und ich halte sie fest, weil ich so froh bin, weil es mir leid tut, und weil ich so froh bin.

Ich glaub dir das nicht, sagt sie noch ein paar Mal. Ich weiß doch, dass du was fühlst. Und ich schaue bloß; es ist egal, was sie denkt, und vielleicht weniger schmerzhaft, auf diese Art. Und ich denke, was habe ich denn getan, dass du dir so sicher bist, dass du so stark an etwas glaubst, das nie da war.

Und dann geht sie, und es tut ein bisschen weh, und gleichzeitig könnte ich explodieren vor Glück. Weil ich weiß, das Richtige getan zu haben? Komm gut nach Hause, sage ich, und wuschle ihr kurz durchs Haar, und sie schaut immer noch so ratlos, so rätselnd, aber ich will, dass sie geht. Und die Tür fällt hinter ihr ins Schloss, und ich bin wieder frei. 

Unendlich, unaussprechlich frei, und ohne Angst. 

2 comments:

  1. respekt, weil mutig, gefährlich und schlau. verneigung, weil gefühlt und entschieden.

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  2. Es klingt einfacher als es ist, irgendwie. Die Tür hinter sich zu schließen und Balast abzuwerfen. Aber schön klingt es auch, weil es so einfach klingg.

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