14/02/2010

exchange the cold days for the sun

Das Telephon klingelt.

Wie geht es ihr, fragt jemand, und ich sage, schon viel besser. Viel besser. Und ich reiche den Hörer weiter mit einem tauben Gefühl; einem Gefühl, als sei erneut nicht eingetreten, worauf ich gehofft hatte, und natürlich steht mir das nicht zu, aber da ist es. Ich brauche jemanden, der für mich anruft, der fragt, wie es mir geht, und ich will nicht, dass es jemand ist, den es nichts angeht. Ich will meine Freunde. Und jetzt wird mir bewusst, wie wenig ich eigentlich von ihnen weiß. Wie viel ich jetzt von ihnen erfahre.

Ich kann auf solche Freunde verzichten. Auf solche, die sich aus dem Staub machen, wenn es schwierig wird. Die sich nicht melden; ich meine, vielleicht denken sie, ich bräuchte Ruhe, vielleicht denken sie, ich will keine Ablenkung und auch nicht darüber reden. Aber ich dachte wirklich, meine Freunde, das sind welche, auf die kann ich zählen.

Ich habe andere Leute belächelt und bemitleidet, denn solche Freunde wie meine, die haben sie nicht und werden sie vielleicht nie haben, und das machte mich ein bisschen stolz und gab mir ein bisschen Kraft. Meine Freunde und ich, wir brauchen nicht viele Worte, die verstehen mich blind, weil wir uns gegenseitig beinahe auswendig kennen, ohne deshalb voneinander gelangweilt zu sein. Ich kann lachen und reden so laut ich will, worüber ich will, da geht es mir gut. Schultern zum Anlehnen sind das, dachte ich, aber wo sind die jetzt? Wo sind sie.

(Und ich sehe mir Photos an, auf denen meine Freunde feiern und sich betrinken und ich bin nicht dabei gewesen, ich war einfach nicht dabei in den letzten Tagen. Und ich wäre es so gern gewesen. Dabei anstatt zu Hause; vielleicht war ich müde, vielleicht lustlos und befallen von dieser Krankheit, die sich Lethargie schimpft, aber man hätte mich doch anrufen können, oder nicht, einfach mal anrufen und fragen, was los ist, wie es mir geht. Ob ich kommen will, mitmachen, feiern, trinken. Vergessen.)

6 comments:

  1. Ich werde mich nicht entschuldigen.

    Manchmal braucht es die Worte. Weil auch die Menschen, die man für so nahe hielt, so blind verstehend, an manchen Punkten nicht mehr verstehen können. Wenn sich Situationen ändern und sie es nicht sehen. Sehen können. Wenn man es ihnen nicht sagt, bleiben sie wo sie waren. Man muss sie anstoßen und erst dann kann man wissen, ob sie sind für was man sie gehalten hat und sie sich anpassen an das neue oder ob sie bleiben und wegschauen, weggehen.

    So ungern ich Menschen sage, wovon ich der Meinung bin, dass sie es sehen, fühlen, wissen müssten. So viel einfacher wird es, wenn ich es dennoch mache. Ich zerstöre den wunderschönenen Faden, der uns zusammengehalten hat durch ein raues Seil. Es fühlt sich nicht mehr so gut an, aber es hält. Wenn sie es nehmen, können sie es halten.

    Heute habe ich solche und solche Freunde. Für unterschiedliche Situationen. Nur wenige kommen mit allen zurecht.

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  2. den sicheren freund erkennt man in unsicherer sache
    -ennius

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  3. wahre freunde erkennt man in der "not". leider.

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  4. man sollte sich eben nicht auf andere verlassen.
    da wird man nur enttäuscht.
    seit dem ich das weiß erwarte ich auch ncihts mehr.
    denn der 4. abschnitt spricht mir aus der seele.

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  5. looka - ja, zu fordern, was einem (gefuehlt) zusteht, ist nicht die schlechteste idee. aber manchmal will man einfach wortlos verstanden werden. und wenn da dann niemand ist, der versteht - und man hatte an den faden geglaubt - falle ich manchmal lieber.

    anonym & to01 - aber natuerlich glaubt man vorher zu wissen, wer die "wahren freunde" sind. und eigentlich hat man auch recht damit. aber allein ist man trotzdem.

    mariamassacrante - aber auf irgendetwas muss man sich / ich mich doch stuetzen?

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  6. freund. sprich. wer bist du?
    unter denen, die dort sind, dort am tisch und das glas heben auf jemanden, der ich nicht bin und doch meinen sie mich.
    freund. sprich. wer bin ich?

    meine beste freundin ist eitel und arrogant manchmal. sie ist schön, viel schöner als ich und sie weiß das. sie redet auch am liebsten über sich und das meistens und dann aber sehr lange. oft mehrmals am tag. (ohren können schwitzen!) meine beste freundin hat immer mindestens 2 männer, die immer nichts voneinander wissen und immer erst voneinander erfahren, wenn sie ersetzt worden sind. sie spricht gerne von ihren langen haaren und von ihren blauen augen und spricht auch von allem gern, was sie hat und irgendwer nicht. auch ich nicht.
    aber dann: sie schweigt mit mir am telefon, wenn ich nicht spreche von mir. sie schweigt dann manchmal und ich höre sie rauchen, höre sie an der kippe ziehen und ausblasen, höre sie warten. auch wenn sie weiß, dass nichts kommt. sie wartet.
    und dann: sie flicht mir zwei Zöpfe und sagt: Sie hätte gern so dicke Haare und so schöne Wellen drin wie ich.
    Und dann auch: Sie stellt sich vor mich, vor mich, die viel größere und starrt das mir verhasste Gegenüber nieder, ohne Worte, starrt und nimmt meine Hand und führt mich, wenn ich blind werde. Und ich werde manchmal blind.

    Es gibt Schwächen, mit denen man kann und mit denen man nicht kann. Und dann gibt es solche, die nur für andere Schwächen sind. Und über die man sich nur aufregt, wenn es einem grade richtig dreckig geht und man nicht merkt, dass man einfach nur anrufen muss. Auch wenn man nur schweigen will.

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