bonfires of trust, flash floods of pain

I have no idea how I ended up here.

Keinen blassen Schimmer, wie ich hier gelandet bin.

Mein Blut pocht dunkelbraun durch meine Adern; zittrige Finger, gehetzte Schrift auf kariertem Papier, wo bin ich überhaupt? Jage durch Gedankenspiralen, jegliches Raumgefühl verloren; die Zeit hat ohnehin noch nie zu mir gesprochen, wann ist jetzt, wann ist morgen, und würde es einen Unterschied machen?

Wie wir im Auto saßen, eben war die Landschaft noch ruhig am Fenster vorbeigeflogen, dann auf einmal die Kurve, herannahend, viel zu schnell, viel zu real; zu real, um wirklich fassbar zu sein, alles entgleitend, und im nächsten Moment nur noch der aufdringliche Gestank verschmorten Gummis auf Asphalt. Der Ruck des Zum-Stillstand-Kommens, eine Sekunde nichts, und dann die seltsam unaufgeregten, sortierten Gedanken im Kopf:

Warnblinker. Aussteigen. Bloß raus hier.

Dann: Der Zug, der auf mich wartet und K., die mir die Tasche zuwirft, in letzter Sekunde, sozusagen filmreif. Jemandes verschmitzter Blick auf mir, und sein ungestümes Lachen. A.'s verletzende Worte, überhaupt – A.

Die ich nicht verstehe, deren Motive ich noch nie nachvollziehen konnte und alle, alle raten mir, sie in den Wind zu schießen, sie zu vergessen, und dabei ist das eins der einzigen Dinge, bei denen ich mir wirklich sicher bin: Dass ich das nicht tun will.

Manchmal hält man völlig irrational an Dingen fest, und - Kann das nicht doch irgendeinen Sinn ergeben?

Sonne auf dem Gesicht, endlich. Und blaue Knie.

until your face turns blue

Der Wind weht den Rauch ins Zimmer.

Ein paar Ascheflocken lösen sich von der Zigarettenspitze. Unwirsche Handbewegung, vom Ärmel gewischt, taumelnd das Fenster geschlossen. Bleiches Gesicht im Spiegel. Egal, gedacht, was ist schon von Bedeutung.

Review.

In immer schnelleren, energischeren Schwüngen dreht sie sich um die eigene Achse, das Gesicht vor Anstrengung verzerrt, und wirbelt diesen Wunsch nach Vollkommenheit auf, wirbelt auf, was längst vergessen war, und etwas in meiner Brust verkrampft sich.

Schwarz rauschender Flügelschlag, rotglühende Augen; seltsam befreiend. -

Ständig diese Momente des Wiedererkennens. Ihr Blick auf der wunden, aufgebissenen Fingerkuppe, und dann ihre Entscheidung, sich dem Schmerz zu stellen, ja, ihn nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern ihn auf eine Art und Weise zu genießen, wie man nur Schmerz genießen kann. Schmerz als süße Strafe; und das Blut im Waschbecken, ihr panischer Blick im Spiegel.

Ihre Angst, sich fallen zu lassen; ihre Art, im Bett zu liegen, sich ihrer selbst vollkommen bewusst. Die Träger ihres Nachthemds; wie sie sich bewegt, mit solcher Zielgerichtetheit. Leben um zu tanzen, um das Leben zu spüren, um ES zu spüren, das Unbenennbare; sie nennt es Perfektion, ich nenne es, sich in der Leidenschaft verlieren.

Weißtränende Augen, die Bitte um Verzeihung, Vergebung, die niemand gewähren kann – Schweig!, will man sie anfahren. Und dann lebt sie endlich, lässt sich endlich darauf ein, und in den zuckenden Bildern erkennt man ebenfalls sich selbst, sich selbst im Rausch, und als da wieder Klarheit ist, stellt sich auch die Verlorenheit wieder ein. Und die Kälte.

Und dann eine Hand im Taxi, die keine Scham kennt, dafür aber meine wildesten Träume. Ein Traum im Traum im Film. Da war nie Blut, ist nie Blut gewesen, und auch kein Kuss, und keine Hand. Zurück bleibt pure Aufgewühltheit. Stumme Entrücktheit.

Ein langsames Zurückfinden in die eigene, kleine Realität.

set them up to knock them down

Ich habe mich im Zug sitzen lassen.

Hat sie das gesagt? Habe ich das nur gedacht? It’s nice, schön, ein Mädchen zu küssen, das nicht nach Rauch schmeckt, nach Zigaretten; hat sie gesagt oder auch nicht, und wenn, würde es keine Rolle spielen.

Nächster Halt.
Die körperlose Stimme, die ihn ankündigt, klingt nach Zahnpastalächeln, nach verkrampfter Heiterkeit. - Draußen Dunkel. Am Fenster fliegen die Lichter vorbei, das Innere des Zuges spiegelt sich, spiegelt sich im Fensterglas wieder, der Gang, die Gesichter, das alles, nur durchsichtig.

Ein Mädchen kritzelt fieberhaft ins Notizbuch; Füße vom Sitz!, ein Blaugewandeter fährt sie an. Sie schaut, schaut bloß; beinahe verletzt wirkt sie, als habe er sie grob am Arm gerissen, oder aus einem Traum. Dann nimmt sie die Füße vom Polster. Als der Gang den Beamten geschluckt hat, stellt sie ihre Ausgangsposition wieder her; ich muss lächeln.

Sie lächelt scheu zurück.

the minute you let her under your skin

Graue Worte tropfen von deinen Lippen.

    ich schlucke
     gierig sonnenlicht,

trinke schlotternd,
   vergehe mich –

         vergesse mich
              daran.


Wärme fließt wie vergossen meinen Rücken entlang und endet nicht, schwindet nicht; Stufen gestolpert, Mundwinkel verbogen, vergessen: Den Kälteschauer, das fröstelnde Reiben der Hände, aneinander, ineinander, und ausgewrungen die Angst. Die kaltstarre Angst losgeworden, weißt weder wie noch ob tatsächlich, weißt nur dass, jetzt, hier.

Und morgen vielleicht: Wieder alles auf Anfang, die Angst im Bauch, die Schwärze, die sich ausbreitet, im Kopf, aber: Jetzt ist Hier ist nicht Morgen. Und vielleicht: Das Jetzt gepackt halten.

Es gepackt halten.

instead of paying enough taxes

I can't get rid of the feeling that
most people spend a big amount of their time
pretending to be someone they're not.

but figuring out who one really is
might only be possible by
finding out who one wants to be
/ doesn't want to be.


and then, still on the way to become that ideal person,
still on the way, one may find oneself
and the self will look at you as if it'd waited a long time,
saying 'where have you been?
I've been searching you.'

laugh about it, shout about it

Februar 2009

Ich dachte immer, auch kleine Dinge seien von Bedeutung, doch sie erblühen und vergehen und hinterlassen nichts als einen sonderbaren Nachgeschmack.

Und später vergisst man sie, und dann weiß man nur noch, welchen Studiengang man gewählt hat, welche Uni besucht, welchen Beruf ergriffen. Welchen Mann wann geheiratet, wann die Eltern verloren. Danach wird das Leben doch eingeteilt, so ist es doch.


Und irgendwie doch gehofft, es sei anders.

where the moon was a star-painted dancer

2010?

Ich denke an die Studentin; daran, wie sie mich geküsst hat, und an E., die ich nie wieder sehen will. Weil ich weiß, wie schnell alte Wunden aufreißen können; weil ich weiß, dass ich derzeit verwundbar bin.

Ich denke an die Prüfungen; trockene Lippen und Gummibärchen in dieser muffigen Halle, und der Stift fliegt übers Papier. Der Stift: wohl von allen Ecken und Enden bekaut, bearbeitet, zerkaut; als könne man die Ideen heraussaugen, oder die nötigen Fakten. Chemie, nie wieder. Ich denke an das Gefühl zwischen Erleichterung und Enttäuschung, weil da genau ein Punkt fehlte, die Punktzahl selbst aber verdammt großzügig war.

Ich denke an Eis unter den Füßen, auf dem Schulhof; an das Gefühl, nicht nach Hause gehen zu wollen, weil man diese Leute bald entbehren wird, bald ist alles anders, das Gefühl im Kopf. Ich denke an E., die mir zulächelt, und R., die fast in Tränen ausbricht, und es war meine Schuld. Ich denke an A., und an M., der mir die nötige Kraft gab, ihre Nummer zu löschen, und der davon nichts weiß. M. mit seinem ansteckenden Tatendrang und seiner erfrischenden Unbesorgtheit.

Aber eigentlich denke ich an

Wahnsinnige, atemberaubende Küsse. Verzweifelte Tränen. (Jemand streichelt mir tröstend übers Haar.) Sehnsucht, flirrendes Gedankenspiel. Stilles Zusammenbrechen. Lautes Zusammenbrechen. Brennende Wangen vor Scham. Das Gefühl, etwas sei einfach nicht richtig. Impulse. Feuer. Resignation. Tiefdunkle Traurigkeit, ohne Boden.

Und dann doch irgendwie ankommen.