24/04/2016

another hole to dig my soul in

How many times have I thought now, have I tried to consciously understand and accept, that I have lost her? And then she sits across from me at the table, with coffee, and her smile makes my heart flutter, makes it light and fuzzy and expandable.

Sie schaut mich anders an; die Distanz vom Vortag scheint wie weggeschmolzen. Ich bin nass vom Regen, mein Gesicht ist nass, sie lacht und wischt über meine Stirn, und ich schäme, freue mich, freue mich noch mehr. Wann sie ihren Kaffee trinkt, weiß ich gar nicht; ich rühre mit dem Löffel im Milchschaum und zögere das Ernste, das Bittere so lang wie möglich heraus. Willst du drüber reden, sagt sie dann, und natürlich müssen wir das, deshalb sind wir gekommen, deshalb sind wir da, also: nicken, verlegen, zaghaft, bestimmt. 

Später versinken wir in einer Couch; sie entknotet Strähnen meines Haares, sie riecht an mir. Sie sagt, sie würde mich heiraten, und ich muss lachen, kann es nicht so richtig fassen, und alles wird warm und wohlig. Auch später, warm und wohlig, zuversichtlich trifft es vielleicht; ich kann warten, wenn sie mir diese Gewissheit gibt; ich kann der Angst eine Weile die Stirn bieten. Aber sie flüstert. 

Das kann sich ändern, flüstert sie. Sieht das morgen noch genauso aus? Gestern noch schluchzend eine endlose Straße entlang gefahren; schluchzend, weil alles verloren schien. Gestern noch. Heute dann. Heute beinah Luftsprünge, aber eher die von der besonnenen Sorte. Wenn es das gibt. Sie meint es ernst; sie will, dass es funktioniert mit uns. Das ist alles, was ich brauche.

12/04/2016

hit the high notes

Ein Wiedererkennen. Hallo, sagen unsere Lippen zur Haut, sagen unsere Körper. Hallo, und: Wo warst du?, und: endlich.

Der Taxifahrer spielt Jazz, und die Straße zieht vorbei, vorbei, die Nacht läuft nicht langsam genug; ich will, dass wir sie einholen. Schneller, schneller soll er fahren. Es fühlt sich richtig an. Der Ton in ihrer Stimme, Kannst du herkommen? Kannst du dir ein Taxi nehmen? Und in meinem Kopf surrt es, rastet ein, völlige Klarheit, bewusst, entschlossen. Ich fahre. Natürlich fahre ich. Sie will mich sehen, sie will, dass wir uns nah sind, und ich spüre das in ihrem Tonfall, über Kilometer und Kilometer hinweg. Was auf mich eingeredet wird, prallt an mir ab. Die Entscheidung ist längst gefallen, und ich weiß das, und es tut wahnsinnig gut.

Dann stehst du da, mit dem Geldbeutel in der Hand; Hast du das Geld? Dann die Hände, ganz automatisch, wir halten uns fest, du kriechst in mich rein. Du kriechst in mich rein, und ich halte dich. Verlegen bist du, ein bisschen, und überrascht, als ich frage, ob ich tatsächlich in die Wohnung darf. Dass ich mich vorbereitet habe. Dass sie ihre Meinung geändert haben könnte, während meiner Fahrt. Wer weiß das schon?

Nein. Sie legt Pyjamas raus, erst nur für sich, dann auch für mich. Sie gibt mir den Laptop und dirigiert mich ins Zimmer. Sie putzt die Zähne und ich schlingere durch die Wohnung, von hier nach dort und zurück, weiß nicht wohin, weiß nicht, was passiert.

Was passiert? Ich nenne es 'Lovers Back'. Sie nennt es 'The Nightly Call'. Ich nenne es 'True Love Always Wins'. Sie lacht.

03/04/2016

keeping me afloat

C. hat dir gesagt, du seist egoistisch, und du hast es bestritten, bestreitest es heute noch; nicht egoistischer als andere, sagst du, und ich bringe es nicht übers Herz dir zu sagen, dass das nicht stimmt. Du bist egoistischer als andere. Und ich liebe dich.

Ich will der Welt den Schädel einschlagen. Der Schmerz frisst an mir, beißt Stücke aus mir heraus, und ich stehe nur da und schaue, was übrig bleibt. Ich kann nicht mehr ausweichen, spüre den Schmerz mit voller Wucht; Entbehrung, Sehnsucht, Angst; krieche rein emotional auf dem Zahnfleisch und sitze doch aufrecht, halte mich aufrecht; Sehnsucht, Selbsthass, Scham; irgendwo ist sie jetzt, und ich weiß nicht, was sie fühlt, und es fühlt sich so sehr nach Wegbrechen an, du brichst von mir weg und Steine prasseln und es gibt nichts, was das aufhalten kann.

Ich wollte dir genügen, das war ein ständiger Druck auf mir; manchmal mehr, manchmal weniger. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich bin nicht genug. Nicht leidenschaftlich genug, nicht selbstbewusst genug. Und manchmal: dir nicht ähnlich genug. Dabei habe ich mich so oft angepasst; weißt du, ich bin so oft spät ins Bett gegangen mit dir, und du lagst so selten wach an meiner Seite. Ich habe so oft versucht, die Augen noch offen zu halten, aber wann hast du versucht, sie für mich zu schließen?
  
Ich will zu dir, alles drängt mich, alles schreit in mir. Ich will dich, wie ich dich früher hatte; ganz und gar, uneingeschränkt, glücklich. Ich will dich, wie ich dich nicht haben kann, und das muss ich mir wieder und wieder sagen. Es ist: unter Wasser sein, tief getaucht, und da bist du, und ich sehe dich, und du siehst mich an, und dann schwimmst du davon. Dieses Gefühl: dich davonschwimmen sehen. Nicht zu wissen, ob du umkehrst, jemals, oder ob du glücklicher bist: dort, wohin du dich jetzt aufmachst.

17/02/2016

blue skies from pain

Ob sich die Arbeit nicht von allein schreibt; manchmal glaube ich, das ist tatsächlich der Hintergedanke, die Hoffnung.

Dass sich alle Wörter in meinem Kopf ganz automatisch aneinander fügen, und dann unsichtbar aufs Papier gespuckt werden – von ganz allein, natürlich. Warum könnte ich sonst wieder und wieder andere Beschäftigungen finden, anderes tun, das Wichtige wegschieben, wie eine Kehrschaufel einen Berg Schmutz wegschiebt, und es sammelt und sammelt sich, aber wandelt sich nicht in Gold. Schmutzberge in Gold verwandeln; schweifende Gedanken führen nicht zum Ziel, stattdessen immer wieder daran vorbei, wie Scheibenwischer, wie Leuchtturm-Leuchtstreifen, wandernd, ziellos mit Bestimmtheit, ein schweifendes, rastloses Streifen, und die Zeit zieht zusätzlich vorbei, und du sitzt da, bis du ganz durchsichtig bist, durchsichtig und kaum mehr als ein blässliches Wabern. 

Grässliches Labern; du liest Halbsätze im Halbschlaf und klickst dich durch ganz Universen, ohne, dass etwas davon in dir zurückbleibt. Wann hast du zuletzt laut gelacht?, laut gedacht: dass doch nichts über ein bisschen Freizeit geht. Frei, zu zeiten, zu zelten, große Zeiten zu erleben und mitzumischen, aufzutischen, aufzuheitern; Entspanntes zwischen all dem Ziehen und Zerren. Eine Lücke im Gewühl, eine Brise auf schweißbenetzter Stirn, aber wer arbeitet denn heute noch so, dass ihm der Schweiß von den Beinen rinnt; das macht man doch – eben – in seiner Freizeit. Schweiß produzieren. Leise große Schritte. 

Aus deiner Mitte schält sich etwas heraus wie ein Obst, wie ein verpupptes Tier, es schält sich, fällt. Ein Klumpen Haut bleibt zurück, ein Klumpen Haut bleibt übrig. Das bist du.

08/02/2016

like I'm not made of stone

While you fuck me, snatches from last night's dream flare up, they flicker, then they're gone.  
 
Wenn du gehst, nimmst du nichts mit von mir; meine Gedanken hängen dir nicht nach, vielmehr bleibt etwas von deinen an mir kleben. Kleine Gewissheiten deiner Gegenwart, deiner Existenz; Haut, Mund, Lippen; der weiche Ausdruck in deinem Gesicht; wie du mich an dich ziehst; wie ich vorsichtig dein Gesicht studiere, um nach Veränderung zu suchen, oder nach Kälte, aber nicht fündig werde, und seufzend vergrabe ich meinen Kopf an deiner Schulter und du freust dich, und ich freue mich; wir sind zwei warme Wesen, zwei warme Wesen, die sich gern noch näher wären jetzt, aber es sind Leute in der Küche, es sind noch andere im Raum, deshalb nur Haut zeigen, wo Haut erlaubt ist, und meine Hand greift sich dein Shirt, und du greifst dir mein Haar.

25/08/2015

bound to linger on

Was ich nicht vergessen will: Wie du gelächelt hast, als du langsam aufgewacht bist und meinen Kuss gespürt hast.

Ein leichter, weicher Kuss war das, du hattest die Augen noch geschlossen, und dann, mitten im Begreifen und Erwachen, hast du so gelächelt. Ein rein spontanes, glückliches Lächeln war das. Das war wunderschön.

Ich bin tatsächlich stolz, merke ich; stolz, dein Vertrauen zu genießen, es genießen zu dürfen, es verdient zu haben. Es berührt mich, wenn du einschläfst, fest um mich geschlungen; wenn du dich dem Schlaf ergibst, wie ein Kind in meinen Armen. Manchmal richtest du im Halbschlaf Worte an mich; ein erklärender Satz, eine Frage, mit geschlossenen Augen, immer mitten aus einem Gespräch gerissen, das du dir erträumt hast. Manchmal wachst du auf und hast das Ende des Films verpasst, bist verwirrt und ein bisschen wütend, aber kraftlos, eher enttäuscht, vielleicht von dir selbst. Als sei es eine Schwäche: eingeschlafen zu sein. Das mag ich. 

Ich mag, dich noch nicht aufzuwecken, obwohl mein Nacken schmerzt, obwohl der Film längst zu Ende ist; ich halte dich dann fest und freue mich. Ich halte dich fest mit dem Gefühl, dich beschützen zu wollen, vor allem, was kreucht und fleucht und draußen herumheult. Vor allem, das dich unter Druck setzt, das Erwartungen an dich stellt; wenigstens für den Moment soll die Zukunft ohne Widerstände sein, alle Hindernisse hinweggefegt. Du sollst sicher wandeln in deinem Traum, nichts soll dich quälen. 

Das wünsche ich mir, das wünsche ich mir für dich.

24/01/2015

like a cat beds into a bean bag

wie kann man
wie kann irgendjemand
jemals
sicher sein, das Richtige zu tun?

ist das
ein Gefühl? folgt das
bestimmten Regeln? und

in all dem
ständigen Wechsel,
den Launen, Gedankenräuschen;

bei all den Perspektiven, die möglich sind,
nötig, vielleicht,

bei allem, 
was sich aufdrängt und
entzieht zugleich, wie ist da

Richtigkeit
überhaupt definiert?
Bleibt da

nicht immer ein
Fragezeichen