11/13/2009

nothing left to fear

Ihr Mund auf meinem, warm und weich und so vertraut.
Ihr Atem, während sie schlief
oder vorgab zu schlafen
oder wegdämmerte.
Ihre spaltbreit geöffneten Augen, nur kurz,
und ja, ich betrachte dich, ist das verboten?

Ich betrachtete sie und wagte nicht, die Hand an ihre Wange zu legen. Strich vorsichtig über ihren Arm, ihren Rücken, sie murmelte irgendetwas, ich stockte. Betrachtete sie nur, und sehnte mich, und war froh. Und sie schlang einen Arm um mich, unsere Finger ineinander verschränkt, ich die pure Seligkeit. So nah bei jemandem zu sein, und derjenige sucht deine Nähe, lässt dich spüren, dass er dich mag, dass er es mag dich zu berühren; ich glaube, das ist ...

Zu viel Zeit verstrich, zu viele Gedanken, ich will geküsst werden; und sie lachte amüsiert und begann, meinen Hals zu küssen.

Meinen Hals.

11/09/2009

how long must I hold my breath

Und es war so, so herrlich, ich will das wieder.

blicke, quer durch den raum geschossen
verhakt, verknotet, durchtrennt.

leiser schauder, sie beisst sich auf die unterlippe,
schaut mich an schaut mich an

schaut weg.

11/06/2009

not so far from maybe

Ist Glück vielleicht, dass so viel mehr passiert
Als du dir erhofft hast?
Ist Glück vielleicht einfach - das Offensein für Wunder?
Sie nicht erwarten, sie nicht sehen, während sie sich anschleichen
Aber dann, wenn sie dir plötzlich ins Gesicht springen wollen
Freudig die Arme ausbreiten
Anstatt auszuweichen.

Bei einem dieser Lieder, die jeder kennt weil sie im vergangenen Sommer einfach viel zu oft im Radio gespielt wurden, zog ich Kerstin und sie hinter mir her, auf die Tanzfläche. Nach und nach folgten immer mehr Leute unserem Beispiel, aber es war nicht so, dass man keinen Platz mehr gehabt hätte. Es war genau richtig. Mittendrin und trotzdem jeder für sich, und das Licht malte farbige Schnörkel auf die tanzende Menge. Weißt du, und dann ist da dieses Mädchen, die du schon öfter hier gesehen hast, die dich aber bisher immer ignoriert hat, und jetzt kommt sie mit ihrem Freund im Schlepptau und sie tanzen bei euch mit, und ihre Augen blitzen verdammt noch mal zu dir herüber.

Und der Blonde tanzte mit ihr, fasste sie an, aber sie lachte mir zu. Das bedeutet nichts, lachte ihr Blick, und ich glaubte ihr. Glaubte ihr einfach, was blieb mir anderes übrig, und ich hätte es ja doch nicht ändern können. Und immer wieder machte sie sich von ihm los und tanzte mit mir, umtanzte mich, kam mir nah. Das merken die doch, das merkt doch jeder! schwirrte es durch meinen Kopf als wir wieder einmal eng voreinander tanzten, mit ineinander verschlungenen Blicken und so nah, ihr Mund so nah vor meinem - Der Versuchung mit einem amüsierten Lächeln widerstehen, das ist die Kunst.

Und die Versuchung wird immer größer. Ihre Anziehungskraft.

10/31/2009

jusqu'à étouffer de toi

Liebe? Was ist das?
Ich kenne die Antwort nicht.

Alles, was ich weiß, ist, dass ich gern in ihrer Nähe bin. Ich habe sie gern um mich; sie muss nicht viel lachen oder tun oder besonders spannende Dinge erzählen, sie muss nur da sein. Dann werde ich ruhig und warm.

Und dann will ich, dass sie bleibt, und überlege, überlege angestrengt, worüber wir reden könnten, und mir fällt nichts ein. Nichts Großes, nichts, was meiner Zuneigung Ausdruck verleihen könnte, und natürlich geht sie dann, nach einer gewissen Zeit.

Ich weiß, dass es mir gut tut, sie zu berühren, und wenn nur unsere Ellenbogen aneinander geraten oder ihr Fuß sacht mein Bein streift. Und ich weiß, dass ich ein eifersüchtiges Stechen im Bauch spüre, wenn sie mit jemandem spricht und ihre Augen blitzen lässt.

Ist Liebe denn mehr, und weshalb?

10/26/2009

too good to forget

ein blick
ein laecheln
koerperkontakt
ungewohnt nahe
herz geraet aus dem takt

Ich bin in eine Geschichte vertieft; das Kinn auf die Tischplatte gestützt, das kleine Büchlein vor mir, S. neben mir, immer mehr verschwimmend. Plötzlich greift ein Paar Hände nach meinem Buch, eine Stimme fragt „Was liest du denn da?“ und ich tauche auf, abrupt, finde mich einen Moment lang nicht zurecht, dann ihre Augen. Ihr Gesicht ganz nah vor meinem, warmer Blick, mein Herz pocht, wie um aufzuholen.

Wie sie lächelt! Selbst überrascht, wie ruhig / nüchtern / selbstsicher meine Stimme klingt; erst als sie weiterläuft, nicht mehr zu sehen ist, überschlägt sie sich vor Freude, und S. sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.

Ist was? Nein, nein! Nein.

10/24/2009

yet feel the air beneath my feet

"Die mit dem Hut, die hat ein abartig hübsches Gesicht,
findest du nicht?" (So, oder so ähnlich.)
Ich schaute hin, als hätte ich sie den ganzen Abend
noch nicht genug betrachtet, und nickte unschlüssig, ja.
Feine Gesichtszüge, hohe Wangenknochen, der schwarze Hut.
Ja, aber das ist es nicht.

Als wir die Treppen hinabstiegen, drangen Klavierklänge an mein Ohr; nur vereinzelt, und es war recht still sonst, war denn noch niemand da? Tatsächlich war der Raum kaum gefüllt, die Band noch längst nicht bereit; ich sah sie an der Bar lehnen, sie trug einen stilvollen, schwarzen Hut. Oh how that suits her. Sie sah mich / sah mich nicht, lächelte? Ich lächelte mit flatterndem Blick in ihre Richtung. Natürlich, was hatte ich erwartet, wie sollte sie sich auch an jedes Gesicht erinnern, in dessen Hand sie einen Flyer gedrückt hatte? Wir vertrieben uns die Zeit mit Worten, und je weiter der Abend fortschritt, desto mehr breitete sich das Gefühl der Behaglichkeit in mir aus; zusammengerollte Katze vor wärmendem Ofen. Kurz davor, zu schnurren. Irgendwann fing einer an, zu singen; bald saß die ganze Band auf der Bühne, und wenn ich den Kopf ein wenig hob, konnte ich ihr Gesicht sehen.

Und sie begann, zu singen.

Es war nicht ihre Stimme, die mich erst aufhorchen und dann wie gebannt lauschen ließ. Es waren die Worte, der Text; ich lauschte einer Beschreibung meiner Gefühle, eines Ausdrucks, den zu erschaffen ich nie vermocht hätte. Es stimmte, es stimmte einfach alles; "all I want is to be near you", ich lachte leise, überrascht auf. Schmerzlich berührt, vielleicht. "I try, I try, I try", immer wieder, und dann: "Why don’t you let me be fucking close to you?" Oh, ja.

Ich war mir ihrer Schönheit nicht bewusst und bin es mir auch jetzt noch nicht. Und, ist es wirklich Schönheit? Feine Gesichtszüge, hohe Wangenknochen, der schwarze Hut. Ich bin mir sicher, das ist es nicht. Vielleicht nimmt man es als Schönheit wahr, vielleicht tun das alle, aber es ist ihre Ausstrahlung; ihr wehmütig / hingebungsvoll / sanfter Gesichtsausdruck beim Singen, ihre immer samtiger werdende Stimme, die erkennen lässt, wie wohl sie sich fühlt bei dem, was sie da tut, wie sie es tut. Es ist ihr strahlendes Lachen, das mitunter aufblitzt; und das Lächeln, mit dem sie sich und ihre Bandkollegen verbindet.

Nach dem letzten Song bekommt jedes Bandmitglied seine Ration Applaus. Als ihr Name genannt wird, klatschen die Leute am lautesten; pfeifen begeistert. Später sehe ich ein Mädchen auf ihrem Schoß sitzen und frage mich, was an diesem so besonders ist; ausgerechnet an diesem.

10/21/2009

eye to eye, thigh to thigh

da steht sie und
lacht
in meine richtung.

Sie setzt sich neben mich, berührt mich wie beiläufig, und ich weiß, das ist es nicht, ist es ganz und gar nicht; sie will mich brennen sehen, und sie brennt selbst. Die Hitze ist unerträglich, meine Wangen glühen. Ich muss warten, werde gezwungen, abzuwarten, und dann sind wir plötzlich für einen Augenblick allein, und ich überlege nicht, keine Zeit, ich will sie und ich küsse sie und sie küsst mich atemlos. Dann wieder in die Küche, spüre sie noch auf meinen Lippen, bestimmt sieht man es mir an, bestimmt! aber niemand sagt etwas und ich werde selbstsicherer, bewege mich wieder frei und schenke ihr nach.

Und sie streichelt meine Hand, mit der leichten Bewegung ihres Fingers, und alles, was ich will, ist hier zu sein. Bei ihr, von ihr berührt, sie berührend. Das gibt mir so viel, diese leise Berührung, die niemand sieht, von der niemand weiß, aber unsere Hände unter dem Tisch ineinander verschlungen. Dann sagt T. etwas, das mich zusammenfahren, das mich zusammenkrümmen lässt, und ich begreife es nicht, aber ihre Hand streichelt, für alle sichtbar, über meinen Rücken, beruhigend, tröstend, und ich schmiege mein Gesicht an sie und es ist mir egal, was alle denken. Sie sehen nur die Zuneigung, nicht das Feuer. Sie müssten aber vollkommen blind sein, um die Blicke nicht zu bemerken, die wir austauschen; Blicke voll Wärme.

Sind sie blind? Es scheint so. Es ist besser so.