20/03/2009

knocking down the doors

Ich bin ein Mensch, der die ungenutzten Möglichkeiten liebt.

Er sieht sie gern ausgebreitet vor sich liegen, hin und wieder streicht er sogar sacht mit der Fingerspitze über eine von ihnen; eine, die besonders verlockend scheint. Hingebungsvoll liegen sie da, nur ein Zucken trennt ihn von ihrer Verwirklichung; doch er betrachtet sie so gern, betrachtet ihren durchsichtig schimmernden Schein, ihre unschuldige Reinheit. Er kann sie nicht an sich reißen, kann sie nicht gegen die Wand werfen; er will nicht, dass sie zerbrechen, sieht nicht die Möglichkeit des Abprallens. Wie kann ich diese zarte Schönheit zerstören, fragt er sich, und hält den Atem an, wenn eine von ihnen ins Zittern gerät.
Sie erstarren, sobald sie verstrichen sind; und nur noch ein trüber Glanz erzählt flüsternd von ihrer einstigen Pracht. Doch er erinnert sich, lässt mit wehmütigem Lächeln den Blick über die aufgereihten, gefrorenen Möglichkeiten wandern. Einst hätte er sie mit Leben füllen, hätte er ihnen Farbe einhauchen können. Sie hätten ihre Form geändert, wären ihm aus den Händen geglitten und zu etwas emporgewachsen, das er sich nie erträumte; doch davor fürchtet er sich. Er fürchtet sich so sehr, sie zu verlieren, die Möglichkeiten; all diese Vielleichts und Vielleichtjadochs. Sie sind wie Samen in seiner Hand; Samen, die er niemals ausstreut, sie stattdessen fasziniert betrachtet. (Er sieht, dass wundervolle Blumen aus ihnen erblühen können, und er weiß, dass diese Hoffnung ebenso gut enttäuscht werden kann. Also die Samen, sind sie nicht schön genug? Er begnügt sich mit ihnen. Er muss.)

Man stelle sich dieses Bild vor, und stecke den Kopf unter die Bettdecke. Da sind sie, und ich greife nach ihnen; ich werde Hunderte von ihnen in die Erde stecken, ganz gleich, was daraus wächst. Es wird doch eine Blume darunter sein.

2 comments:

  1. Da kann man ja nur hoffen, dass nicht versehentlich neben dem jung-knospenden Apfelbaum Efeu aus der frisch besäten Erde sprießt.

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  2. vielleicht brauchen sie nur mal jemanden der ihnen wahlweise mit der fingerspitze einen schubs gibt, oder ihnen in den allerallerallerwertesten tritt. :) BEVOR die gelegenheiten vorbeihuschen...

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