19/10/2009

written all over my face

sehnsucht ist hunger
ist verlangen und zehren
nach waerme.

Ich fühle mich ein wenig unwohl als ich in meinem Mantel, der mir zu groß ist, mit den lose zusammen gebundenen Haaren und alles andere als in Partystimmung den Raum betrete. Doch L. lacht mir zu, und das Eis ist gebrochen, wird zur Beilage unserer Drinks, die wir kippen während wir immer lauter werden, lauter und lustiger und meine Verkrampfung löst sich nach und nach, ich löse meine Haare, die anderen stecken sie sich hoch. Besprühen sich mit Haarspray, ich schaue nur lachend zu; das Zimmer ist verqualmt, die Mädchen bemalen ihre Gesichter, ich frage mich, wofür? Ich bemale mich nicht, der Spiegel geht an mir vorbei, und niemanden stört es, es ist gut so, ich bleibe so, ich will so sein.

Auf dem Marktplatz stehen die Leute eng aneinander, jemand küsst, ein roter Mantel umarmt mich, ich stolpere über Kopfsteinpflaster und stelle fest, dass die Angst vor dem Verlorengehen verloren gegangen ist. Ich habe viel getrunken, viel geraucht, ich kann nicht klar denken, ich genieße es. Neue Gesichter, neue Bekanntschaften, ah, hallo, dich hab ich doch eben schon mal gesehen? Lachen. Einer sucht seinen Mitbewohner, der hat den Schlüssel, sonst komm ich nich’ rein! und dann findet er ihn und verliert ihn wieder, und es macht nichts, irgendwo kann man immer pennen. L. küsst mich, ich erwidere den Kuss, ja, nur oberflächlich, nur aus Spaß, aber ich brenne ein wenig. Ein kleines Bisschen. Und später reißt die raue, tiefe Stimme eines dunkelhäutigen Mädchens mich von ihr weg; sie packt mich am Arm und erklärt mir mit harten Worten die Welt. Ich muss lächeln, sie kommt mir bekannt vor, sie drückt mir einen Flyer in die Hand und sagt "von meiner Band". Am Freitag, ich sage spontan zu, sie interessiert mich.

Sie ist lesbisch, irgendjemand spricht es aus, das Wort, vielleicht ist sie es selbst, und ich nehme es ohne Scheu in den Mund. "Bist du nicht", lacht einer, und ich funkle ihn an, woher er das wissen will? Er schaut bloß komisch, mustert mich, schüttelt den Kopf. "Höchstens bi, vielleicht.", sagt er, und ich lege den Kopf schief, nicke dann, darauf können wir uns einigen. (Oh Gott, habe ich das wirklich gesagt?) Er lacht, ich muss mitlachen.

2 comments:

  1. Oh wie geil, du stopfst mich da einfach mit in das Geschehen, ohne dass ich damit gerechnet habe.
    Super gut geschrieben und der Abend fühlt sich auch gut an, wenn man mit dabei ist.

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  2. bin gespannt auf freitag, bitte schreib dann!

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