22/03/2010

maybe three seconds is enough

Ich hatte gedacht, ich könne mitspielen.

Aber mir war gar keine Rolle zugedacht, in ihrem Spiel,
verstehst du, ich war nur ein Spielzeug,
und zwar eins von vielen.

Und es ist unangenehm, wenn Spielzeuge Gefühle entwickeln,
wenn sie sich an dir festzuklammern versuchen;
schüttle sie ab, und schüttle sie schnell ab.

Spielzeuge, die zu schluchzen anfangen,
will doch niemand.


Auf der Tanzfläche suchte ich nach ihr, erst zögerlich und mit einem gewissen Schamgefühl, das ich nicht zuzuordnen wusste, dann mit wachsender Verzweiflung. Wo war sie nur, ich würde so gern mit ihr tanzen, wüsste sie so gern in meiner Nähe. Dann, da war sie, zu ihr hindurchgetanzt, durch die Menge, und schon war sie erneut verschwunden. Wieder. Wieder. Bis ich mir sicher war, dass sie mir aus dem Weg ging; dass sie mich zu meiden versuchte, und -

Dann sah ich sie mit diesem Kerl da stehen, der mich vorhin anzubaggern versucht hatte, und ich hatte ihn abblitzen lassen, ich war nicht in der Stimmung, ich konnte nicht mehr, ich war müde, ich war traurig.

Mit dem lachte sie jetzt und ich sah ihr dabei zu. Setzte mich in meinem Kleid auf die kalten Fliesen und sah ihnen dabei zu, wie sie sich über Belangloses unterhielten, nur um sich die Zeit zu vertreiben, die es eben dauert, bis man zum nächsten Level übergehen kann. Auf einer Party dauert das nicht lange. Auf einem Ball erst recht nicht. Ich saß da und wartete darauf, dass jemand käme und mich von hier wegholen würde. Vielleicht darauf, dass sie mich bemerkte und ihm den Rücken kehrte, mich vom Boden aufhob und mit Küssen bedeckte.

Und natürlich kam niemand, die beiden verließen den Tisch, ich schritt im Zeitlupentempo darauf zu und zerfetzte Rosenblätter mit meinen Fingern. Rosenblätter, die wie zum Spott auf den Tischen ausgestreut waren. Eine Tasche lag da noch, eine kleine schwarze, ob das ihre war? Hatte sie die hier vergessen? Und da kam sie schon, eilig angelaufen, die Tasche nehmen und tanzen gehen, das war der Plan, aber da stand ich, verstört, verstörend, und sie fragte, hey, alles in Ordnung? Und ich starrte vor mich hin und schüttelte den Kopf.

Schüttelte leise den Kopf, und sie fragte, ob ich darüber reden wolle, und ich wusste es nicht, ob das etwas bringen würde, aber ich wollte mit ihr reden, ja, mit ihr schon, also ja. Also um die Ecke auf den Boden gesetzt und ich fing an mit meinen Vorwürfen, mit meinen Erklärungen, und sie sagte, es tue ihr leid. Das habe nicht so wirken sollen, so sei es nicht gemeint gewesen; den Fehler mache sie immer.

Und in mir zerbrach irgendetwas. Immer, hallte es in meinem Kopf nach, und das schmerzte so unbeschreiblich, dieses Wort, und ich konnte nicht mehr, wollte nicht mehr, der Schmerz warf mich nieder. Geh' jetzt bitte, brachte ich noch heraus, Du machst es nur noch schlimmer. Und sie schaute ein wenig erschrocken, ein wenig verständnislos, und so unglaublich kalt, dass ich sie angefahren hätte, wäre sie nicht aufgestanden. Aber sie stand auf, sie fragte noch, Sicher? und schaute so weißnichtwie, dann ging sie.

Nach ein paar Sekunden schaute ich um die Ecke, wollte mich vergewissern, dass sie weg sei; so sehr wünschte ich, sie sei es nicht, und käme zurück um mich in die Arme zu schließen, und tatsächlich hatte sie kehrt gemacht und sah mich an. Und lief dann endgültig zur Tanzfläche.

Ich weiß nicht, welchen Ausdruck ich in meinem Gesicht kleben hatte. Ich weiß nur noch, wie sich dieser unglaubliche Schmerz angefühlt hat, und das weiß ich auch nur, weil er, wenn auch längst nicht so heftig, immer noch da ist. Ich muss bemitleidenswert ausgesehen haben, aber das hatte sie nicht, Mitleid, oder doch, und selbst wenn, ich war eine von vielen.

Nur eine von vielen, heulte ich später in L.s Armen, da wurde es mir erst bewusst, ich war wie aufgespießt und umhergeschwenkt, eine Trophäe, eine Beute, und diese Gefühle, die ich mir in meiner Welt zusammengesponnen hatte, hatten niemals existiert.

5 comments:

  1. '...und diese Gefühle, die ich mir in meiner Welt zusammengesponnen hatte, hatten niemals existiert.'

    Das ist so so hart, und tut so sehr weh..

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  2. oh, nein. das tut mir so leid…

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  3. was ist das nur mit solchen Menschen, die uns sammeln um sich selbst zu berauschen und dann, wenn die Nacht vorbei ist, wieder vergessen, einfach vergessen, als sei man eine Nase Koks gewesen, gut für den Moment, aber vergänglich und nichts mehr wert.

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