written all over my face

sehnsucht ist hunger
ist verlangen und zehren
nach waerme.

Ich fühle mich ein wenig unwohl als ich in meinem Mantel, der mir zu groß ist, mit den lose zusammen gebundenen Haaren und alles andere als in Partystimmung den Raum betrete. Doch L. lacht mir zu, und das Eis ist gebrochen, wird zur Beilage unserer Drinks, die wir kippen während wir immer lauter werden, lauter und lustiger und meine Verkrampfung löst sich nach und nach, ich löse meine Haare, die anderen stecken sie sich hoch. Besprühen sich mit Haarspray, ich schaue nur lachend zu; das Zimmer ist verqualmt, die Mädchen bemalen ihre Gesichter, ich frage mich, wofür? Ich bemale mich nicht, der Spiegel geht an mir vorbei, und niemanden stört es, es ist gut so, ich bleibe so, ich will so sein.

Auf dem Marktplatz stehen die Leute eng aneinander, jemand küsst, ein roter Mantel umarmt mich, ich stolpere über Kopfsteinpflaster und stelle fest, dass die Angst vor dem Verlorengehen verloren gegangen ist. Ich habe viel getrunken, viel geraucht, ich kann nicht klar denken, ich genieße es. Neue Gesichter, neue Bekanntschaften, ah, hallo, dich hab ich doch eben schon mal gesehen? Lachen. Einer sucht seinen Mitbewohner, der hat den Schlüssel, sonst komm ich nich’ rein! und dann findet er ihn und verliert ihn wieder, und es macht nichts, irgendwo kann man immer pennen. L. küsst mich, ich erwidere den Kuss, ja, nur oberflächlich, nur aus Spaß, aber ich brenne ein wenig. Ein kleines Bisschen. Und später reißt die raue, tiefe Stimme eines dunkelhäutigen Mädchens mich von ihr weg; sie packt mich am Arm und erklärt mir mit harten Worten die Welt. Ich muss lächeln, sie kommt mir bekannt vor, sie drückt mir einen Flyer in die Hand und sagt "von meiner Band". Am Freitag, ich sage spontan zu, sie interessiert mich.

Sie ist lesbisch, irgendjemand spricht es aus, das Wort, vielleicht ist sie es selbst, und ich nehme es ohne Scheu in den Mund. "Bist du nicht", lacht einer, und ich funkle ihn an, woher er das wissen will? Er schaut bloß komisch, mustert mich, schüttelt den Kopf. "Höchstens bi, vielleicht.", sagt er, und ich lege den Kopf schief, nicke dann, darauf können wir uns einigen. (Oh Gott, habe ich das wirklich gesagt?) Er lacht, ich muss mitlachen.

take me to the magic of the moment




well
I guess,
autumn really is

 c     T
 o     H
 m     E
 i     R
 n     E






Und jetzt frage ich mich, wie es weitergeht. Natürlich doch. Natürlich bin ich jetzt süchtig nach dem Gefühl. Weil das so richtig und gut war. Und natürlich meldet sie sich nicht, und ich harre aus, kühle meine Wangen und bin hin und her gerissen zwischen Weltuntergang und siebtem Himmel.

Mindestens.

a window breaks, down a long, dark street

Ich will keine Metaphern dafür finden, keine Vergleiche.
Ich will das einfach beschreiben; den Moment.

Wir waren durch die menschenleere Stadt gelaufen, Richtung Markplatz, von den Laternen in gespenstisches, kühles Licht getaucht. Irgendwann schob ich mein Fahrrad neben ihr her, auf dem Rückweg, "Soll ich dich noch zum Auto begleiten?" Ja. Betrunkene grölten hinter uns her, sie drehte sich um und verteilte ein paar verbale Ohrfeigen, ich lachte nur. Und verfluchte innerlich die Tatsache, dass meine Berauschtheit von den paar Bier längst wieder abgeklungen war; dass sie mit dem Auto gekommen war und deshalb ebenfalls nüchtern. Denn sonst, sonst – Wo den Mut her nehmen?

Dann, sie an der Autotür, sie öffnet sie noch nicht, sieht mich an, ich stelle mein Rad ab. Umarmung, geflüstertes "Tschüß", und etwas in mir kochte hoch, kochte über, vielleicht Verzweiflung, vielleicht Verlangen; ich hielt sie umschlungen, hielt sie fest.
Aber du kannst jetzt nicht gehen!

Unbewusst hatte ich mich zwischen sie und das Auto gestellt, stand also mit dem Rücken daran gelehnt, und sie dicht vor mir, so nah. Keine Farben, nur ihre Jacke, dunkelblau; ich strich vorsichtig mit der Hand über den Stoff, wir lachten beide, unsere Blicke ineinander verhakt, immer ernster werdend. Je mehr das Lächeln von ihren Lippen, aus ihren Augen wich, desto intensiver wurde der Blickkontakt, ich spürte die Spannung, schmeckte sie. Wie viele Zentimeter waren das noch zwischen uns, ich weiß es nicht, spürte nur, wie es mich zu ihr hinzog, und konnte dieselben Gefühle in ihrem Gesicht lesen. Sie rang mit sich, biss sich auf die Unterlippe, näherte sich mir und schreckte wieder zurück, atmete ich noch? Eine schiere Ewigkeit standen wir so da, kurz davor und doch nicht bereit, bis es fast körperlich schmerzte, bis ich glaubte, im nächsten Moment zu zerspringen.

Und dann zeriss die Spannung, ohne sagen zu können, wer sich auf wen zu bewegt hatte; ihr Mund auf meinem, weiche Lippen, vorsichtig liebkosend, dann verlangend, ich spürte ihren Körper beben und wie sie mir nachgab und doch nicht. Ich öffnete die Augen und habe ihr Gesicht noch nie so weich gesehen. Ich verliebte mich in das Geräusch, das entstand, wenn sich unsere Lippen voneinander lösten. Eine Katze maunzte, wir lächelten leise, Gott, es fühlte sich so richtig an, so richtig und gut. Ihre Hand an meiner Wange während sie mich küsste, und dann der Abschied, und ich winkte noch.

taffy stuck and tongue tied

Aufgewacht und überlegt, Traum und Wirklichkeit sortiert,
dann, triumphierend – Nein, das war nicht geträumt.
Das war Theater.

Ein Mädchen mit kurzen roten Haaren hält das Mikrophon in der Hand, mein Blick bleibt an ihr hängen, an dem leuchtenden Rot ihrer Haare, ihrer ungestümen Art; sie boxt den Gitarristen in die Seite, lacht. Sie singt die ersten Zeilen, und ich mag ihre Stimme sofort; kraftvoll und ungewöhnlich dunkel, ungewöhnlich intensiv. Ich frage mich, ob sie tatsächlich zu mir hersieht oder nur den Blick ins Nichts richtet, dann ist es mir gleichgültig, ich beobachte sie weiter. Sie lacht unbehaglich als einer der Darsteller einen Monolog über Masturbation hält, das verwundert und amüsiert mich; allgemein verfolgt sie das Geschehen mit kindlicher Ernsthaftigkeit, sie mag diese Leute, mag die Atmosphäre.

Als der Applaus uns überschüttet, nicht enden will, spielt die Band erneut auf. Anfangs verschämt, dann immer ausgelassener tanze ich mit den anderen zur Musik, das Publikum klatscht noch immer, klatscht im Rhythmus, und mit einem Mal stehen die Leute von ihren Plätzen auf und tanzen mit uns, und wir sind eine große Masse aus Händen und Füßen und sich wiegenden Körpern.

Sie lacht mir zu, ich lache zurück, kann ohnehin nichts anderes tun als zu strahlen; was für ein Gefühl ist das, was für ein großes Gefühl! Um mich nur Fremde, die mir zulachen, die tanzen und schwitzen, und dann tippt mir jemand auf die Schulter, B. ist es, ich hatte sie schon aus den Augen verloren. Sie zeigt auf das Podest in der Mitte des Saales, fragend, ich überlege, überlege nicht lange, nicke. Und wir tanzen erhöht, tanzen im Mittelpunkt, ich ziehe L. zu uns hinauf und weiß, dass ich das nie vergessen werde.

just like a puppet on a string

einfach
              nicht
fallen

zwar
       s t
           o  l  p
                    e
                       r
                        n

aber nicht zu heftig, nicht zu sehr, nur ein wenig und dann

sich wieder fassen, wieder aufrichten, nicht hetzen

ruhig kopf + fuss heben, nicht laenger fallend schweben sondern

den schmerz verweben zu einem netz das auffaengt
« elastische vorsichtigkeit »

und warum auch immer, aber nach jedem stolpern haeltst du kurz inne und betrachtest ein wenig versonnen die traenen, die deine wangen befeuchten und trocknen und nichts bleibt.

disconnect my heart, my head

Die Kleidung klebt am Körper; du schnappst nach Luft,
es ist keine da. Brodelnde, überschwappende Tanzfläche;
du lässt dich nach oben treiben, jemand hält sich dicht hinter dir,
'wieso folgt sie mir?' / Freude Freude Freude
wie eine geöffnete Sprudelflasche,
schnell wieder zugeschraubt.

Dann atmest du abendliche Kühle. 'Wollen wir ein bisschen laufen?', Köpfe in Nacken gelegt und den Himmel nach Bildern abgesucht, nur gesprenkelte Unendlichkeit gefunden; gelacht, schwungvoll Arme um Hüfte an Haut, wir stehen viel zu nah beieinander, viel zu nah.

Und du siehst ihr ins Gesicht und fragst sie, was sie denn vorhin erzählen wollte. (Sie hatte angesetzt, dann verlegen gelacht, dann doch nichts gesagt.) Und sie will nicht, will es dir nicht sagen, aber du drängst sie und bist dir so sicher. So sicher, dass es etwas Schönes sein wird; du kannst nicht genau definieren, worauf du hoffst, aber da ist irgendwas, und dann lässt sie sich nicht länger bitten und spricht es aus.

Ein Name ist es, "Ich steh' einfach auf ihn", sagt sie, und sie sieht dich an und [du fühlst deine Miene erstarren] hält deinen ungläubigen, verletzten Gesichtsausdruck für unverhüllte Überraschung. Du willst sie anschreien, löst stattdessen langsam deine Hände von ihren, die du aufgeregt + wärmesuchend umfasst gehalten hast. Tonlos fragst du sie nach dem Warum, und sie scheint noch immer nichts zu merken, plappert munter drauflos, froh, jemandem das Herz ausschütten zu können. Die Worte rauschen vorbei an dir, du nickst bloß und beschleunigst deinen Schritt. Das kann nicht sein, kann nicht sein!, dröhnt es in dir, und die Welt ist ein Friedhof (erdolchte Hoffnungen), eine Folterkammer, ein höhnisches Grinsen.

Weg, bloß weg von ihr, und gleichzeitig sie an sich ziehen wollen
und –

burning bridges, shore to shore

Wie leer doch Worte oftmals sind.
Ich greife nach ihnen
Und finde nichts, finde weder Halt
Noch Trost
Oder beides zugleich, aber in
Geringem Maße.

ich atme nicht, ich schaue nur –
meine augen verkleben mit jeder sekunde ein bisschen mehr.
meine sehnsucht wird mit jeder sekunde ein bisschen groesser.
sehnsucht nach dir.

nach dir und deiner warmen haut und dem blick, mit dem du mich manchmal ansiehst, und dann hab ich das gefuehl, es sei alles gut...

es wird alles gut

definiere GUT, gut im sinne von herrlich oder annehmbar, und
nach welchen maßstaeben?
im sinne von glueckseligkeit erfahren, und wodurch ausgeloest,
durch illusion, gilt das auch?

und wenn nicht, zeig mir den weg zur illusionslosigkeit,
zeig mir, mich loszuloesen
nicht aufzugeben aber gleich/sam + gueltig abwartend, zu schauen,
zu atmen.