Für zwei Sekunden sind wir allein, allein in einem riesigen Doppelbett, uralte Konstruktion, eine Art Baldachin über unseren Köpfen, wie deplazierte Vorhänge, unsere Beine verschlungen, unsere Finger. Dann reißt wieder einer die Tür auf, starrt uns mit benebeltem Blick entgegen; Raus! lachen wir und halten einander fest. Raus, denke ich, aber er klettert zu uns ins Bett, legt sich neben N. und sagt, wir sollen uns nicht stören lassen. Ich will ihn schlagen. Stattdessen küsse ich N.
21.02
Sie kommt vielleicht nicht, höre ich jemanden sagen, doch, sagt jemand anderes, ich lausche stumm und nippe am Wein. Ich denke gar nichts. Ich denke, vielleicht sollte ich hier nicht sein, vielleicht sollte ich das nicht denken, denke also nichts. Denke gar nichts.
21.34
Sie kommt ein wenig später, wirft ein Hallo in die Runde, setzt sich neben mich, schenkt mir kaum Beachtung, schenkt sich gleich ein. Willst du auch ein Glas? Ich nicke. Wir reden ein bisschen, übers Tanzen und die Leute und ich frage, ob sie sich betrinkt und denke Gut als sie ja sagt.
23.10
Unsere Beine berühren sich zufällig, ich ziehe meins zurück, Willst du mich anmachen?, zwinkert sie, und ich lache, lache leicht panisch. Die Situation ist absurd. Niemand hat ihr erzählt, dass ich auf Frauen stehe, aber alle wissen es, sie wissen es und schauen zu, wie wir lachen und scherzen, und wie sie kein Misstrauen schöpft. Ein paar Mal setze ich an, als sie mich nach meiner Vergangenheit fragt, nach Leben und Liebe, ich setze an ihr zu erzählen von E. und von meiner Neigung, aber dann hakt sie sich bei mir ein und lehnt vertrauensvoll ihren Kopf an meinen, und die Worte bleiben mir im Hals stecken. Ich will sie nicht zurückzucken sehen.
00.17
Die Welt dreht sich, dann rückt wieder alles an seinen Platz. Frische Luft, Luft; erst am Fenster, ich lehne da und sie stellt sich zu mir, und dann raus, auf die nasse Straße, meine Füße werden kalt aber ich friere nicht. Wir landen auf irgendeiner Wiese, ganz nass ist die, aber wir lassen uns fallen und lachen und sind verknäult, und es tut gut, ihr so nah zu sein, tut so gut, und ich weiß, ich werde ihr nichts erzählen von all dem.
01.01
Wo seid ihr gewesen? Was habt ihr gemacht? Wir lachen bloß. Der eine stiert uns schamlos an. Sie wischt die Neugierde mit einer Handbewegung fort, schmiegt sich an mich und drückt aufreizend einen Kuss auf meine Wange, lässt ihre Augen blitzen. Sie macht sich lustig über die Kerle, ich lache mit ihr, so nah, so nah. Wir tanzen ein bisschen. Dann stehen wir abseits, zwei Kerle lassen nicht locker, Was war denn nun!, sie küsst mich wieder, scherzhaft, der Kuss verrutscht. Ich lasse den Kuss verrutschen, erwidere ihn sanft. Sie löst ihre Lippen von meinen, und die Vertrautheit weicht kriechender Angst in mir, aber sie steht nur so da, atmet ganz ruhig und langsam, und küsst mich wieder.
01.20
Mitten zwischen all den Leuten stehen wir, und versinken ineinander. Eine Frau fragt, ob sie ein Photo von uns machen kann; dann wieder ihre Lippen, ihre Zunge, ihre Hände an meinen Hüften. Meine Hände an ihren Wangen. Um uns herum existiert nichts mehr.
04.27
Das Doppelbett ist zu klein für fünf Leute, aber das ist uns egal. Der gutaussehende Japaner liegt neben mir, kuschelt sich ein, kuschelt sich an mich, und ich spüre den anderen Kerl nach N. greifen. Ich fahre hoch. Er lacht und sagt, was hast du denn, bist du eifersüchtig? Sie flüstert, nicht wegdrehen und umschlingt mich. Eine Träne fällt aufs Kopfkissen, dann noch eine, dann balle ich die Fäuste und sehe ein, dass ich sie nicht hassen kann. Ich versuche, einzuschlafen; mein Rücken schmerzt, ich liege verdreht, ihr Kopf in der Kuhle zwischen Schulter und Hals und ich will sie nicht wecken. Aber sie ist wach. Ihre Finger streicheln meine. Ein Wimpernschlag kitzelt meine Wange, ich zucke zusammen und höre sie lächeln. Ich denke, wenn sie das nächste Mal blinzelt, drehe ich mich um und küsse sie.
04.54
Die Musik wird leiser. Ich schlafe ein.
running wild among all the stars above
out of place and underdressed
Und auf einmal spüre ich, wie es weich wird in mir, weich und zärtlich. Ein Augenpaar, das mir zwischen all den leeren Blicke entgegenleuchtet, hat mich aufgetaut. Einfach so. Irgendwas in mir, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es verhärtet, dass ich es eingefroren hatte, schmolz nach und nach.
Ich meine - Man kann nicht mit vielen Leuten so tanzen. Es gibt die, die sich kaum vom Platz bewegen, nur im Rhythmus leicht wippen oder immer dieselbe Bewegung wiederholen, immer wieder, bis es lachhaft scheint, aber auf eine trostlose Weise. Ich denke dann, nein, ich glaube zu wissen, dass in diesen Menschen irgendetwas kaputt ist, oder vielleicht hat man ihnen nur nie gezeigt, wie sie es machen können, wie es sein kann.
Es gibt auch die, die ihren Körper elegant bewegen, krampfhaft graziös, aber man spürt die Musik nicht, wenn man ihnen zuschaut; sie sind mit den Gedanken woanders. Sie wollen gut aussehen. Sie sind fixiert darauf.
Und es gibt eben sie. Sie und ich und die Musik, die Musik ist unser Trittbrett, unsere Welle, wir wirbeln in buntem Licht und die Gedanken im Kopf sind endlich, endlich weggefegt. Ich bestehe aus puren Emotionen. Ich bestelle zwei Tequila, die im Hals brennen und alles noch enger wirken lassen, sie fragt mich, ob das mein Freund ist. Wir lachen. Und ich werfe mich wieder der Musik entgegen, ihr und der Musik.
Irgendwann - Ich ziehe sie an mich, schützend, als die Betrunkenen zu schubsen beginnen, und es ist ein kleines Bisschen zu nah, aber sie merkt es nicht. "Because the night belongs to lovers", grölen wir verschwitzt als das Licht bereits angeschaltet wird, und sie greift nach meinen Händen und wir tanzen zusammen. Zuneigung erfüllt mich, ganz gleich, wie viel sie versteht von dem, was hier passiert ist, ganz gleich, was sie fühlt.
Ich fühle das hier, und es fühlt sich gut an. Die Schwermut überfällt mich erst später.
the thin line between belief and delusion
on my habit of crawling myself together like an embryo
to get to sleep.
But I took it seriously.
I thought about it – Could it be that my sleeping habit really stopped me from growing? Perhaps it had a huge effect on my bones or something. Totally made sense. Of course it had!
And I stretched out.
Every night, from that night on, I stretched my full small self and tried to sleep, laying completely straight and uncomfortable. Dozing off, I thought about hanging weights on my feet while holding myself somewhere high, on some monkey bars maybe, so my bones would be forced to grow. But this remained a dream.
I did grow then, slowly and not much, but I did. Maybe I would have grown bigger if I had realized that last idea.
peering through open windows
Ich atme ein, den Geruch von nasser Erde,
das Geräusch des Tröpfelns und Prasselns; alles.
Man muss nur hin und wieder einatmen.
Luft holen. Weiterlaufen.
Leben.
(In dem Wort steckt so viel.)
the thief he kindly spoke
Englisch, ob er mich auf den Mund küssen darf.
Ich schüttle den Kopf und sage, "I'm into women."
Eine Freundin von ihr winkt mir quer durch den lautgefüllten Raum zu. Ich winke ehrlich erfreut zurück, bahne mir einen Weg zu ihr, ahne schon, will aber nicht wissen. Will sie nicht sehen und will gleichzeitig nichts mehr als das. Will gesehen werden, angesehen werden, von ihr, ja, ich lebe noch, hallo. There she is. Sie lächelt flüchtig, sauer-süß, schuldbewusst? Mitleidig? Ich bin lebendig, ich bin mehr als gesund, ich lache und beachte sie nicht weiter. Äußerlich.
Innerlich aufgewühlt, aber nicht so sehr, nicht wie sonst. Das Nahsein und Anschmiegen und die Küsse, das alles ist so weit weg, auf einmal. Nicht weit genug weg, um ihre Anwesenheit auszublenden, aber weiter als sonst. So weit, dass es mich angriffslustig macht; ich will ihr zeigen, dass es mir gut geht, ohne sie, ohne all das, und dass ich begehrt werde, soll sie sehen. Dass ich gewachsen bin, und nicht mehr die Kleine, die sie so verletzt hat. Jemand tanzt mich an, er tanzt gut, es macht Spaß, macht mir wirklich, wirklich Spaß, und mein Lachen verdoppelt sich, weil sie zusieht -
Später tanze ich neben ihr, werde auf sie geschubst, schubse aufdringliche Männerhände von mir. Sehe sie lachen. Denke, dass man vielleicht befreundet sein könnte. Spüre nichts begierig Erhitztes im Bauch, wenn sie tanzt, spüre nur Freude und Verknotetes, und dann wieder das lähmend aushöhlende Nichts, als sie geht. Nach Hause geht sie, ich wünsche beiläufig eine gute Nacht, lehne mich dann in der Toilettenkabine an die Wand und atme den Beat und will verschmelzen und nicht mehr sein müssen. Aber ich existiere weiter. Und ich verschmelze nicht.
Die Zurückgelassene zu sein, dieses Gefühl ist so vertraut, schmerzlich vertraut, und ich weiß, besser wieder Tanzfläche und Bier und Lachen. Dann verschwindet das Gefühl der Unwirklichkeit schneller.
but there's no hiding behind moulting feathers
Und es fühlt sich richtig an.
Wasser spritzt auf kreischende Kinder, Wellen, Wellen durchlaufen mich, meine Hände teilen das Wasser nicht, drängen es nur zur Seite, und der Sonne zuckend gebrochene Strahlen tanzen auf meinen Armen. Algen tanzen leise, anmutig im Dunkel; hin und wieder kitzelt eine an der Fußsohle, da kichert man unwillkürlich. Innerlich.
Ich tauche, tauche auf, jemand streicht mir das Haar aus der Stirn. Augen geöffnet und zusammengekniffen. Nackte Füße auf sengend heißem Sand. Dem Ball hinterher hechten, ich tanze mit dem Ball.
Diese Tage, an denen das Leben tanzt. Hold them close.
