10/07/2011

with a twist of the world

Der kleine Junge mit den großen, klaren Augen weckt eine seltsame Wehmut in mir.

Dunkelblonde Locken ringeln sich über diesen Augen, wirklich klare Augen, habe ich je so klare Augen gesehen?, und darunter die zarte Nase, der kleine Mund. Sein ganzes Gesicht scheint aber nur aus diesen Augen zu bestehen, blaugrau, von langen, dunklen Wimpern umrahmt, und ihr Blick. Dieser Blick ist so rein, so unbefangen, so offen, dass ich ihn ernst erwidere, und dann behutsam zu lächeln beginne.

Er lächelt ein kleines, scheues Lächeln zurück, voller Ernsthaftigkeit, und dann richtet er seine blaugrauen Augen wieder auf seinen Bruder, und tippt ihm auf die Schulter, und knufft ihn, und freut sich.

Ich denke: Wie gern ich ein Teil im Leben dieses Jungen wäre. Wie gern ich der große Bruder wäre, der von ihm berührt wird, der mit ihm lacht und ihm nahe steht. Wie sehr ich die Mutter beneide, die einen zärtlichen Seitenblick auf ihn wirft und ihm mit der Hand übers Haar streicht. Wie es sich wohl anfühlen muss, ein so zartes, ein so kostbares und besonderes Kind zu haben, und ob sie ihm jemals weh getan hat, oder weh tun wird. Ich würde gern erfahren, was er mag. Ich würde gern Zeit mit ihm verbringen; und ich denke daran, dass ich kleine Kinder generell sehr schnell ins Herz schließe, und ob ein einfacherer Beruf nicht viel glücklicher machen würde.

Ich denke: Noch immer vergesse ich zwischen Menschen, die mich nicht kennen, wer ich bin. Wenn sie es nicht wissen, woher soll ich es dann? Definiere ich mich durch meine Beziehungen zu anderen Menschen? Tut das nicht jeder? Und: Bin ich nicht vielleicht jemand vollkommen anderes, wenn ich allein bin, als in Gesellschaft? Das hat nichts mit Verstellung und Theaterspiel zu tun, auch nichts mit Anpassung, vielleicht ist das einfach so. Ich habe andere Gedanken, in Gesellschaft, weniger und weniger düstere, zumeist; und allein, da bin ich sonst wer.

Und natürlich ist das so, aber ich versuche noch immer, diese beiden Personen unter einen Hut zu bekommen, und da sitze ich dann, verkrampft nach beiden suchend, und sehe all die anderen an, die scheinbar einfach nur sie selbst sind und gar keinen Hut brauchen.

Da ist so viel, was ich bin, und so wenig, was nicht, und manchmal kehrt sich das um, dann bin ich restlos verwirrt.

3 comments:

  1. Du beschreibst oft was ich so nicht formulieren kann, aber auch denke. Also im zweiten Teil. Schön, das mal zu lesen.

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  2. Schoen, das mal zu hoeren. :)

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