'cause diamonds, they fade

Ich wollte Klarheit, aber habe ich die? Ich wollte ihr schreiben, im Nachhinein, "Sorry if I scared you tonight" wollte ich schreiben. Sie ist ein Reh, hat M. gesagt, verschreck' sie nicht. Ich glaube, das habe ich längst.


Liebe N.,

es tut mir leid; tut mir leid, dass ich so betrunken war und dich an der Hand genommen habe, und du warst auf der Hut und hast gezögert, wolltest dich eigentlich losmachen, das habe ich an deinem Gesicht gesehen. Aber du bist mitgegangen, in diese Ecke, abgeschirmt von den Menschen, der Musik; und da standen wir dann, und du hast so erschrocken ausgesehen, so überrumpelt. Ein Fragezeichen auf der Flucht. Und deine Hand hast du mir entzogen, und Abstand gehalten, obwohl kaum Platz war; da waren bestimmt fast zwei Armlängen Luft zwischen uns, du warst der Tanzfläche näher als mir. Mit einem Bein auf dem Sprung, und ich schaltete, trotz vernebelter Sicht, schaltete sofort und fragte dich etwas, irgendetwas bezüglich einer Feier, die noch ansteht, und du hast irgendwas geantwortet, es war ja auch nicht wichtig.

Aber ich hätte dich gern an mich gezogen. Und das hast du gesehen, oder gewusst, spätestens jetzt, oder nicht?, und dann sind wir zurück; ich weiß gar nicht mehr, hast du mich stehen gelassen? Und wenn ich da stand, was habe ich gedacht, in dem Moment?

Ich weiß nur noch, dass ich mich wieder in die Menge treiben ließ, und dann war da eine, die gefragt hat, was los ist, und ich hab gesagt, Meine Flamme ist gerade gegangen. Und sie schaut mich so an, ich mag das, wie sie dann guckt, und sagt: Na dann – hinterher!, und es ist, als hätte sie mir ein Startsignal gegeben; ich nicke erleichtert, und laufe los. Sprinte die Stufen hoch und bleibe zwischen Tür und Angel hängen; an den Türstehern will ich nicht vorbei, also stehe ich da und schaue, und bestimmt bist du schon weg, ich habe jegliches Zeitgefühl verloren.

Aber dann sehe ich dich; du hast diesen erbsengrünen Schal um deinen Hals geschlungen, und hochgezogen übers Kinn, über die Nase sogar. Nur deine Augen sehe ich, und du siehst mich an, und dann schwingt die Tür schwerfällig hinter euch zu.

addicted to a certain kind of sadness

"Ach, verdammt!"

T. legt die Stirn in Falten. Der Poet tut es ihm gleich. Ich schnipse suchend mit den Fingern in die Luft vor mir, ein, zwei Mal, als entspränge meinen Fingern ein Funke und dem Funken das Wort, nach dem wir suchen. Dann wende ich mich ihr zu.

"Wie heißen die ... diese Dinger, die sprühen?"

Sie steht neben mir. Anfangs hatte sie mir den Rücken zugewandt, und ich war geneigt gewesen, einfach zu gehen - Mit dem falschen Lachen aufhören, das meine Unterhaltung mit T. künstlich am Leben erhält. Alle Gesprächsgespenster aufgeben und die Sehnsucht im nächsten Gullydeckel versenken.

Sie zögert keine Sekunde. "Wunderkerzen", sagt sie, und ich komme mir albern vor.

Komme mir dumm vor, weil alles, was ich von ihr zu wissen glaube, was ich zu spüren glaube, so aus der Luft gegriffen ist. So haltlos. Und alles, was ich mir von ihr zusammenreime, und von mir selbst; was ich fühle, zu fühlen glaube - Es kommt nicht heran an sie. Es ist nichts als müder Abklatsch, nasser Schaum; wenn ich von ihr rede, erschaffe ich sie neu. Neu und anders, und deshalb falsch, und nichts kann das einfangen, was ich fühle, wenn sie mir einen Blick zuwirft.

Denn es ist nicht, wofür ich es halte; es ist nicht einmal das.

Sie ist für mich ein Bild, das man betrachten und nach dem man sich unendlich sehen kann. Sie ist ein Bild, das sich bewegt, das redet und lacht und gestikuliert, und dennoch. Ein Bild also.

Eines das, wenn ich es betrachte, Wärme und Verlangen in mir auslöst; das Verlangen, ihr nah zu sein. Sie nahe zu haben; ich will: Diese grünen Katzenaugen auf mir ruhen spüren. Der Grund für ihr Lachen sein. Mit ihr etwas sein, das niemand versteht; verbunden sein mit ihr, verknüpft.

Ich will, dass niemand sonst sie anfasst, außer mir; dass niemand sie berührt, sie soll von niemandem berührt werden, ja, niemals berührt worden sein! Ich will sie ergründen, ohne jemals auf Grund zu stoßen; will sie verführen, von ihr verführt werden. Ich will, dass es sie schert, was ich treibe; dass sie mir eine Bedeutung zuweist in ihrem Leben, ein Gewicht. Ein Gesicht!

Ich will wichtig sein, für sie; ich will, dass sie ohne mich nicht mehr atmen kann. Ich will ihren Blick, will diese Mischung aus Schalk und Schwermut schmecken, dieses "Na?", und ihr "Du kriegst mich nicht!".

Sie lacht mit einem Augenzwinkern, sie lacht zufrieden. Ich bin mir ziemlich sicher, mir den vorsichtigen Seitenblick vorhin nur eingebildet zu haben. Mir alles - all das, was je war - nur zusammen phantasiert, nur überbewertet zu haben; sie schaut in die Runde und nimmt mich nicht wahr.

"T., komm' doch noch mit!", sagt sie schmeichelnd, und schaut ihn an, und ich schaue ihn auch an. Er windet sich noch, aber ich weiß, dass er ihrem Charme nachgeben wird. Ich werfe dem Poeten einen Blick zu, und rufe ein "Tschüss" in die Runde.

Dann stapfstöckle ich neben ihm auf Kopfsteinpflaster, und das Chaos in meinem Bauch kreucht und fleucht und hinterlässt nur Düsternis.

feeble-minded, wrong and senseless

Mir fallen da nur Bruchstücke ein.

Gerade, wenn ich nichts von der Welt wissen will, beginnt sie, schmeichelnd meine Beine zu umstreichen. Und dann streckst du die Hand aus, und spürst Krallen, und verstehst - wirklich nichts, einfach gar nichts mehr.

Dieses ständige Hin und Her. Ihr Blick, und dann wendet sie ihn ab und ich stehe allein, stehe dumm da. Manchmal lächelt sie mir zu, und dann wirft sich meine Vorsicht zusammen mit Vernunft und Stolz über die Reling. Dann lächle ich zurück, nein, ich strahle. Ich strahle sie an, und dann schaut sie wieder weg und ich, ich strahle noch ein bisschen, aber dann kommen die Zweifel, und die Vernunft klettert zurück an Bord, und die Angst hat mir inzwischen den Brustkorb eingeschnürt.

Angst, etwas fehl zu deuten; Angst davor, in eine Falle zu geraten.

Manchmal bin ich stark, und dann erwidere ich ihre Blicke mit einer gewissen Schamlosigkeit, mit provokantem Blitzen. Sie schaut dann schnell weg, und ihre Augenbrauen heben sich unmerklich.

Manchmal schaue ich sie an und weiß, dass sie das spürt, und dass sie aber den Blick nicht heben wird; und dann betrachte ich ihr Gesicht mit leiser Intensität, und denke, wie schön du bist. Und wie magisch, wie magisch sich das anfühlt, dich anzuschauen.

Wie du mich scheinbar nicht siehst, aber dann doch, und unsere Blicke treffen sich zaghaft, aber das bist du nie, zaghaft, das passt nicht zu dir; also schiebst du die Tür zu. Nur einen Moment lang, für einen Moment habe ich dich gesehen. Und selbst das ängstigt dich schon, ist es nicht so?

swinging with the old stars

Ich warte darauf, dass die Gefühle aus mir herausbrechen, mich übermannen, vom Bauch in den Kopf oder sofort in die Finger fließen, und aufs Papier, aber es passiert nicht. Stumm pulsiert es in mir, stumm und beharrlich kratzt der Schmerz an meinem Selbstbild, kratzt Streifen, bis von meinem Ego nicht mehr als ein kleiner Haufen übrig ist. Klein und nackt, und armselig sich zu bedecken versuchend.

Als der Wein beginnt, seine Wirkung zu tun, spüre ich, wie ich mir langsam entgleite. Mein Spiegelbild schneidet mir Fratzen und macht ohne mich weiter; so fühlt es sich an. Ich lache klirrend, meine Gesten werden fahrig, mein Schritt gewagt. Ich will gefährlich sein, bedrohlich gar, und sinnlich, und auf einmal bin ich das alles, während der Zeiger unbemerkt seine Kreise zieht und die Gläser sich leeren und füllen wie von Zauberhand.

Der Poet macht eine Bemerkung, und ich blitze ihn an, und später schiebe ich mein Fahrrad neben ihm her und höre mich sagen, dass er es doch bitte aussprechen soll, was auch immer es ist. Und er spricht es aus, und ich bin auf einmal wieder da, kleinlaut, sprachlos. Paralyse. Er sagt, lass' uns die letzte Minute vergessen, und ich nicke; wir wissen beide, dass man Gesagtes nicht zurückpfeifen kann, und trotzdem trinken wir.

Und dann tanzen, und eng und vertraut, jemand drückt mir ein Bier in die Hand; jemand brüllt mir Wortfetzen ins Ohr. Ich hatte N. ganz vergessen, und auf einmal entdecke ich sie in der Menge, und wieder zieht es mich hin zu ihr. Es zieht mich, und ich ziehe S. mit, und ich denke, Verdammt, ihre Augen sprechen. Und was sie sagen hört niemand, das höre nur ich, und ich kann diesen Blicken nicht trauen. Ich traue mich nicht, mir nicht, der Welt.

Ihre Augen sagen: Komm' her und: Ich mag dich, sehr sogar, aber ihre Hände greifen nicht nach mir, und ihr Körper schmiegt sich nicht an meinen.

Dieses Tanzen in ihrer Nähe, nur, um von ihr gesehen zu werden. - Dafür bin ich nicht hergekommen, dafür will ich nicht hergekommen sein; ich bahne mir einen Weg durch die Menge. Ich stehle jemandem die Mütze, atemlos, und dann tanze ich, um zu tanzen. Als ich wieder nach N. sehen will, steht sie in enger Umarmung mit einem weißen T-Shirt. Nein, hämmert es in meinem Kopf, Nein, Nein; und dann starre ich sie eine Weile an, ohnmächtig-provokant, abwartend, aber sie hebt den Blick nicht.

Und als die beiden miteinander verschmelzen, fliehe ich in die Kälte.

painted your soul into your guard

Von E, 16 SEP.

"Ich wanke
schlaftrunken durch
die gassen nichts
denkend, Sehend,
fühlend. !Plötzliches
erwachen trifft mich
wie der rausch den
nüchternen und mir
wird das spiel von
nebel licht und wind
gewahr welches mir
die tollsten dinge
zeigt. Ich freue mich
früh aufgestanden
zu sein, sehe noch
ein wenig zu und geh"


no need to leave, where would I be

„Ich fühl’ mich gerade wie im Film“, sagte J., und die Szene stanzte sich in mein Gedächtnis.

Wir, an dieser Ampel im Nirgendwo. Der Motor, der geduldig den Moment ausharrt, leise brummend; der Wind, der uns die feuchten Haare in Locken dreht; die Wärme auf der Haut. J. und E. auf der Rückbank, eisleckend und mitunter leise tratschend, und S. neben mir auf dem Beifahrersitz. Wir alle schauen auf die Ampel, vor der ich das Auto zum Stehen gebracht habe; ganz ordnungsgemäß, gemächlich ausgerollt.

Die Ampel zeigt noch immer Rot, mitten auf der Landstraße, und kein Auto in Sicht, weit und breit. Keine Kreuzung, kein Verkehr, nur: Wir. Abendsonne. Ampel.

Der Moment fühlte sich seltsam surreal an – Das Warten zog sich ins Endlose. Hätte ich nicht am Steuer gesessen, so hätte ich diesen absurden Stillstand womöglich genießen können; aber so trommelten meine Finger bald nervös aufs Lenkrad, und ein halbherziger Fluch rann mir aus dem Mundwinkel.

Was, dachte ich, wenn die Ampel einfach nicht grün wird?, wenn das einer dieser Momente ist, wie Michael Ende sie beschrieben hat, in seinem „Spiegel im Spiegel“? Ganz kurz fühle ich mich wie der Tänzer aus seiner Kurzgeschichte; dieser, der hinter dem Vorhang auf seinen Auftritt wartet und seinen Platz nicht verlassen kann, weil der Vorhang sich jeden Augenblick heben könnte. Jeden Augenblick, und deshalb wartet er, und wartet, und verliert alles Zeitgefühl.

„Fühlt sich an, als sei die Schulzeit jetzt endgültig zu Ende.“
- „Fühlt sich an, als würde sie nie zu Ende gehen.“

Wir atmen Zeitlosigkeit.

to burden your mouth for what you say

Nach oben, zur Küche, zum Punsch und den Spinnweben.

Ich war ziellos und verzweifelt die Treppen hochgestolpert, und da sah ich J.; die Zimmertür stand offen, sie lag auf dem Bett. Mit geschlossenen Augen, und ihr Freund saß neben ihr; mit einer zerfledderten Mumie ins Gespräch vertieft. Das Abwägen der Situation dauerte genau zwei Sekunden.

Ich wollte Geborgenheit. Ich wusste, wo ich danach suchen musste.

Ich krabbelte über J.’s Beine, legte mich neben sie, griff mir ihren Arm und hielt mich daran fest. Umschlungen. Ihre Müdigkeit ließ nur matte Irritation zu; sie fragte vorsichtig, was denn los sei, und streichelte mir übers Haar. Ich wollte alles, alles erzählen und durfte nicht, wir hatten einen Pakt geschlossen; „not even my closest confidant“, und heiße Tränen liefen mir schräg übers Gesicht.

Streiften ihren Oberarm und versickerten in der Bettdecke.