shut the door tight

Das ist jetzt zwei Jahre her.

       QM: Hey

                     Lass mal weggehen, irgendwann.
                        Lass uns feiern gehen, und die Welt vergessen.

                          Ja?

      A: Und dann?

       QM: Und dann -
                     Ihr dabei zusehen, wie sie sich auflöst.
                  Die Welt. Oder die Erinnerung daran.

heading downstream

Sie sitzt auf dem Teppichboden, Kopf gesenkt; Strähnen ihres dunklen Schopfes verbergen Stirn und Augen.

Ich: Ratlos, hilflos. Still. Dann rutsche ich zu ihr herüber, rutsche ganz nah an sie heran, ziehe ihren Kopf an meine Brust. Ein leises Schluchzen wringt sich aus ihrer. Meine Hand streicht ihren Rücken. Ich lehne den Kopf an ihren. Atme in ihre Schulterbeuge. Ich will, dass sie weiß: Das Leben geht weiter. Und dass sie weiß: Ich will ihr nah sein. Ihr Kraft geben. Ich drücke einen Kuss in ihren Nacken und weiß: Nichts davon hilft. Nicht wirklich. Ich kann es nur trotzdem versuchen.

inside your ancient eyes

Die Sonne malt mir Schattenmuster an die Wand. 

Aufgewacht. Blinzelnd: Urlaubsstimmung, ungestüme Freude; ich bin wieder Kind, die Welt wieder Spielplatz, und alles will entdeckt, betrachtet, gekostet werden. Kaum hat mich der letzte Tropfen Duschwasser berührt, zieht es mich schon hin, zum Fenster, zur Sonne, und obwohl das Fenster einen Spalt breit offen steht, gewinnt die Wärme die Überhand; streichelnde, liebkosende Wärme, ganz anders als alles, was der Winter zu bieten hat. Heizung, Kamin; nichts ist deren Wärme gegen das hier. 

Diese Wärme macht nicht schläfrig. Diese Wärme macht leicht, und froh. 

Aber da ist diese ständige Hast, das Aufspringen, der Wunsch nach Verbesserung. Perfektion? Die Möglichkeiten. Der Moment ist gut, und schön, das sehe ich, aber die Gedanken ruhen sich nicht aus; ein Kaffee, vielleicht, könnte den Moment noch besser machen, oder das Gefühl frisch geputzter Zähne. Vielleicht lieber Tee, aber was, wenn die Sonne dann nicht mehr – ? Sollte man vielleicht besser – ?

with truth the only key

Schlittschuh fahren, und jauchzen, und beinahe das Gleichgewicht verlieren, und Hände greifen.

Was ich 2012 lieben gelernt habe: Überdimensional große Badehandtücher. Knoblauch, in rauen Mengen. Funken über der Kerze. Öl auf Haut. Wissen, was kommt. Aufgerissene Augen, vor Aufregung, und Neugier, und Freude. Altes neu. Neues vertraut. Verändert fühlen. Tee kochen. Albern sein. Geküsst werden. Überall. 

Wenn wir uns so umschlingen, und nichts trennt uns voneinander als die Haut des jeweils anderen. Wenn sie so den Kopf schüttelt, weil ihr gefällt, wie ich tanze. Wenn sie sagt, dass ich schön bin, und ich spüre, dass der Protestschrei in meinem Inneren ein bisschen leiser geworden ist. Wenn sie die Augen geschlossen hält, und ich die Konturen ihres Gesichts mit dem Finger nachfahre. Ganz langsam.

Im Bett zu liegen, neben ihr; das ist wie eine Pause von der Welt. Es ist, als habe jemand eine Blase um uns gewoben während wir schliefen. Auf einmal gibt es ein Hier und ein Draußen, und alles, was zu letzterem gehört, ist ungemein farblos und besitzt kaum Gewicht. Auch an Reiz hat es eingebüßt. Mein Universum reicht bis zur Bettkante, vielleicht bis zur Zimmertür, und endet dort.

Wir wachen auf, und die Welt hat von ihrer Dringlichkeit verloren. Zeit kann mich nicht mehr drängen, nicht wirklich, und du bleibst einfach liegen, als der Wecker dich wachruft.

patchwork souls move closer

Ich sehe, wie du mich anschaust, und alles, was ich denken kann, ist, dass du es verdienst, genau so angesehen zu werden. 

Also lass mich, lass mich allein. Lass mich in Ruhe, ich meine es nicht so, bleib hier. Hör auf. Hör auf, so gut zu mir zu sein; hör auf, mich so anzuschauen. Ich kann nicht, kann dir nicht geben, was du suchst, ich will. Ich will es versuchen.

Ich stochere in einem Gefühlschaos, über das ich längst den Überblick verloren habe. Ich suche nach Struktur, nach dem kleinsten bisschen Halt, aber da ist nichts, nichts, dessen ich mir sicher sein kann. Was will ich, was will ich nicht; was gibt mir das Recht, zu entscheiden.

Wenn du mich ansiehst, mit dieser vollkommenen Offenheit. Da ist nichts Falsches in deinem Blick; nichts, was mir den Weg versperrt, absolut nichts. Alles, was mir entgegen strömt aus diesem Blick, ist Wärme. Wärme von einem solchen Ausmaß, dass ich mich schäme, sie anzunehmen. Ich schäme mich, wie man sich für ein viel zu großes Feuer schämen kann, wenn man der einzige ist, der sich daran wärmt, obwohl doch so viele frieren. 

Gib mir Schmerz. Gib mir Enttäuschung, und Wut, und Dunkelheit, denn das ist mir vertraut; das sind Dinge, mit denen ich etwas anfangen kann. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll; mit dem, was du mir anvertraut hast. Was du mir gibst. Du hast dich mir entgegen geworfen, noch sehr viel entschlossener, als ich geahnt hatte, und jetzt halte ich dich, und du mich, und wir uns gegenseitig, und ich warte auf den Fall. Aber du lässt nicht los.

Du hast noch immer nicht losgelassen.

footsteps on the concrete

Noch kleben ein paar Blätter wie vergessen an Astspitzen.

Die meisten finden sich am Boden wieder, in spielerischen Kreiseln, und dann vermatscht, verrottend. Die Kälte greift den Menschen ungeniert dahin, wo es sie ohnehin schon friert. Der Wind fährt ihnen beschwichtigend durchs Haar.  

Er sagt: Langeweile führt zu Stumpfsinn. Langeweile, und dieser damit verknüpfte, ständige Drang nach Neuem, nach neuer Information, neuem Geschehnis in allem, bloß nicht in der eigenen Welt; ich weiß nicht, das macht mich krank. Ich klicke, ich rase durch virtuelle Räume, grase sie nach Worten ab, nach neuen Worten, und dort war ich schon, aber hier noch nicht, und hier finde ich nur, was bereits bekannt ist, also: weiter. Weiter, klick, ich komme nicht zur Ruhe, ich kann die Sucht nicht stillen, diesen Durst; es gibt so vieles, was entdeckt werden will, und wenn ich nur einen Moment inne halte, steigt der Durst mir wieder die Kehle hoch, trocknet mir den Mund und lässt mich lechzen nach mehr.

slip into the clouds

Ich stehe zerstreut und nur zur Hälfte anwesend vor ein paar Kon-servendosen, als mich zwei Hände sanft an den Schultern greifen. 

Warm fühlt sich das an, und beiläufig zugleich; in meinem Kopf zerstauben Gedankenwolken, ich drehe mich, drehe den Kopf leicht-schräg nach oben, Richtung Zärtlichkeit. Vage Nähe, ein entschuldigendes Lächeln. Mein fragender Blick weicht auf; ich spüre, wie sich sein Lächeln in meinem widerspiegelt; ich begreife nicht ganz, aber ein wenig. 

Manche Worte finden einen Nachklang in dir. Viele verhallen, wenn auch nicht ungehört, so doch kaum mit großer Achtsamkeit bedacht; und eben weil es so viele sind, so viele Gespräche, so viel Austausch, muss das vielleicht so sein. Bescheiden sind sie, knicksen artig, schon kurz nachdem sie auf die Bühne geschubst wurden, und machen ihren Abgang, verschwinden still und leise in der Versenkung.

Manche jedoch, die rühren etwas in dir an; vielleicht ist es so, dass du auf sie gewartet hast, auf genau diese Worte, ohne es zu wissen; vielleicht gab es den Widerhall schon, in dir, irgendwo in dir drin, und jetzt, wo jemand diese Worte ausgesprochen hat, da regt sich etwas, da lässt es sich nicht mehr stillschweigen. Es regt sich, und das ist kein zaghaftes Klopfen an verschlossener Tür; das ist gesprengte Ketten und gewaltiges Aufatmen.

Worte, auf die man gewartet hat, und an die man zu glauben hoffte. Weißt du, das ist mehr als man beschreiben kann. Es ist nicht so, als hallten diese Worte bloß nach in dir, wie ein gewöhnliches Echo, spöttisch verzerrt und mit der Zeit verblassend. Es ist, wenn man das behaupten kann, genau umgekehrt. Ein umgekehrtes Echo; denn je mehr Zeit vergeht, und je öfter sie dir ins Gedächtnis rufen, desto klarer wird ihre Botschaft, desto lauter und dringlicher werden sie. Sie krallen sich in dir fest.

Siehst du mich nicht, ruft die Essenz; hier bin ich doch, kannst du mich nicht glauben? Hast du noch immer nicht die Kraft, den Mut, dich mir zuzuwenden? Hast du wirklich nur rasch geblinzelt; kannst du das, wie lange kannst du das noch tun? 

Ist es möglich, dass es die eigenen, wahren Wünsche und Träume sind, die einem die größte Angst machen?