let the moon cry and the bricks to crumble down

Du hast es nie vollkommen geschafft.

Es gibt immer einen Ort, der dich in die Vergangenheit zurückversetzen wird; einen Geruch, der dich erinnert, einen Geschmack; eine mit der gleichen Frisur, mit der gleichen Art, zu lachen, vielleicht.

Und dann sticht es kurz, Bilder schieben sich unaufgefordert vors innere Auge, Bilder, die man in Schachteln verpackt und weggesperrt hatte, die man hatte verbleichen lassen – Plötzlich werden sie wieder lebendig, springen dich an, und du bist wieder verletzlich und klein und glaubst, überwältigt zu werden.

Aber es ist nur ein Moment.

Nur dieser Moment. Dann fängst du dich, schüttelst leicht benommen den Kopf, wie, um alles wieder an den rechten Platz zu rücken, und lebst dein Leben weiter.

pounding there in your chest

Ich klammere mich an die Fetzen meiner Haut,
Meiner alten Haut, kneife die Augen zu
Und wünsche mir – Freiheit.

Sehne mich nach Freiheit. Es ist einfach, sich nach etwas zu sehnen, das man idealisieren kann, verherrlichen bis zur Unkenntlichkeit, weil man die Bedeutung nicht kennt, weil das Wort verlockend süß schmeckt, verlockend wild, und es ruft. Es ruft nach dir, nach dem Etwas in deiner Brust, longing and craving, craving and longing for more, und dieses Etwas antwortet.

Freundlich fremde Gesichter an den anderen Tischen, an meinem Tisch nur solche, die man schon zu oft gesehen, zu oft gesprochen hat, und die Geschichte, die erzählt wird, wurde schon tausendmal erzählt; ich fühle mich, als setze man mir die selbe wässrige Suppe wieder und wieder vor, und als bestünde sie jedes Mal zu einem größeren Teil aus Wasser, aus Nichts, aus fader Geschmacklosigkeit.

Ich kann nicht: Lachen über einen Witz, den ich bereits kenne. Mich fabelhaft über eine Geschichte amüsieren, die ich schon gehört habe.

Anscheinend sollte man das können; ich blicke in die altbekannten Gesichter, sehe sie lachen, frage mich, wer hier eigentlich den Verstand verliert. Sie erzählen das wieder und wieder, wie alte Wiederkäuer, kauen ihre Geschichten hoch bis sie die Farbe verlieren, bis sie zu ein und demselben Brei geworden sind, die gleichen Worte, immer, die gleichen Gesten, die gleichen Lacher. Ich höre nicht hin.

Ich höre nicht mehr hin.

slipping in between

Die Sekunde vor dem Aufprall ist die friedlichste.

Of course you’ll find millions of boxes, small ones and big ones and those in between, and you’ll try to make it fit, you’ll try hard to make everything fit inside of them, and it will, it does. You can put people inside of them, and they will fit, and from time to time you might close one of the boxes and open another one, but never let them confuse you, and don’t you confuse them.

You can also put feelings inside of your boxes, all the feelings you ever felt, nicely put together and nicely sorted out. So easy to put the disturbing ones aside, so easy to concentrate on the big ones, on those one has to concentrate on. Society says so. And all these opinions and interests, wonderfully stapled upon eachother, creating a great image of your self, an image you like, this is what I want to represent, this is who I am! – Is this who I am?

Is this who you are.

You consist of the music you listen to, of the places you go to, the people you chat with when you feel like talking to someone. And you are reaching out for this special feeling the media promises, a feeling you wouldn’t even be able to describe but know it exists, somewhere, and you will know when it’s there.

You will know.

And they lived happily ever after; this is what you want, this is the promise they made to you: You’ll find someone who saves you, someone who will colour your world, lighten it up, rescue you from everything you’re afraid of, from all these nightmares and fears. So you keep searching, because this feeling, it’s going to be like pure bliss, it’s going to be so amazing, and you can’t wait, you just can’t wait for it.

But you have to. And you will. And you will get tired and, because you want, want it so much, you’ll have to let go of it, as we mostly find the things we’re not looking for.

Don't we?

try to kill it all away

Das Tatsächliche liegt tief vergraben unter mehreren
Schichten der Selbstdarstellung.

Welches Bild wir von uns selbst haben. Welch verzerrtes, weichgezeichnetes Bild. Von uns, von unseren Mitmenschen. Ein Bild, geformt aus alltäglichem Geplauder, aus zusammengeschnipselten, aus dem Zusammenhang gerissenen Gesprächsfetzen, die man im rechten Licht herabrieseln lässt, und selbst davon erreicht nur die Hälfte das Gehirn des Gegenübers, kitzelnd, interessant, das wird gespeichert, der Eindruck, die Empfindung.

Nicht das Tatsächliche.

Und anstatt danach zu suchen, suhlen wir uns in Selbstgefälligkeit. Geldgier, Machtgier; Gier nach mehr. Mehr ist nicht genug. Wir räkeln uns darin, wir sind stolz darauf. Wir verstecken nicht, wir geilen uns auf. Wir schämen uns nicht für unsere Abgründe, unsere verkommene Moral und dunklen Sehnsüchte. Emotionale Magersucht stellen wir zur Schau. Je kaputter desto besser, nur die Hülle zählt; wir sind ja so kaputt, wir sind so abgestumpft, auf der Suche nach dem nächsten Kick.

Gott, wie wir uns gefallen.

Taumeln mit seelenlosem Blick von einer Tanzfläche zur nächsten und merken gar nicht, wie wir den Halt verlieren. Dröhnen uns zu mit irgendwas, mit allem, was es gibt, und fühlen doch nichts.

Fühlen nichts mehr.

Und was bleibt, sind Fragen. Fragen wie, Wann hört das auf? Kann es überhaupt aufhören? Was ist das, ein Fluch? Die Suche nach dem Sinn? Oder das Los einer verlorenen Generation.

Aber wir fragen nicht. Wir fragen nicht mehr.

wanted to eat your heart up, chew it up and swallow

Rauch umfängt, umhüllt uns, Füße zucken zum Beat.

Ich sauge an der Kippe wie an einem Strohhalm, muss husten, muss lachen; jemand wirft mir einen Blick zu, der alles heißen kann und nichts bedeuten muss, einen Blick, den ich mit Leichtigkeit abschüttle. So wie ich alles abschüttle, an diesem Abend.

Tanzen, forme ich mit den Lippen, die Musik übertönt selbst das, aber A. nickt und folgt mir auf die Tanzfläche. Wir boxen uns durch den Abend, und wenn sie genug Platz hat, bewegt sie sich wie eine Königin. Ich lache, weil ich das nicht erwartet hatte, weil wir nicht ernst bleiben können, und später tanzt E. bei uns, tanzt bei uns und scheint nicht so recht glücklich, nicht in Tanzlaune zu sein, und ich denke an die Abende, an denen wir den Blick kaum voneinander abwenden konnten, denke daran, wie sie mir die Sehnsucht aus den Fingern saugte, wie ich brannte, und wie sie brannte, für mich.

Ich schaue sie an, aber da brennt nichts in mir, obwohl ihr Blick derselbe ist, katzig und blitzend und, nein, nicht verlockend. Nicht länger verführerisch, es zieht mich nicht mehr zu ihr hin, es kitzelt nur noch, ganz leicht, und als ich sie antanze und sie die Hand an meine Hüfte legt, unsere Finger sich berühren, da explodiert nichts in mir. Ich sehe, wie sie A. einen kaltwütenden Blick zuwirft, und spüre ihre Laune absacken, je ausgelassener ich tanze, je mehr ich mit A. lache. Absurd, denke ich, als sie und A. nebeneinander tanzen; die eine trägt ein schwarzes, die andere ein weißes Top, und beide schauen mich an, und ich schließe die Augen und gebe mich hin.

Der Musik.

Ich verliere mich nicht mehr in ihrer Selbstsucht, in ihrem Vielleicht, vielleicht nicht, 'Und im nächsten Moment werde ich dich fallen lassen', das hat seine Anziehungskraft verloren. Vielleicht bin ich mir jetzt zu gut dafür. Vielleicht sehe ich jetzt, dass niemand das verdient hat.

Vielleicht will ich es auch einfach nur nicht mehr.

like the wreck you hide behind that mask

plötzlich
sie in meinem arm
hand unter stoff
auf haut
kuss zum versinken

Sie demütigt mich, vor allen, vor mir selbst, als sie ihn zur Begrüßung küsst. Wut und Ohnmacht kochen in mir hoch, der kindische Einfall, einfach in Tränen auszubrechen und wegzulaufen, dauert keine Millisekunde, verflüchtigt sich im Wimpernschlag, ich weiß, ich werde Haltung bewahren. Ich stapfe neben M. den Weg entlang und sammle mich. Dann lache ich versuchsweise, es klingt ein wenig angestrengt, aber ich will Leichtigkeit beweisen, und ich lache noch einmal. Perfekt. Jedes Lachen macht mich stärker. Es ist auf einmal leicht, sie beide zu verachten.

Seinen provokanten Blick erwidere ich amüsiert, betont liebenswürdig, und er zieht sie auf seinen Schoß. Ich will ihm den Hals umdrehen, lasse mich stattdessen in ein Gespräch verwickeln. Später ziehe ich sie an mich, sie wehrt sich lachend, dann wehrt sie sich nicht mehr, ergibt sich im Kuss. Kinder tuscheln aufgeregt, kreischen dann kichernd, zeigen mit den Fingern auf uns.

"Die hübsche Braune und die hübsche Blonde", röchelt der Langhaarige in mein Ohr, ich soll es den Kindern erklären, N. sagt, wir verstehen uns eben so gut, sind beste Freundinnen und küssen uns deshalb. Es schmerzt nicht einmal.

Die Kleine mit den neugierigen Augen stellt sich neben mich, und ich sage, "Frauen können sich auch ineinander verlieben, weißt du", und sie nickt eifrig und sagt, "Ich weiß das", und dreht sich um. Läuft davon. Läuft weg, und lässt mich kopfschüttelnd zurück; im Auto küsse ich sie noch einmal, zweimal, küsse ihr die Luft weg, küsse Gute Nacht. Es ist so leicht.

Es ist so leicht, sie zu küssen, wenn man einmal damit angefangen hat.

love is a banquet on which we feed

Ihr Lachen fliegt durch den Raum, grün und rot;
jemand verschüttet klebriges Irgendwas,
jemand lacht ausgelassen, vielleicht bin das ich.

Jemand wirft die Hände in die Luft. Hüften kreisen, Gekicher gluckst in mir hoch; auf einmal leuchten ihre Augen auf und sie dreht sich, dreht sich übermütig, greift nach mir, zieht mich an sich, und wir lachen beide, lachen und tanzen eng aneinander gepresst, und ich denke, wie viel davon ist Spaß, wie viel bedeutet ihr etwas. Manchmal schaut sie ernst, und dann spüre ich diese Spannung, diese Spannung zwischen uns, das geliebte Knistern, aber sie lacht schnell wieder, und ich auch, und wir lachen es gemeinsam von uns weg.

Von einer Zigarette berauscht, wieder auf die Tanzfläche, Ausschau gehalten nach Locken und einem blonden Zopf, und da sind sie, und in dem Moment, in dem ich N. meine Hand auf die Schulter lege, fragt der Sänger, "Are you gonna be my girl?" Sie lacht. "Long brown hair", ruft der Sänger und sie streicht mir durchs Haar. "Be my little rock’n roll queen", sagt sie zu mir.

Später macht die Welt einen Kopfstand. Ein Mädchen spricht N. an, fragt, ob sie auf Frauen stehe, und ich schnappe nach Luft. "Manchmal", sagt N., ohne kokettieren zu wollen. "Wenn ich betrunken bin", ergänzt sie dann, und ich erstarre. Ich stürze mehr oder weniger zum Ausgang. Sie wechselt noch ein paar Worte mit dem Mädchen, folgt uns dann; meine Bestürzung bemerkt sie nicht, scheinbar.

Abschied: Ein Kuss auf die Wange. Unverbindlich. Freundlich.

Zum Kotzen.