footsteps on the concrete

Noch kleben ein paar Blätter wie vergessen an Astspitzen.

Die meisten finden sich am Boden wieder, in spielerischen Kreiseln, und dann vermatscht, verrottend. Die Kälte greift den Menschen ungeniert dahin, wo es sie ohnehin schon friert. Der Wind fährt ihnen beschwichtigend durchs Haar.  

Er sagt: Langeweile führt zu Stumpfsinn. Langeweile, und dieser damit verknüpfte, ständige Drang nach Neuem, nach neuer Information, neuem Geschehnis in allem, bloß nicht in der eigenen Welt; ich weiß nicht, das macht mich krank. Ich klicke, ich rase durch virtuelle Räume, grase sie nach Worten ab, nach neuen Worten, und dort war ich schon, aber hier noch nicht, und hier finde ich nur, was bereits bekannt ist, also: weiter. Weiter, klick, ich komme nicht zur Ruhe, ich kann die Sucht nicht stillen, diesen Durst; es gibt so vieles, was entdeckt werden will, und wenn ich nur einen Moment inne halte, steigt der Durst mir wieder die Kehle hoch, trocknet mir den Mund und lässt mich lechzen nach mehr.

slip into the clouds

Ich stehe zerstreut und nur zur Hälfte anwesend vor ein paar Kon-servendosen, als mich zwei Hände sanft an den Schultern greifen. 

Warm fühlt sich das an, und beiläufig zugleich; in meinem Kopf zerstauben Gedankenwolken, ich drehe mich, drehe den Kopf leicht-schräg nach oben, Richtung Zärtlichkeit. Vage Nähe, ein entschuldigendes Lächeln. Mein fragender Blick weicht auf; ich spüre, wie sich sein Lächeln in meinem widerspiegelt; ich begreife nicht ganz, aber ein wenig. 

Manche Worte finden einen Nachklang in dir. Viele verhallen, wenn auch nicht ungehört, so doch kaum mit großer Achtsamkeit bedacht; und eben weil es so viele sind, so viele Gespräche, so viel Austausch, muss das vielleicht so sein. Bescheiden sind sie, knicksen artig, schon kurz nachdem sie auf die Bühne geschubst wurden, und machen ihren Abgang, verschwinden still und leise in der Versenkung.

Manche jedoch, die rühren etwas in dir an; vielleicht ist es so, dass du auf sie gewartet hast, auf genau diese Worte, ohne es zu wissen; vielleicht gab es den Widerhall schon, in dir, irgendwo in dir drin, und jetzt, wo jemand diese Worte ausgesprochen hat, da regt sich etwas, da lässt es sich nicht mehr stillschweigen. Es regt sich, und das ist kein zaghaftes Klopfen an verschlossener Tür; das ist gesprengte Ketten und gewaltiges Aufatmen.

Worte, auf die man gewartet hat, und an die man zu glauben hoffte. Weißt du, das ist mehr als man beschreiben kann. Es ist nicht so, als hallten diese Worte bloß nach in dir, wie ein gewöhnliches Echo, spöttisch verzerrt und mit der Zeit verblassend. Es ist, wenn man das behaupten kann, genau umgekehrt. Ein umgekehrtes Echo; denn je mehr Zeit vergeht, und je öfter sie dir ins Gedächtnis rufen, desto klarer wird ihre Botschaft, desto lauter und dringlicher werden sie. Sie krallen sich in dir fest.

Siehst du mich nicht, ruft die Essenz; hier bin ich doch, kannst du mich nicht glauben? Hast du noch immer nicht die Kraft, den Mut, dich mir zuzuwenden? Hast du wirklich nur rasch geblinzelt; kannst du das, wie lange kannst du das noch tun? 

Ist es möglich, dass es die eigenen, wahren Wünsche und Träume sind, die einem die größte Angst machen?

walking contradictions

It's like talking to a very close friend, but better. 
It's like playing poker with someone whose face you cannot see. 
To write is to free the monsters.

Schreiben ist Losboxen von allem, was sich an mich gehängt hat und Fäden zieht. Schreiben ist Fass Mich Nicht An, und Endlich Für Mich Sein. Die einzige Person, die mir das verweigern kann, bin ich selbst; und das habe ich lang genug getan. Schreiben kann mich nicht fesseln, kann mich niemals in Ketten legen; es ist alles, was ich verneine, und genau deshalb ein Teil von mir. Es ruft die größten Schatten aus mir heraus, die grausamsten Gestalten aus den hintersten Winkeln; und dafür danke ich ihm. Ich liebe es dafür, dass es mich hässlich und schön zugleich macht, dass es mich mein Selbst vergessen lässt, und zur gleichen Zeit immer dahin zurückführt. 

Nie bin ich mehr ich selbst als im Moment des Schreibens.

purring for high definition

"Geborgenheit", sage ich irgendwann.

"Hat auch viel mit Glücklichsein zu tun." Auf dem Bildschirm meines Laptops bewegt sich ihr Kopf bestätigend auf und ab. Die Pixel lassen zu wünschen übrig; ich betrachte das kleine Bild, das bin ich, ich lächle. 

"Bei wem fühlst du dich denn geborgen?", fragt sie. Mein Blick wandert wieder zu ihr zurück; ihre Augen schauen fragend, ihr Blick ist warm, und müde. Ich nenne ein paar Namen, ein paar wenige; dann verstumme ich. Sie hat ihren Kopf aufs Kissen gelegt, und eine Weile schauen wir bloß. 

Dann tippe ich ein paar Worte, und drücke die Enter-Taste, mit Nachdruck. Das ist wie Flüstern, denke ich; wie ein heimliches Flüstern, obwohl niemand im Raum ist, aber es soll doch keiner hören. 

Sie strahlt.  

all your fumble words

"Und dann hab ich mich eine Woche lang nicht gespürt", sagt sie und flicht ihre Finger in meine. Mir ist warm und schläfrig zumute. 

"Wie meinst du das", murmle ich, "Dich nicht gespürt?" 

Sie überlegt kurz. "Das ist, als sei man irgendwie betäubt, irgendwie gar nicht da. Ich hab das erst hinterher gemerkt, als es vorbei war. Ist ziemlich krass gewesen." Ihr Daumen streichelt über mein Handgelenk. "Wegen so was fangen Leute an, sich zu ritzen. Oder sich den Finger in den Hals zu stecken. Weil sie die Realität wieder spüren wollen. Es gibt nur zwei Wege, die aus dieser Unwirklichkeit raus führen: Schmerz, und Sex."

Ich liege neben ihr und bin auf einmal sehr wach. 

Du weißt gar nicht, wie gut ich das nachvollziehen kann, denke ich. Du weißt gar nicht, wie wenig ich gerade da bin, wie viel ich dir gern geben würde und nicht geben kann. Du gibst dich mit einem Schatten zufrieden; das ist es, was du tust. 

Ich bin nicht wirklich hier. Ich weiß nicht, wer das ist, der da neben dir im Bett liegt, dir bereitwillig einen Mund bietet, einen Körper, und nicht mehr. Leer bin ich, und meine Hülle wandelt unbeirrt durch Straßen, durch Betten und Köpfe und hinterlässt Spuren, die ich nicht verstehe; Spuren wie die Kleidungsstücke, aus denen man sich nach trunkener Nacht geschält hat und die man völlig gedankenlos auf den Fußboden fallen ließ, und die man am nächsten Morgen betrachtet mit nichts als einer dunklen Ahnung, wie sie dahin gekommen sein könnten, wo sie eben nun verstreut liegen.

knocking at my windows

A friend of mine is in the habit of telling me those kind of truths you don't want to hear.

Everybody is replaceable,” she says, looking at me firmly. “We all are, but nobody wants to hear about it. Nobody wants it to be true.” 

I stare back at her and catch myself shaking my head vehemently. I stop shaking it. “But, … It doesn't feel this way. It doesn't feel like everybody is replaceable,
 I say.

She nods, somehow lenient. “I know. But everybody is. There are millions and millions of people. You meet some of them, and some of them you don't. You become intimate with some of them, because of these factors we were talking about... Like, nearness.”

And similarity, I say. “Attraction.”

Yeah, right. And you can have that with more than just one person. You could have the exact same amount of closeness, and feeling happy and understood, with thousands of other people. Those you know now you met by chance, and you can meet others accidentally.”

She spreads her arms. “It's just a big raffle.”

I look at her, feeling the words sink in. I can't help but see the logic, and I can't help but feel absolutely horrified by it.

She leans back in her chair. “I find this incredibly comforting.”

watching hastiness unfold

Der rot-violette Fleck an meinem Hals verblasst schon. 

Nach Minze hat sie geschmeckt, und ein bisschen süß. Ein bisschen salzig, und anders als gedacht. Alles an ihr ist Verwandlung, Transformation: Von dem Bild, das ich ursprünglich von ihr hatte – dem Mädchen, als das ich sie kennen lernte – bis hin zu der Person, die sich mir jetzt zeigt. Die sagt, Du riechst unglaublich gut, und beginnt, mich zu verschlingen. Die mich an sich presst, ganz fest. Deren leidenschaftliche Gier selbst in Atempausen nur schlummert, nie versiegt.

Eigentlich hätte ich es ahnen können. Als sie in der Schlange wartete und mir zuwinkte. Als unsere Arme auf der Lehne zwischen den Kinositzen aneinander lehnten. Als sie von der Toilette zurückkam und die Haare auf einmal offen trug. Aber ich hatte nicht damit gerechnet. Niemals.

Zwar ihre Hand gehalten, ganz natürlich, und angenehm, aber in keinster Weise zu irgendetwas verpflichtend. Locker-leicht, beschwingt. Und später, mir aus der Jacke helfend, sagt sie, „See, I'm undressing you!“ und zwinkert, und wir lachen, und es ist halb Spaß, halb Ernst, aber letzteres wiegt so wenig, dass ich ihn mir aus dem Kopf schütteln kann. Wir stoßen klingend Gläser zusammen, und wann immer unsere Finger sich streifen, ist es gut. Ist vertraut und warm und – so einfach.

Dann stolpern wir durch die Küche; Tanzschritte will sie mir zeigen, und ich bocke und lache und auf einmal liegt ihr Mund auf meinem, und alles in mir wirft sich ihr entgegen.